Über die Schwelle
Schwellenländer: Differenzierung ist entscheidend

Hohes Wachstum an Menschen, Einkommen und Märkten - das ist der Reiz der Schwellenländer für Anleger. Die Börsen dort haben sich besser entwickelt als in den etablierten Regionen. Welche neuen Trends sich abzeichnen.

DÜSSELDORF. Weltweit beherrscht Angst die Börsen, beinahe jede aufkommende Hoffnung erweist sich nach wenigen Wochen doch wieder als Trugbild. In so einer Situation soll man ausgerechnet in den risikoreichen Schwellenländern investieren?

Wer den Mut dazu hatte, wurde in den vergangenen Monaten vielfach belohnt. In Schwellenländern ließ sich sowohl mit Aktien als auch mit Anleihen richtig Geld verdienen, wie eine Auswahl von Emerging-Market-Fonds zeigt. Und das, obwohl die Situation in vielen dieser Regionen alles andere als rosig ist: In Südamerika zeigt das Beispiel Argentinien, wie in wenigen Monaten der große wirtschaftliche und soziale Erfolg von Jahren in sich zusammenfällt. Und weltweit stehen die Entwicklungsländer auf der Verliererseite, wie die Uno - Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad) Ende April beklagt hat. Dabei sieht die Unctad besonders die einseitige Hoffnung vieler Länder, von einem Aufschwung in den USA profitieren zu können, als Risiko an.

Wie passen diese Entwicklungen - wirtschaftliche Probleme, starke Börsen - zusammen? Thomas Gerhardt, Fondsmanager des DWS Emerging Markets, meint dazu: "Die Investoren haben dazugelernt. Früher hat jede Krise in einem Schwellenland gleich alle Regionen gedrückt. Heute wird viel stärker differenziert." Er sieht zwei Sorten von Ländern als Erfolgsbringer. Einmal diejenige Gruppe, die als "Frühzykliker" den Aufschwung in den USA vorweggenommen hat. Dazu zählt er vor allem Korea und Taiwan, als Branche nennt er besonders die Halbleiterindustrie.

Zur zweiten Gruppe zählt er Länder, denen ein starker Binnenmarkt relativ unbeeindruckt von der Weltkonjunktur hohe Wachstumsraten beschert: Russland, Indien und China. Dabei hat er in letzter Zeit die Gewichte deutlich verschoben: weniger Korea, dafür mehr China - beide liegen jetzt bei rund 15 Prozent des Fondsvermögens. Der Anteil Russlands blieb mit neun Prozent in etwa konstant. Auch der Branchenmix hat sich verändert: weniger Technologie, mehr Energie. "Wenn die Konjunktur anspringt, wird mehr Energie gebraucht", sagt Gerhardt. "Und wenn es zu einer politischen Krise kommt, steigt der Ölpreis - es passt also in doppelter Hinsicht."

Experten sehen große Chancen

Chris Palmer, der Manager des Gartmore CSF Emerging Markets Fund, sieht nach wie vor große Chancen in Schwellenländern, zum Beispiel bei asiatischen Tech-Werten, mexikanischen Konsumwerten, russischen und chinesischen Ölaktien und südafrikanischen Goldminen. Doch nach der starken Entwicklung der vergangenen drei Jahre investiert er nun etwas vorsichtiger. Palmer weist aber ebenfalls darauf hin, dass die Anleger heute stärker unterscheiden: "Die Krisen in der Türkei und in Argentinien blieben weitgehend ohne Einfluss auf den gesamten Anlagesektor." Besonders stark ist er zurzeit in Taiwan und Brasilien engagiert, glaubt aber auch, dass Südafrika aufholen könnte. Die beiden Erfolgsstorys des vergangenen Jahres, Russland und Korea, schätzt er hingegen zurückhaltender ein.

Stefan Amenda, Fondsmanager des Activest Lux Emerging Rent, stellt die Chancen heraus, die Russland Rentenanlegern bietet. "Putin hat sehr, sehr viel bewegt", sagt er. Die Rahmenbedingungen für Ausländer seien besser geworden, die Bonität der staatlichen Papiere gestiegen. Amenda sieht auch einen indirekten Effekt: Länder wie Polen und Ungarn, bei denen der Eintritt in die Europäische Union auf der Tagesordnung steht, bieten heute kaum noch bessere Renditen als die westlichen Staaten.

Entsprechend gehen zinshungrige Anleger noch weiter auf die Reise und schauen sich in Märkten wie Russland, der Ukraine oder der Türkei um. Dazu komme, dass viele Anleger sich mit hoch verzinsten Unternehmensanleihen die Finger verbrannt hätten und nach Alternativen suchten. Amenda warnt aber auch davor, zu optimistisch auf Anleihen aus Schwellenländern zu setzen: "Das geht nicht in dem bisherigen Tempo weiter." Er erwartet eine Konsolidierung auf dem heutigen Kursniveau. Danach bliebe dem Anleger aber immer noch der hohe laufende Zins der Papiere.

Erfolgreiche Fonds

In welchen Fonds sollten sich Anleger engagieren? Sehr erfolgreich ist der bereits erwähnte Gartmore CSF Emerging Markets Fund. Kein Wunder, dass er ganz oben auf den Empfehlungslisten der Research-Firma Fonds-Consult und des Finanzdienstleisters Tecis steht. Laut Fonds-Consult bevorzugt der Fonds Wachstumstitel und geht damit relativ hohe Risiken ein - bisher jedoch mit Erfolg. Daneben empfiehlt die Münchener Firma auch den MS Emerging Markets Equity Fund, der sich durch einen langjährig gut bewährten Auswahlprozess auszeichne.

Für die Anleihefonds ist die Top-Empfehlung von Fonds-Consult der MS Emerging Markets Debt Fund, der vor allem durch eine sehr strenge Beachtung von Risikokennziffern auffalle. Allerdings sei er zu rund 90 Prozent in Dollar-Papieren investiert - daraus ergebe sich zusätzlich ein Währungsrisiko. Wer lieber auf Euro-Papiere aus Schwellenländern setzen möchte, sollte nach Empfehlung der Münchener lieber den American Express Epic Global High Yield Euro wählen (Wertpapierkennnummer 523 366). Er ist allerdings kein klassischer Schwellenländerfonds, weil er auch in Hochzinsanleihen aus großen europäischen Industrienationen investiert.

Wer sich die Struktur der erfolgreichen Schwellenländerfonds anschaut, findet häufig immer noch eine starke Gewichtung von Korea und Russland - wobei Russland auch in Rentenfonds stark vertreten ist. Als einzelne Aktie spielt dabei die koreanische Samsung häufig eine überragende Rolle. Sie hat die Schwelle zur wirtschaftlich entwickelten Welt praktisch schon überschritten - wie vielleicht bald auch das ganze Land Südkorea.

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