Über 150 Punkte im Minus
Schwarzer Freitag für den Dax

Belastet von einer weiterhin negativen Stimmung im Unternehmenssektor und dem Durchbrechen wichtiger charttechnischer Marken hat der Deutsche Aktienindex (Dax) zum Wochenschluss seine Talfahrt der vergangenen Tage beschleunigt und neue Tiefstände markiert.

Reuters FRANKFURT. Gegen 16.30 Uhr notierte der Dax um 3,3 Prozent tiefer mit 5186 Punkten. Im Mittelpunkt des Geschehens standen erneut die Aktien der Deutschen Telekom, die auf ein neues 42-Monatstief fielen, und von MLP.

"Die Nervösität am Markt ist groß, die charttechnischen Signale stehen auf verkaufen", sagte Timm Wege, technischer Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, am Freitag. Nach dem Durchbrechen einer Unterstützung bei 5400 Punkten im Dax gebe es seinen Berechnungen zufolge nach unten bei 5100 sowie bei 4750 Zählern weitere charttechnische Unterstützungsmarken. Im Mittelpunkt des Handels standen erneut Kursverluste bei der T-Aktie. Deutliche Kurseinbußen mussten auch die Autowerte, und Technologietitel.

Das Interesse der Anleger zogen erneut die Aktien der Deutschen Telekom auf sich. Die Titel gaben um mehr als vier Prozent auf 17,22 Euro nach, nachdem sie im früheren Verlauf bei 17,11 Euro ein 42-Monats-Tief markiert hatten. Es herrsche immer noch die Furcht vor einem Überangebot an Telekom-Aktien vor, sagten Händler. "Bis die potenziellen 500 Millionen Stücke nicht aufgenommen worden sind, hat die T-Aktie kaum Chancen sich zu erholen", sagte Knut Hochwald, Händler bei der Hamburger Sparkasse.

Größter Verlierer waren die Aktien des erst Ende Juli für die Dresdner Bank in den Dax aufgestiegenen Finanzdienstleisters MLP . Sie fielen bei einem Minus von 15,7 Prozent auf ein 19-Monats-Tief bei 71 Euro, nachdem der Wert Händlern zufolge eine weitere Unterstützungslinie durchbrochen hatte. Nun könne es bis auf 53 Euro herunter gehen, sagte ein Händler. "Es gibt einen großen Verkäufer, bei einem völligen Streik der Käufer", sagte Hochwald. Im Dax werde die früher im MDax notierte MLP-Aktie als zu teuer betrachtet. Im Abwind lagen auch die Technologiewerte. Die Titel von Epcos , Siemens und Infineon gaben im Schnitt um sieben Prozent nach.

Zu den wenigen Gewinnern gehörten die Aktien der Bayer AG, die am Vortag noch deutliche Verluste hatte hinnehmen müssen. Dies sei ein kleine technische Reaktion, die nicht überbewertet werden sollte, sagte ein Händler. Die Anteilsscheine des Chemie- und Pharmakonzern legten um 0,3 Prozent auf 33 Euro zu.

Mit Blick auf den weiteren kurzfristigen Verlauf des Dax äußerten sich Börsianer pessimistisch. Der Index könne zunächst bis 5000 Punkte weiter fallen, sagte Robert Halver, Aktienstratege bei Delbrück Asset Management. "Wir haben neben dem derzeit etwas stärkeren Euro weiterhin Probleme im Unternehmenssektor. Da kann man die ganzen Branchen durchgehen, da hält sich nichts mehr stabil, außer vielleicht bei den Banken."

Mit einer Trendumkehr am Markt ist Timm Wege von der Bankgesellschaft Berlin zufolge wohl zumindest bis Ende des Jahres nicht zu rechnen. "Ich gehe davon aus, dass wir eine echte Trendwende erst dann schaffen, wenn wir mehrere Quartale hintereinander positive Gewinnüberraschungen, insbesondere im Technologiesektor sehen. Das bleibt derzeit eindeutig aus."


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