Über 400 neue Produkte wurden 2001 aufgelegt
Kuriositäten aus der Flut der neuen Investmentfonds

Es gibt in Deutschland rund 4 500 Investmentfonds. Mehr als genug, könnte man meinen. Trotzdem werfen die Fondsanbieter jedes Jahr immer neue Produkte auf den Markt, als gälte es, die Mitarbeiter in der Zulassungabteilung des Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen vor der Arbeitslosigkeit zu bewahren. Allein im Jahr 2001 buhlten 436 neue Fonds um die Anlegergelder (Quelle: Financial Networks).

DÜSSELDORF. "Die Fondsgesellschaften sollten sich weniger Gedanken über neue Produkte als über ihre Kernkompetenzen im Asset Management machen", merkt kritisch Joachim Meyer an, Vorstand von Fonds-Consult, einem Anbieter von Fondsresearch. Das Handelsblatt hat einige ungewöhnliche Fondsneuheiten herausgepickt und von den Experten von Fonds-Consult bewerten lassen; die Aufstellung ist weder vollständig noch als Empfehlung zu verstehen.

Im November hat der H&A Lux VCH Insight seine Vertriebszulassung bekommen. Das Fondsmanagement versucht, durch computergestützte Auswertung der Meldungen über Aktien-Käufe und Verkäufe von US-Unternehmensinsidern (Manager, Aufsichtsräte) chancenreiche Titel zu finden. "Wir haben uns gefragt, wer Unternehmen am besten beurteilen kann. Das sind unserer Meinung nach die Insider", erklärt Christian Angermayer, Vorstand der VCH Equity Group, deren Tochter das Fondsmanagement berät.

In den USA gibt es 100 000 registrierte Insider, die der Börsenaufsicht melden müssen, wenn sie die Aktien ihres eigenen Unternehmens kaufen oder abstoßen. Rund 250 000 Transaktionen gibt es pro Jahr. Da nicht jeder Insider mit seinen Käufen Geld verdient, hat sich VCH einen Filter-Prozess ausgedacht. Das System wertet die Aktien-Käufe nach ihrem Kurserfolg aus. In die Bewertung fließt mit ein, wie kontinuierlich der Anlageerfolg eines Insider ist.

"Das Ergebnis der Analyse ist ein Ranking der rund 5000 Top-Insider, die Aktien ihrer Unternehmen kommen grundsätzlich als Kaufkandidat in Frage", erklärt Angermayer. Kauft einer dieser Insider, wird das als Kaufsignal für den Fonds gewertet. Bedingung: Die Aktie muss eine Marktkapitalisierung von 100 Mill. Dollar haben und die Insider-Order muss ein Volumen von mindestens 50 000 Dollar ausweisen. Seit Auflage am 10.9. hat der Fonds knapp 4 Prozent zugelegt. "Das ist eine interessante Nischenidee in einem bis dato kleinen und relativ teuren Fonds", urteilt Wolfgang Kaiser, Analyst bei Fonds-Consult. Die Gebühren sind in der Tat saftig: Verwaltungs- und Beratungsgebühr belaufen sich auf 1,6 Prozent pro Jahr - zuzüglich Erfolgsvergütung.

In die Kategorie "Themenfonds" lässt sich auch der Knowledge One Fonds der Nordinvest einordnen, der am 3. September aufgelegt wurde. Laut Beschreibung legt der Fonds die Kundengelder weltweit in Aktien an, die im Bereich Schaffung, Verwaltung und Transfer von Wissen tätig sind. Im Depot des Fonds finden sich Titel wie der Personaldienstleister TMP Worldwide, der die Stellenbörse Monster.com betreibt.

Das Fondsmanagement lässt sich von der Gesellschaft K1F beraten, die gemeinsam mit dem Fonds gegründet wurde. Hier soll nach Angaben von Nordinvest-Sprecher Thomas Reinhold die klassische Finanzanalyse verbunden werden mit wissenschaftlichen Input. Die K1F AG greift dazu auf einen wissenschaftlichen Beirat zurück.

Mit dem Wissensfonds wissen Anleger wohl nicht viel anzufangen: Das Volumen liegt erst bei 2,9 Mill. Euro. Tilo Marotz von Fonds-Consult hält den Knowledge One für eine "gute und aktuelle Marketing-Idee zu einem allerdings sehr langfristigen Thema". Anleger sollten also erst einmal schauen, ob die Wissensmanager Kenntnis von den richtigen Werten haben. Seit Auflage hat der Fonds 11 % gewonnen.

In der größer werdenden Schar der Dachfonds hat die DWS für Prudential ein erwähnenswertes Produkt aufgelegt: Den ersten Dachfonds, der nur in Indexfonds anlegt. Da nur ein Bruchteil der aktiven Fondsmanager ihren Vergleichsindex (Benchmark) regelmäßig übertreffen, werden passive Anlagestrategien immer beliebter. "Der Fonds eignet sich für Anleger, die eine kalkulierbare, den Indizes entsprechende Wertentwicklung erzielen wollen", urteilt Fonds-Consult-Analyst Wolfgang Kaiser. Aber: "Die Strategie ist durch Indexzertifikate günstiger abbildbar." Die Performance: Seit Auflage Mitte Juni hat der Fonds 13 Prozent verloren.

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