Udo Stark soll neuer Chef werden
MG stimmt Aktionäre auf möglichen Strategiewechsel ein

Nach dem vorzeitigen Rücktritt von Vorstandschef Kajo Neukirchen steht dem Chemie- und Anlagenbaukonzern MG Technologies möglicherweise ein umfassender Strategiewechsel bevor. Eine Zerschlagung des Traditionskonzerns strebt Großaktionär Otto Happel jedoch nicht an.

Reuters FRANKFURT. "Die heutige Hauptversammlung markiert in der ereignisreichen 122-jährigen Geschichte dieses Unternehmens einen weiteren Einschnitt", sagte Finanzchef Karlheinz Hornung am Dienstag auf der Hauptversammlung in Frankfurt. Es mag unterschiedliche Auffassungen darüber geben, wie die MG nun ihr Wertpotenzial am besten heben könne. "Die Antwort auf diese Frage wird Sache des zukünftigen MG-Managements und des neuen Aufsichtsrats sein", sagte Hornung. Eine Zerschlagung des Konzerns strebe Großaktionär Happel indes nicht an. Eine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr wurde nicht gegeben.

Der bisherige Konzernlenker Neukirchen hatte Ende Mai seinen Chefposten vorzeitig abgegeben, nachdem sein Rivale Happel unlängst seinen Anteil an der mg auf über 20 Prozent aufgestockt hatte. Der ausgeschiedene Vorstandsvorsitzende Kajo Neukirchen werde noch bis zum Ende seines Bestellungszeitraums 2006 seine ihm zustehenden Bezüge von 13,2 Mill. Euro erhalten, kündigte MG-Hauptversammlungsleiter Bernahrd Walter an. Eine Abfindung werde nicht gezahlt.

Seit längerem wird bereits über einen grundsätzlichen Strategiewechsel der bislang auf den Säulen Chemie und Anlagenbau ausgerichteten Gesellschaft spekuliert. Dabei angestellte Überlegungen, Happel wolle auf eine Zerschlagung des Konzerns hinwirken, erteilte Hauptversammlungsleiter Bernhard Walter indes eine klare Absage. Zwar müsse aus der Sicht von Happel die aktuelle Aufstellung des Mischkonzerns ernsthaft hinterfragt werden. "Insofern ist eine sorgfältige Überprüfung der Strategie nach Amtsantritt des neuen Vorstandsvorsitzenden vorgesehen," sagte das Aufsichtsratsmitglied. Spekulationen über eine Zerschlagung des Konzerns seien aber unberechtigt. "Eine Zerschlagung steht für Herrn Dr. Happel nicht zur Diskussion", sagte Walter unter Hinweis auf Stichpunkte, die ihm der Großaktionär überlassen habe. Happel verstehe sich als strategischer Investor. Konkrete Aussagen seien jedoch erst im Spätherbst möglich.

Nach der Hauptversammlung solle der neu gewählte Aufsichtsrat noch am Dienstag über die Wahl des ehemaligen AGIV-Chefs Udo Stark zum Vorstandsvorsitzenden entscheiden, teilte die mg weiter mit. Bereits am Vortag war aus unternehmensnahen Branchenkreisen bekannt geworden, dass Stark als Nachfolger für Neukirchen auf dem Chefposten vorgesehen ist. Der Harvard-Absolvent Stark, 1991 bis 2000 Konzernchef bei der Aktiengesellschaft für Industrie und Verkehrswesen (AGIV), solle sein Amt dann sofort antreten. Der Manager habe sich bereits den Vertretern der Anteilseigner und Arbeitnehmer vorgestellt.

Neben Neukirchen verlässt nun auch Rechtsvorstand Rolf Niemann den Konzern. Der vorzeitige Rücktritt erfolge auf Grund der veränderten Konstellation, sagte Walter. Niemann werde aber noch bis spätestens 31. Oktober im Amt bleiben. Als Rechtsvorstand war Niemann eine wichtige Figur in den langjährigen Prozessen zwischen der MG und seinem Großaktionär Happel.

Keine Ergebnisprognose für dieses Jahr

Angesichts der Konjunkturflaute, der Dollarschwäche und von Einmalbelastungen unter anderem wegen des geplanten Verkaufs der Stahlbau Plauen lehnte Finanzchef Hornung eine konkrete Ergebnisprognose für 2003 ab. "Vor dem Hintergrund der Unsicherheit über die weitere globale wirtschaftliche Entwicklung ist derzeit eine Prognose nicht möglich", sagte er.

Die MG führt nach eigenen Angaben derzeit Verhandlungen mit einem belgischen Investor über den Verkauf der Stahlbau Plauen GmbH und der Brückenbau Plauen GmbH. Trotz Restrukturieren sei eine Rückkehr in die Gewinnzone der Geschäfte nicht möglich gewesen. Der ganze Bereich habe zuletzt ein Umsatzniveau von 97 Millionen Euro ausgewiesen, sagte ein Sprecher.

Aktionärsvertreter fordern Aufklärung über Strategie

Aktionärsvertreter forderten von der mg nun Aufschluss über die künftige Strategie des Konzerns. "Uns selber interessiert, was Herr Happel vor hat", sagte etwa Klaus Nieding von der DSW. Es herrsche aber Erleichterung darüber, dass der Streit zwischen Neukirchen und Happel nun ein Ende habe. Dabei würdigte Nieding auch die Leistung des zurückgetretenen Neukirchen. Eines habe er erreicht, sagte Nieding. "Die Gesellschaft existiert noch."

Andere Aktionärsvertreter kritisierten indes den gestiegenen Einfluss von Happel. "Ich verstehe nicht, wieso ein Aktionär mit 20 Prozent alles bestimmt", sagte ein anderer Aktionärsvertreter.

Die M-Aktie lag am Dienstag 4,5 Prozent im Minus bei 8,78 Euro.

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