Über 180 Tarifverträge regeln inzwischen Umwandlung von Entgelt in Altersvorsorge - Zulassungsverfahren für Pensionsfonds stockt
Verzögerter Start für neue Betriebsrenten

Trotz teurer Werbekampagnen blieb die Riester-Rente bisher hinter den Erwartungen zurück. Mit Verzögerung kommt nun die Entgeltumwandlung zur Betriebsrente an den Start. Sie dürfte für viele Arbeitnehmer und ihre Arbeitgeber die attraktivere Alternative sein. Riester warnt vor voreiligen Abschlüssen.

BERLIN. Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) steckt in einem Dilemma. Auf der einen Seite will er vor der Wahl am 22. September seine "Riester-Rente" als Erfolg feiern. Auf der anderen Seite kommen die attraktiven Betriebsrenten-Angebote erst mit Verzögerung an den Start. Nun raten Experten, mit dem Weihnachtsgeld für das Alter vorzusorgen - zu spät für einen Erfolgsschlager im Wahlkampf.

Bei der Riester-Rente wird zwischen der privaten und der betrieblichen Zusatzvorsorge unterschieden. Für die Privatvorsorge können in diesem Jahr Beiträge bis höchstens 525 Euro steuerlich geltend gemacht oder alternativ eine Zulage von 38 Euro zuzüglich 46 Euro je Kind beantragt werden. Für die meisten Arbeitnehmer ist die Entgeltumwandlung zu Gunsten einer betrieblichen Altersvorsorge weitaus günstiger. Auf diesem Weg können in diesem Jahr bis zu 2 160 Euro steuer- und sozialbeitragsfrei für das Alter angelegt werden. Während vor allem die Lebensversicherungsunternehmen mit einem enormen Werbeaufwand nach Angaben von Riester bisher rund zwei Millionen private Vorsorgeverträge abgeschlossen haben, erreicht die Entgeltumwandlung für eine betriebliche Vorsorge erst langsam die Praxis. Riester verpflichtet zwar jeden Arbeitgeber, seinen Beschäftigten ein Angebot zur Umwandlung von Entgeltanteilen für die Altersvorsorge zu machen. Dies muss aber, soweit Tariflöhne umgewandelt werden sollen, in eine tarifvertragliche Regelung eingebettet werden.

Nach Angaben von Riester existieren zwar mittlerweile über 180 Tarifverträge für 16 Millionen Beschäftigte mit Regelungen zur zusätzlichen Altersvorsorge. Sie sehen vielfältige Vorsorgeformen vor, darunter neuartige Pensionsfonds. Diese Pensionsfonds bieten nach Auffassung von Experten zwar hervorragende Renditechancen. Sie müssen jedoch einzeln von der Bundesanstalt für Finanzaufsicht geprüft und genehmigt werden. Und das dauert.

Die Zulassung eines Fonds sei so aufwändig wie die Genehmigung eines neuen Versicherungsunternehmens, erklärte ein Sprecher der Behörde dem Handelsblatt. Er wies Vorwürfe der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (ABA) zurück, die Aufsicht verzögere die Zulassung von neuen Pensionsfonds. Nach Angaben von Riester sind inzwischen sieben solcher Fonds genehmigt. 23 weitere Anträge stünden zur Entscheidung an. Außerdem seien drei neue Pensionskassen genehmigt worden, 18 weitere Anträge lägen vor.

Für große Branchen wie Metall und Chemie gibt es inzwischen genehmigte Angebote. Für den öffentlichen Dienst werden Produkte vorbereitet. Das Hotel- und Gaststättengewerbe stellt am heutigen Dienstag seine "Hoga-Rente" vor. Die Arbeitgeber können auf dieser Grundlage meist unter verschiedenen Versorgungswegen wählen, die sie ihren Mitarbeitern anbieten. Daneben bieten private Versorgungsunternehmen den Arbeitgebern Betriebsrenten-Produkte an. Weiter besteht die Möglichkeit, bisherige Versorgungsregelungen in das neue Angebot einzubeziehen. Die komplizierten Regelungen bringen zunächst viel Arbeit für Vorsorgeberater.

Wenn das Angebot des Arbeitgebers steht, kann der einzelne Beschäftigte entscheiden, ob er in das Angebot einsteigt. In diesem Fall bietet sich meist an, einen Teil des Weihnachtsgeldes in eine Zusatzvorsorge anzulegen. So spart der Arbeitnehmer Steuern und zusammen mit dem Arbeitgeber auch Sozialbeiträge. Allerdings müssen die Renten der Anlage später versteuert werden.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt Riester, die nächsten Wochen für eingehende Informationen und Vergleiche zu nutzen, um bis Ende des Jahres einen passenden Altersvorsorgevertrag abschließen zu können. Als "Turbo für die Rentenreform" sieht er neben der betrieblichen Altersvorsorge die neue Rentenauskunft. Die Träger der gesetzlichen Rentenversicherung haben gestern damit begonnen, an ihre 42 Millionen Versicherten Informationen über die zu erwartene staatliche Rente zu verschicken. Diese Information sei "eine Grundlage für die Planung einer zusätzlichen Altersvorsorge", erklärte Franz Ruland, Geschäftsführer des Verbandes Deutschen Rentenversicherungsträger (VDR).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%