Über die Schwierigkeiten, abzuschalten
Relaxen statt rackern

Claudius von A. hat einen Albtraum gehabt. Er saß am Strand von Soneva Fushi, der teuersten aller verdammten Malediven-Inseln, ließ sich lässig weißen Staubsand durch die Zehen rieseln, das Feinste, was die Korallenatolle des Indischen Ozeans hergeben, und ein Wasser von der Farbe mit Gin verdünnten Blue Curaçaos lag vor seinen Augen.

"A man?s dream as ageless as the Nile", phantasierte er noch, wusste nicht, woher er das hatte; auf diesem edelsten aller Eiländer hat schließlich schon Kabbalah-Madonna einen der Full-Comfort-Robinson-Bungalows mitsamt einer ganzen Kohorte Freitags gemietet in unmittelbarer Nachbarschaft der zweistöckigen Baumhausbibliothek, man stelle sich das nur einmal vor, eine ganze Bücherei in Palmen, und er, Claudius von A., sitzt in diesem heiligen Sandstaub, blickt über das von Madonna geheiligte Meer, und was macht er?

Er daddelt auf einem Blackberry. Claudius von A. sitzt am Strand von Soneva Fushi. Er daddelt auf einem Blackberry. Den hat ihm seine Frau zum Vierzigsten geschenkt. Das war vergangene Woche.

Den Traumurlaub auf den Malediven hat er sich selbst geschenkt. Flug nach Malé ab Frankfurt/Main, zehn Stunden, umsteigen ins Wassertaxi, zweimotorige Twin Otter, der Captain ist barfuß und landet punktgenau vor dem Poller der Strandbar, Begrüßungscocktail. Das war gestern.

Heute hat Claudius von A. die Insel mit den Fahrrad erkundet. "No shoes, no news", hatte ihn der Hoteldirektor beim Frühstück lächelnd begrüßt. Regine von A. ist nach 30 Minuten im Beauty Centre abgetaucht. Die Kinder waren schon nach fünf Minuten im Dschungel verschollen.

Dreihundert mal siebzig Meter Palmen. Tauchbasis, Tennisplatz, Spa, Bar, Restaurant. Das dauerte nicht mal eine Stunde. Dann fuhr er zurück zum doppelstöckigen Robinson-Crusoe-Bungalow und legte sich an den Strand. No news. Nur die Ruhe will nicht einkehren. Immer nervöser blättert er in den mitgebrachten Zeitschriften. Er legt sie weg. No news. Er blättert in einem der Romane, die er schon seit Jahren lesen wollte. No news?

Wozu hat er den PDA dabei? Klein wie ein Handy. Sie hat es noch nicht einmal mitbekommen, dass er ihn mitgenommen hat. Immer online. Ist doch ganz normal, oder?

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