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U-Boot-Retter auf mysteriöser Seereise

Verständnisloses Achselzucken. Das war am Donnerstag die einhellige Reaktion skandinavischer Spezialisten auf die Frage, warum das ohnehin viel zu spät angeforderte britische Rettungs-U-Boot LR5 auch noch 2 400 Kilometer Seeweg hinter sich bringen muss, ehe es Überlebende vom verunglückten russischen Atom-U-Boot "Kurks" holen kann.

dpa OSLO. Vom russischen Hafen Murmansk wären es nur 200 Kilometer gewesen. Stattdessen sind nun aber zwei Tage mehr für den Transport nötig, während den 118 seit Samstag am Meeresgrund eingeschlossenen Seeleuten der Sauerstoff auszugehen droht.

Auch Norwegens Verteidigungsminister Björn Tore Godal musste erst einmal passen: "Ich vermute, es gibt irgendwo eine gute Antwort, aber wir kennen sie nicht", meinte der Minister in der Zeitung "Dagbladet". Grotesk wirkte es da, dass die Kommandantur der russischen Nordflotte am Donnerstagmorgen plötzlich mitteilen ließ, man erwäge, die LR5 samt dazugehörigem Rettungsgerät von Norwegen aus nach Murmansk zu fliegen. So könne das Mini-U-Boot bereits einen Tag eher im Unglücksgebiet eintreffen.

Als die gemeldet wurde, waren die recht aufwendigen Vorbereitungen auf dem Transportschiff "Normand Pioneer" aber gerade abgeschlossen, und das Schiff stach mit dem Rettungs-U-Boot und dessen britischer Besatzung von Trondheim in Richtung Nordmeer in See. Dieser höchst eigentümliche Verlauf nährte Spekulationen, dass die russische Führung bei ihrer Zustimmung zur britisch-norwegischen Hilfe schon längst nicht mehr an die Rettung von Menschenleben dachte, sondern nur noch an Prestige. Gemutmaßt wurde auch, dass Russland den Einsatz bewusst verzögerte, weil es keinen westlichen Einblick in seine Atom- U-Boote erlauben will.

Schweden erhielten am Dienstag ein kaltes "Njet"

Nicht unbedingt zur Klärung trugen auch widersprüchliche britische Mitteilungen über die Gründe für den umständlichen Reiseweg bei. Erst hieß es aus Londoner Stabsstellen, man habe Trondheim gewählt und die Vorbereitungen dafür in Gang gesetzt, als es noch kein grünes Licht von russischer Seite gab. Die dann am Donnerstag verbreitete Version lautete, dass es nur wenige für den schwierigen Auftrag geeignete Transportschiffe gebe, und für die "Normand Pioneer" Trondheim als nächster Hafen die richtige Zwischenstation war. Der Sprecher des norwegischen Außenministeriums, Karsten Klepsvik, sagte: "Das klingt für uns sehr pausibel."

Überhaupt nicht plausibel fand dieses Erklärung Tom Heron, Chef der LR5-Besatzung. "Wir können praktisch von jedem Mutterschiff aus arbeiten." Heron meinte in Trondheim in der Zeitung "VG", dass auch in Murmansk oder wenigstens in einem nördlicherem norwegischen Hafen ein geeignetes Schiff bereitzustellen gewesen wäre.

So sahen das auch schwedische Spezialisten, deren frühes Hilfsangebot mit einem größerem Rettungs-U-Boot als dem russischen aus Moskau am Dienstag mit einem kalten "Njet" bedacht worden war. "Wir hätten unser U-Boot URF mit einem schnellen Flugzeug überall hinbringen können", meinte Marinekapitän Johan Aserud. Für den Transport auf dem Wasser sei nichts weiter nötig als ein "normales Bugsierschiff" mit einem guten Lastenkran und einem für schweres Wetter geeigneten dynamischen Positionierungssystem. Allerdings hätte sein Fahrzeug Schwierigkeiten mit dem Andocken an das russische U- Boot wegen dessen starker Schräglage gehabt. Über den Fahrplan für seine britischen Kollegen von der LR5 meinte der Schwede: "Man muss leider sagen, dass das alles recht hoffnungslos klingt."

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