UBS Warburg und Rothschild wollen vermehrt Restrukturierungsmandate akquirieren
Investmentbanker schielen auf Sanierungsfälle

Notverkäufe von Konzernteilen oder komplexe Umschuldungen sollen dringend benötigte Honorare in die Kassen der Banken spülen.

mm/pk FRANKFURT/M. Wie man das Wort Krise buchstabiert, muss den Investmentbanken niemand erklären. Schließlich brechen den Instituten selbst die Erträge weg. In den ersten neun Monaten 2002 ist das lukrative Geschäft mit Fusionen und Übernahmen noch einmal um 30 % zurückgegangen. Bei Aktienemissionen sieht die Statistik kaum erbaulicher aus: Hier lag der Rückgang bei 20 %.

Doch ausgerechnet die Mischung aus Baisse und Konjunkturflaute beschert den Bankern ein neues Betätigungsfeld: Die Beratung von Unternehmen, die kurz vor einer Krise stehen oder bereits in existenzbedrohenden Schwierigkeiten stecken. "Die finanzielle Restrukturierung von in Not geratenen Firmen wird in den kommenden Jahren unser wichtigster Wachstumsmarkt", prognostiziert Carsten ten Brink, Managing Director bei UBS Warburg.

Sein Kollege David Resnick, Leiter des weltweiten Teams für Restrukturierungen der Londoner Investmentbank Rothschild, sieht das ähnlich. Neben der schlechten Konjunktur sorgten auch die Deregulierung von Märkten oder hohe Schadenersatzklagen für Beratungsbedarf. Als jüngste Beispiele nennt Resnick die Anträge auf Gläubigerschutz des Energiekonzerns PG&E, des Telekomanbieters Worldcom und des Automobilzulieferers Federal Mogul, der sich mit einer Prozesslawine wegen des Einsatzes von Asbest konfrontiert sah. Ein gutes Barometer für die Marktlage seien die Ausfallraten von Unternehmensanleihen. "Historisch liegen diese so genannten Default Rates bei 3 %, dieses Jahr werden wir bei fast 10 % landen", erläutert Resnick.

UBS-Banker ten Brink rechnet ebenfalls mit einer weiter steigenden Zahl von Unternehmenspleiten und damit mit einem stetigen Auftragsfluss. "Erfolg versprechend sind vor allem Firmen, deren Geschäftsmodell im Prinzip funktioniert, die aber in eine finanzielle Schieflage geraten sind", meint ten Brink. Entscheidend für die Wahl der Restrukturierungsmittel sei die Schwere der Krise. Das reiche von der Beschaffung dringend nötigen Eigenkapitals durch die Emission von Aktien unter Einräumung eines Bezugsrechts für die Altaktionäre (Handelsblatt vom 23.9.), über den Verkauf von Unternehmensteilen bis hin zu Umschuldungen.

UBS betreut derzeit den Verkauf von Kirch-Media, dem Herzstück des zusammengebrochenen Medienimperiums von Leo Kirch. Darüber hinaus hat die Investmentbank die Gläubiger des US-Kabelbetreibers NTL bei der Umschuldung von Verbindlichkeiten über 11,5 Mrd. Dollar beraten. Zu den Unternehmen von denen ten Brink in den kommenden Monaten noch Aktienemissionen oder Verkäufe von Unternehmensteilen erwartet, zählen beispielsweise Deutsche Telekom, France Télécom, Vivendi oder British Ernergy

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Neben der Beratung von Unternehmen sieht Rothschild-Banker Resnick weitere Betätigungsfelder: So enthielten die Kreditportfolios deutscher Banken vermehrt risikoreiche Engagements, für die Rothschild unabhängige Beratung anbiete. Das gleiche gelte für die Beteiligungsportfolios von Private Equity-Gesellschaften. Bereits etwa 20 bis 25 % aller Restrukturierungsmandate bei Rothschild entfielen auf diesen Bereich.

Sowohl UBS als auch Rothschild stecken bereits erhebliche Ressourcen in das Restrukturierungsgeschäft. Als entscheidenden Vorteil im Kampf um Mandate sieht Rothschild die eigene Unabhängigkeit und die Spezialisierung auf das Beratungsgeschäft. Bei den meisten Wettbewerbern drohe ein Interessenskonflikt, so Resnick, wenn sie für den Kunden bereits als Kreditgeber oder als Emissionsbank tätig waren. Auch UBS sieht die Gefahr von Interessenkonflikten. "Man kann natürlich nicht überall dabei sein", räumt ten Brink ein. Da sich UBS im Kreditgeschäft aber stark zurückhalte, gebe es genügend Sanierungsfälle, in denen sich die Investmentbank problemlos engagieren könne.

Quelle: Handelsblatt

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