Über die Aussagekraft des Medaillenspiegels: Afrika geht leer aus

Über die Aussagekraft des Medaillenspiegels
Afrika geht leer aus

Bei Springer hatten sie ihren "Wintersport-Papst" zur olympischen Predigt verdonnert. Der gute Mann sagte in der Bild am Sonntag - wie es sich gehört für einen Redakteur einer bei Sporthighlights schwer mitfiebernden Zeitung - optimistische 18 Goldmedaillen für das deutsche Olympia-Aufgebot voraus.

Drei und damit ein Sechstel kann und soll allein schon Eisschnellläuferin Anni Friesinger beisteuern - am Sonntag übrigens die erste über 3 000 m. Der für Bretter und Kufen zuständige BamS-Hellseher erklärte den Lesern noch zufrieden, dass es sich bei Anni um jene fixe Eis-Eilige handelt, die "sich so gern auszieht". Päpste beim Boulevard sind eben doch selten päpstlicher als der Papst.

Sei?s drum. Deutschlands Spitzenfunktionäre reden zwar weniger über die schlüpfrigen Nebentätigkeiten ihrer Goldkandidaten, gleichwohl aber kaum minder forsch über die Aussichten im Medaillenspiegel. Walther Tröger, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, hofft stark auf die erneute Spitzenposition im Ländervergleich. Vor vier Jahren in Nagano war Rang eins an Deutschland gegangen, das zwölf Gold-, neun Silber- und acht Bronzemedaillen gewann.

Ja, der Medaillenspiegel. Das Wohl und Wehe einer Sportnation hängt noch immer von diesem Instrumentarium ab, obwohl es keine vernünftige Vergleichsbasis bietet. Ein Blick in die Medaillenliste aller Winterspiele zeigt dies. Denn das die Niederlande allein dank der Erfolge seiner Eisschnellläufer auf Position elf platziert ist, sagt einiges aus. Nationen, die in Sportarten vorne mitmischen, in denen es zahlreiche Entscheidungen gibt wie eben im Eisschnelllauf oder Langlauf, sind zwangsläufig im Vorteil. Die zwölf erfolgreichsten Einzelteilnehmer an Winterspielen stammen aus diesen beiden Sportarten.

Nummer eins im ewigen Medaillenspiegel ist Russland (inklusive der Erfolge der UdSSR und GUS) als einzige Nation mit mehr als hundert Goldmedaillen (108) vor Deutschland (96, inklusive der Erfolge der DDR) und Norwegen (88). Die meisten Medaillen hat allerdings Deutschland mit 264 Edelmetall-Plaketten aufzuweisen. Das Riesenreich China wartet übrigens noch immer auf die erste Goldmedaille bei Winterspielen. Bislang stehen zehn zweite und vier dritte Plätze zu Buche.

Unter den insgesamt 35 Nationen, die Medaillen gewonnen haben, sind zwar Zwerge wie Liechtenstein und Luxemburg vertreten, ein ganzer Kontinent aber fehlt. Afrika mangelt es vor allem am Geld - und natürlich am Schnee.

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