Über 3 000 Tonnen Rohopium im vergangenen Jahr produziert
Drogenanbau in Afghanistan könnte nach US-Angriffen wieder ansteigen

Die Opiumhändler in Afghanistan spekulieren auf das Schicksal der Taliban. Wie an den richtigen Börsen in aller Welt haben schon Gerüchte und Erwartungen Einfluss auf den Preis. Zurzeit sind die Drogen-Broker eher der Meinung, die Taliban könnten trotz der US-Angriffe an der Macht bleiben. Nach dem 11. September hatten sie nicht mehr viel auf die Taliban gewettet.

dpa ISLAMABAD. Abzulesen ist all das am Opiumpreis. Vor gut einem Jahr hatte Taliban-Anführer Mullah Mohammed Omar den Anbau von Schlafmohn in Afghanistan verboten. Aus der Frucht der Blume mit den roten Blüten wird Opium hergestellt und daraus Heroin.

Bis zum vergangenen Jahr war Afghanistan das mit Abstand größte Drogenanbauland der Welt. 4 600 Tonnen Rohopium waren 1999 produziert worden, 3 500 Tonnen im vergangenen Jahr. Dann schaffte es das Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen UNDCP nach jahrelangen Verhandlungen, die Taliban zum Opium-Bann zu überreden.

"In den von den Taliban kontrollierten Gebieten Afghanistans ist in diesem Jahr kein Schlafmohn angebaut worden", sagt Bernard Frahi, der UNDCP-Vertreter in Islamabad. Der Preis für Kilogramm Opium schoss deshalb auf 600 Dollar (670 ?/1300 DM) hoch.

Als nach den Anschlägen von New York und Washington klar wurde, dass es einen US-Militärschlag gegen Afghanistan geben würde, fiel der Preis auf 180 Dollar. Nicht weil plötzlich mehr Opium auf den Markt kam. Sondern nur, weil die Händler glaubten, die Angriffe würden zum Sturz der Taliban und damit zum Ende des Schlafmohnverbots führen. Das hätte dann im nächsten Jahr das Angebot erhöht.

Händler glauben an Bestand des Taliban-Regimes

Mittlerweile geht der Preis wieder langsam nach oben, ein Zeichen dafür, dass die Händler glauben, die Taliban hätten weiterhin alles unter Kontrolle. Frahi beobachtet all das mit Sorge. Seine Leute in Afghanistan berichten ihm, dass Bauern schon wieder anfangen, Mohn auszusäen, und zwar dort, wo in diesem Jahr Getreide wuchs.

Frahi muss im Moment mit vielen Ungewissheiten leben. Es ist nicht klar, ob die Taliban nicht doch noch stürzen. Falls sie an der Macht bleiben, ist nicht klar, ob sie das Anbauverbot auch im nächsten Jahr durchsetzen. "In einer Kriegssituation wollen sie möglicherweise nicht die Bauern gegen sich aufbringen", meint Frahi.

Falls die Taliban abgelöst werden, ist nicht klar, wie die neuen Machthaber mit dem Drogenanbau umgehen. In den Gebieten der Nordallianz, die 10 % Afghanistans beherrscht, wurde weiter Opium produziert und wahrscheinlich nach Tadschikistan geschmuggelt.

Frahi hofft, dass es nach dem totalen Anbaustopp im Taliban-Gebiet nun keinen Rückfall gibt. «Ein oder zwei Erntezyklen würden schon genügen, um die alten Strukturen wieder erstehen zu lassen», warnt er. In diesen Strukturen borgten sich die Bauern Geld bei den Opiumhändlern und zahlten die Kredite später mit der Ernte zurück.

Zahlreiche Bauern hatten deshalb große Probleme nach dem Bann Omars. Sie konnten die Kredite nicht bedienen und kamen vor das Dorfgericht, mussten Land und Vieh verkaufen oder fliehen.

Langfristig, sagt Frahi, kann Afghanistan nur dann als Lieferant für Heroin ausgeschaltet werden, wenn der Krieg zu Ende geht, wenn ein Rechts- und Polizeisystem entsteht, wenn die Armut bekämpft und den Bauern eine Alternative geboten wird. Dazu muss das Land wieder aufgebaut werden. Um Alternativen wie Reis und Weizen anbauen und verkaufen zu können, müssten Bewässerungssysteme repariert und Strukturen für die Vermarktung geschaffen werden, fordert Frahi.

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