UBS Warburg zieht an Goldman Sachs vorbei – Deutsche Bank hofft auf besseres zweites Halbjahr
Krise der Technologiewerte verschiebt Rangliste der Emissionsbanken

Die Krise der Technologiewerte schlägt sich nicht nur in den Börsenkursen nieder, sondern verschiebt auch die Gewichte im Konkurrenzkampf der Investmentbanken. Im ersten Halbjahr 2001 sind die so genannten Rennlisten - diese messen die Leistungen der Institute bei der Platzierung von Aktien - kräftig durcheinander geraten.

FRANKFURT/M. So schaffte UBS Warburg in Europa mit einem Volumen von 6,5 Mrd. $ den Sprung von Platz Neun an die Spitze. Damit verweist das Institut den Konkurrenten Goldman Sachs (6,1 Mrd. $) auf Rang Zwei. UBS profitierte dabei von zwei Trends: Zum einen kamen in den ersten sechs Monaten weniger Technologie- und dafür mehr Aktien aus der Old Economy an den Markt. Zum anderen spielten Börsengänge nicht mehr die dominierende Rolle wie noch vor einem Jahr.

Dafür hat die Bedeutung von Zweitplatzierungen bereits etablierter Unternehmen zugenommen. So war UBS beispielsweise federführend an der Emission des norwegischen Ölkonzerns Statoil beteiligt - mit einem Volumen von 3,2 Mrd. der bislang größte europäische Börsengang in diesem Jahr. Aber UBS begleitete auch die Zweitplatzierung des britischen Mobilfunkers Vodafone, der im April Aktien im Wert von 5,8 Mrd. an den Markt brachte.

"Im Vorjahr schnitten technologielastige US-Häuser sehr gut ab", erläutert Michael Bednar, Managing Director von UBS Warburg. In diesem Jahr habe sich der Schwerpunkt verschoben. "UBS hatte den Technologie-Zug ein wenig verpasst, konnte jetzt aber vom Trend in Richtung etablierter Unternehmen mit schwarzen Zahlen profitieren", stimmt Martin Reinboth, Executive Director bei Morgan Stanley, zu. Goldman Sachs führt den Verlust der Spitzenposition in Europa vor allem auf die schlechtere Emissionskonjunktur zurück: "Im Vergleich zum Vorjahr ist das Platzierungsvolumen um über die Hälfte zurückgegangen, da machen einige wenige große Deals bereits einen großen Unterschied", sagt Jasper Tans von Goldman Sachs in London. Weltweit hat die US-Bank ihre Führungsposition im Geschäft mit Aktienemissionen verteidigen können.

Konzentriert man sich in Europa lediglich auf die Neuemissionen und lässt Zweitplatzierungen außer acht, dann führt Morgan Stanley die Rennliste an. Das Institut zeichnete für die Platzierungen des Mobilfunkanbieters Orange und der spanischen Modekette Inditex mitverantwortlich. Damit war das Institut bei zwei der größten europäischen Neuemissionen im ersten Halbjahr dabei. Auf Rang Zwei dieser Statistik folgt die Dresdner Bank, die unter anderem zusammen mit Morgan Stanley den Betreiber des Frankfurter Flughafens, die Fraport AG, und Orange an die Börse geführt hat.

Abgerutscht ist im ersten Halbjahr die Deutsche Bank. Sie belegt in der Rennliste für Aktienemissionen nur noch Platz Acht, nach Rang Zwei im ersten Halbjahr 2000. Das Institut setzt jetzt auf die zweiten sechs Monate, für die man einige wichtige Mandate erhalten habe. So fällt der Börsengang von Campari bereits ins zweite Halbjahr. Dazu kommt die verschobene Platzierung des Luxusgüterkonzerns Prada sowie die Emission von South African Telecom. Aber auch die Konkurrenz schläft nicht: So begleitet etwa UBS Warburg gerade die Emission des Börsenverbundes Euronext, hat das Mandat für die Platzierung der italienischen Rete Gas erhalten und ist auch bei Campari mit im Boot; und Goldman Sachs betreut die gerade angelaufene Kapitalerhöhung des Chipherstellers Infineon.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%