Über die Höhe der Zahlungen schweigen Beteiligte
Merrill-Fonds entgeht peinlichem Verfahren

MLIM muss nicht vor Gericht. Damit bleibt der Merrill-Tochter die zweite Auseinandersetzung mit einem Kunden wegen schlechter Ergebnisse erspart. Doch die nächste Beschwerde ist schon in Sicht.

fs LONDON. Merrill Lynch bleibt ein weiteres peinliches Gerichtsverfahren ihrer Fondstochter Merrill Lynch Investment Managers (MLIM) erspart. Wie die Gruppe gestern in London mitteilte, einigte sie sich mit dem Pensionsfonds der Supermarktkette J. Sainsbury außergerichtlich über einen pikanten Disput: Die mit einem Volumen von 2,4 Mrd. Pfund schwere Pensionsfonds-Tochter hatte MLIM beschuldigt, das ihnen überlassene Vermögen unterdurchschnittlich vermehrt zu haben. Hätten sich beide Seiten nicht geeinigt, hätte es zu einem Prozess kommen können.

Über die Höhe der finanziellen Kompensation vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Eine MLIM-Sprecherin sagte lediglich, die "finanzielle Lösung sei bereits in den jüngsten Ertragszahlen abgebildet". Die Merrill-Seite betonte, aus der Zahlung ergebe sich kein Schuldeingeständnis. Zudem werde MLIM J. Sainsbury auch in Zukunft als einen "wertvollen Kunden" behalten. Derzeit verwaltet der Fondsmanager Mittel von J. Sainsbury im Wert von rund 300 Mill. Pfund.

Die Merrill-Seite hatte sich stets bemüht, die Angelegenheit so weit wie möglich herunter zu spielen. J. Sainsbury war Ende vergangenen Jahres an MLIM heran getreten, nachdem der Fonds einen Aufsehen erregenden Prozess ähnlichen Inhalts gegen den Unilever-Pensionsfonds verloren hatte. Die Unilever-Seite hatte damals auf Nachlässigkeit geklagt. Damals wie heute handelte es sich um einen Zeitraum in den späten 90er Jahren, als MLIM die damalige Mercury Asset Management noch nicht übernommen hatte. Der Prozess mit einem Streitwert von 130 Mill. Pfund wurde im Dezember von einem Tag auf den anderen abgebrochen, nachdem einige pikante Details des Fondsmanagers in dem Verfahren bekannt geworden waren. So unterlag der Manager des Fonds keiner wirklichen Kontrolle. Zudem informierte Mercury ihre Kunden offenbar nur ungenau über die Strategie. Der Prozess war auch deshalb so spektakulär, weil sich zwei der hochprofiliertesten Frauen in der City gegenüber standen: Wendy Mayall bei Unilever und die mittlerweile pensionierte Carol Galley auf Merrill-Seite. MLIM soll das vorzeitige Ende zur Vermeidung eines drohenden Schuldspruchs damals rund 70 Mill. Pfund gekostet haben.

J. Sainsbury und MLIM einigen sich außergerichtlich

Gestern zeigte man sich im Umfeld von Merrill erleichtert über die außergerichtliche Streitbeilegung. Wie es hieß, sei damit der "Löwenanteil" der noch möglichen Auseinandersetzungen geschafft. Nach dem Prozess hatten sich gleich mehrere Mercury-Kunden mit Ansprüchen gemeldet. Dazu gehörten unter anderem der Fonds von AstraZenica und der britischen Genossenschafts Co-Op. -Gruppe Letztere hatte Merrill erst im Mai von seinem Mandat entbunden. Wie es dort jedoch heißt, prüfe man rechtliche Schritte wegen der "nicht zufriedenstellenden Entwicklung" seiner Investments. Von Co-Op-Seite heißt es, ein Rechtsanwalt sei schon eingeschaltet. Es bestehe die Möglichkeit einer "rechtlichen Auseinandersetzung."

Merrill sagte dazu jedoch, ihres Wissens nach gebe es "keine Basis für weitere Ansprüche" gegen sie. Merrill Lynch Investment Managers verwaltet Anlagegelder im Wert von rund 500 Mrd. Dollar weltweit und ist einer der größten Fonds der Insel. Merrill sagt, die Investments lägen zu 70 % über den selbst gewählten Entwicklungs-Indikatoren, der so genannten Benchmark.

Brutto habe der Fondsmanager in diesem Jahr Geschäft im Wert von neun Mrd. Dollar gewonnen. Über die Abflüsse der Fondsgelder in diesem Jahr schweigt Merrill jedoch. Die Tochter der US-Investment-Bank dürfte zu Beginn des Jahres jedoch nicht nur unter den schlechten Märkten gelitten haben: Im Zuge des Vertrauensverlustes nach dem Prozess soll Merrill auch hochkarätige Kunden verloren haben. Nach dem Prozess gab es zumindest eine regelrechte Austrittswelle der eigenen Manager. 14 Kündigungen standen nur sieben Einstellungen gegenüber.

Quelle: Handelsblatt

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