Über 2000 Läden bereits im Netz
Studie: Nur wenige Buchhändler sind im Web erfolgreich

Während die Branchenriesen Amazon und Bol einen harten Sparkurs fahren, engagiert sich eine zunehmende Zahl von Sortimentsbuchhändlern in Deutschland im Online-Handel. Bereits über 2000 Buchläden sind im Netz, wie eine Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. nachweist.

HANDELSBLATT, FRANKFURT/DÜSSELDORF. Der deutsche Sortimentsbuchhandel zeigt sich von der Krise des E-Commerce unbeeindruckt. Trotz geringer Umsätze setzt eine zunehmende Zahl von Buchhändlern auf das Internet als Zusatzgeschäft. Mittlerweile vertreiben 2 148 Anbieter von Bibel bis Harry Potter ihre Produkte im Netz. Nach einer Studie des Börsenvereins, die dem Handelsblatt vorliegt, betrachten vor allem mittlere und kleine Buchläden das Internet eher als Kundenbindungsinstrument denn als ein Umsatzbringer.

Mehr als drei Viertel aller vom Börsenverein befragten Unternehmen erzielen Online-Umsätze unter 10 000 DM. Nur zwei Prozent würden mehr als 500 000 DM erzielen. Der traditionsreiche Verband der Buchhändler und Verleger schätzt den Umsatz mit Büchern im Internet auf 378 Mill. DM (165 Mill. DM) in Deutschland. Das bedeutet allerdings eine Steigerung um 129% im Vergleich zum Vorjahr. Dieser über 200 Mill.DM liegende Umsatzzuwachs im Online-Handel macht mehr als die Hälfte der gesamten Umsatzsteigerung des Buchmarktes aus. Trotz des Aufschwungs bleibt die Bedeutung des Web vor den optimistischen Prognosen der letzten Jahre weit zurück. Derzeit entfallen auf Internet-Bestellungen lediglich 2,3% des Gesamtumsatzes.

Die Aussichten für den Online- Buchhandel werden vom Börsenverein folglich zurückhaltend beurteilt. Joachim Schroth, Autor der Studie: "Unter den stationären Buchhändlern haben viele ihren Internet-Auftritt mittlerweile wieder aufgegeben." Diese Tendenz verstärke sich, so Schroth. Das gelte nicht nur für Sortimentsbuchhändler, sondern auch für reine Online-Läden. Die Gründe liegen auf der Hand: Zu geringe Umsätze und schlechte Zahlungsmoral der Online-Kunden.

Erst vor rund einer Woche hatte die Bertelsmann AG entschieden, den Internet-Buchhändler Bertelsmann Online (Bol) mit den Buchclubs zu verschmelzen. Damit will Europas größter Medienkonzern die Verluste verringern und das Internet nur noch als zusätzlichen Verkaufskanal reorganisieren. "Von den großen reinen Internet-Buchhändlern machte im letzten Jahr niemand Gewinne, von den kleineren nur die Minderheit", erklärt Schroth. Auch für die kleinen Sortimentsbuchhändler entwickelte sich das Internetengagement meistens enttäuschend. Die Studie, die heute veröffentlicht wird, belegt, das 51% der Buchhändler durch ihren Auftritt im Netz höhere Kosten als Erträge hatten.

Die Marktstudie beruht auf 834 Buchhandlungen und Online-Händler, die im Frühjahr vom Börsenverein befragt wurden. Verlage sind nicht von der Untersuchung erfasst worden, da ihre Direktverkäufe nur eine geringe Rolle spielen.

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