Über die Unternehmensbewertung wird noch gestritten
Fusionsgespräche von KPN und Belgacom offenbar in der Endphase

rtr AMSTERDAM. Der niederländische Telekommunikationskonzern KPN Telecom und sein belgischer Konkurrent Belgacom befinden sich nach Angaben aus Branchenkreisen in der Endphase ihrer Fusionsgespräche. "Die Gespräche haben eine Phase erreicht, in der einige Entschlüsse gefasst werden", verlautete am Dienstag aus den Kreisen. "Sollten die Gespräche scheitern, wird es wohl noch diese Woche eine Bekanntmachung geben, sollten sie erfolgreich verlaufen, wird es wohl noch eine Weile dauern", hieß es weiter. Der Zusammenschluss der beiden mehrheitlich in Staatseigentum befindlichen Gesellschaften müsse von der EU-Wettbewerbsbehörde genehmigt werden.

Mittels einer Fusion der beiden Unternehmen könnte KPN seinen aus der Übernahme der Mehrheitsbeteilung am deutschen Mobilfunkunternehmen E-Plus und dem Erwerb von UMTS-Mobilfunklizenzen entstandenen Schuldenberg von 23 Mrd. ? abbauen. Für Belgacom würde ein Zusammengehen eine Expansion außerhalb des eigenen Landes bedeuten. "Der kontroverseste Punkt der Gespräche ist die Zukunft der Mobilfunkaktivitäten - wer muss was verkaufen und wer will es kaufen. Es besteht die Gefahr von erzwungenen Verkäufen zu billigen Preisen", hieß es aus den Kreisen weiter. Neben einem Anteil an dem dänischen Anbieter TDC, hält Belgacom auch einen Anteil an dem kleinsten Mobilfunkunternehmen der Niederlande, Ben, an dem auch die Deutsche Telekom beteiligt ist. Belgiens kleinster Mobilfunkanbieter, KPN Orange, ist eine Tochtergesellschaft von KPN.

Über die Bewertung der beiden Unternehmen bestehe ebenfalls noch Diskussionbedarf, hieß es aus den Kreisen weiter. Seit der Ankündigung der Fusionspläne Ende Juni sind die Aktien von KPN auf Grund von Befürchtungen über ein Scheitern des Zusammenschlusses stetig gefallen. Die KPN-Aktien, die im März 2000 noch bei 75 ? notierten, stiegen am Dienstag in einem behaupteten Marktumfeld um sechs Prozent auf 4,24 ?. Belgacom ist nicht börsennotiert.

"Ein Zusammenschluss unter Gleichen ist immer noch der Ausgangspunkt", hieß es aus den Kreisen weiter. Es sei allerdings nicht klar, ob die Unternehmen nach Aktienkurs oder nach Vermögenswerten bewertet werden sollten. Einige Analysten räumen einer erfolgreichen Fusion lediglich eine Chance von unter 50 % ein. Sie bezweifeln zudem, ob eine Fusion unter Gleichen möglich sei, da Belgacom einen Teil der Schulden von KPN tragen müsse. Mit 11,2 Mrd. ? war der Umsatz von KPN im letzten Jahr doppelt so hoch wie der von Belgacom. Dabei wies das niederländische Unternehmen jedoch einen Verlust aus, während Belgacom profitabel war.

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