U-Boot-Havarie im Polarmeer
Experten schätzen: Sauerstoff reicht für etwa acht Tage

dpa KIEL/GLÜCKSBURG/OSLO. Nach Schätzung von U-Boot-Experten der Kieler Howaldtswerke Werft-Deutsche AG (HDW) dürften U-Boote wie die havarierte "Kursk" Sauerstoff für etwa acht Tage an Bord haben. Wie ein HDW-Sprecher der dpa am Montag in Kiel sagte, sei natürlich die Frage, wie schwer die Havarie ist. Von der russischen Antej- Klasse (NATO-Bezeichnung "Oscar II") sei bekannt, dass die Boote in mehrere wasserdichte Schotten unterteilt sind, so dass sich ein Wassereinbruch nicht überall verteilen kann.

Experten sind auch der Meinung, dass Russland - ähnlich wie die USA - sehr viel in die Entwicklung von Rettungssystemen investiert hat. Dabei geht es in erster Linie um eine Art "Kapsel" - einem Mini- U-Boot vergleichbar -, die an das havarierte Schiff andocken und einzeln Personen retten kann. Beim amerikanischen "DSRV"-System ist sogar die Bergung von bis zu 24 Mann auf einmal möglich.

Nach einer groben Schätzung ist die Sauerstoffmenge so berechnet, dass Hilfsschiffe etwa bis zu fünf Tagen benötigen, um an die Unfallstelle zu kommen. Rechnet man noch zwei bis drei Tage für die Rettung dazu, so ist man bei etwa acht Tagen, die das Boot unter Wasser liegen kann. Aus Kreisen der Bundesmarine in Glücksburg verlautete ergänzend, dass moderne russische U-Boote wie die "Kursk" über bis zu drei Systeme für die Sauerstoffversorgung verfügen.

Die "Kursk" gehört zu der weltweit zweitgrößten Kategorie von Unterseebooten. Das Boot wurde 1994 in der nordrussischen Marinebasis Sewerodwinsk in Dienst gestellt und hat ungewöhnlich starke Atomreaktoren. Wie die auf Umweltgefahren durch die russische U- Bootflotte spezialisierte norwegische Umweltorganisation Bellona in Oslo mitteilte, haben die beiden Reaktoren eine Kapazität von je 190 Megawatt und sind damit die stärksten in Russland eingesetzten.

Die russische Flotte verfügt über sieben gleichartige U-Boote im Nordmeer und vier im Pazifischen Ozean. Sie sind 155 Meter lang und mit 18 000 Tonnen für U-Boote außerordentlich schwer. Die Boote der Antej-Klasse können mit maximal 130 Mann Besatzung bis zu 120 Tagen ununterbrochen tauchen, wozu aber die Atomreaktoren eingeschaltet sein müssen.

Ein erneutes Einschalten der Reaktoren auf dem in 100 Meter Tiefe auf Grund liegenden Boot sei wegen Brandgefahr außerordentlich riskant, sagte Bellona-Experte Thomas Nielsen.

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