Über 100 Stundenkilometer kann ein Drache schnell werden
Am Heimathimmel

Der Deutsche macht wieder Urlaub im eigenen Land. Beim Drachefliegen lernt er es kennen.

Mit Raubvögeln fliegen ist unglaublich. Wie sie neben dir kreisen, mühelos schweben. Wie sie jeden Hauch nutzen, mit kleinsten Bewegungen der Flügelspitzen", sagt der Pilot und fliegt eine sanfte Linkskurve. Ein Blick in die Tiefe, kein Sitz, keine Kabine. 600 Meter nichts. Erst weit unten Kornfelder, Wiesen, Wälder, handtuchgroß. Dann ein leichter Ruck. Der Flügel neigt sich leicht nach links. Für Sekunden rauscht leiser Fahrtwind im schlanken Segel über uns. Stille.

Eine Rechtskurve zurück und erneut greift die unsichtbare Kraft unter den hauchdünnen Stoff. Kitzeln im Bauch wie im Fahrstuhl. Wir steigen. Direkt unter uns das graue Band, die Startbahn. Daneben bunte Punkte, dreieckige und ovale, die Drachen und Gleitschirme der anderen Piloten. Sie warten noch, in die Höhe geschleppt zu werden, von der Seilwinde oder motorisierten Drachen, herauf in dieses endlose Luftmeer.

Wer dem neuen Trend folgt und Urlaub auf Balkonien macht, der kann als Drachenflieger in den Lüften dem grauen Alltag entfliehen und das eigene Land endlich einmal von oben erkunden. Goldgrün in der Sonne erstreckt es sich bis an den dunstigen Horizont. Warum also in die Ferne schweifen, wenn der Himmel doch so nah ist. Höchste Zeit, sich am bunten Flügel aus Spezialseide in schwindelnde Höhen zu wagen.

Der Drachenfliegerclub Berlin hat dafür ein ehemaliges Militärfluggelände erworben, eine knappe Autostunde südlich der Hauptstadt. "Das hier ist einer der besten Flachlandplätze in Deutschland. Auch was die Thermik betrifft", hatte Gleitschirmflieger Jörg Maaß mit Blick über die stoppelige Graspiste zum morgendlichen Empfang gesagt. Gegen Mittag öffnet sich die Wolkendecke. Die Drachenflieger sind heute in der Minderheit. Ihre Disziplin gilt als teurer und anspruchsvoller. Auch sind die großen, durch Aluminiumstreben verstärkten Flügel schwerer zu transportieren. In der Luft aber sind sie im Vorteil, können fast doppelt so weit und schnell fliegen, sind weniger anfällig bei Wind und Wetter. Bis zu 16 Kilometer weit segelt ein moderner Drache aus 1 000 Meter Höhe. Über 100 Stundenkilometer schnell kann er werden. Und: "Wir fliegen wie die Vögel, bäuchlings, Kopf voraus, unter dem Flügel, während man am Schirm im Gurtzeug sitzt", sagt Fluglehrer Andreas Becker. Er betreibt eine von drei Flugschulen in Deutschland, die am Tandemdrachen lehren. Learning by doing, vom ersten Tag an. Vorbei das monatelange Hüpfen vom Übungshang. Seit kurzem gehe der Trend deshalb wieder zum Drachenfliegen, sagt Becker.

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