Über Erwartungen - 2,8 Prozent
IWF sieht USA wieder als Motor der Weltkonjunktur

Die Weltkonjunktur hat die Talsohle der globalen Wirtschaftsflaute schneller als erwartet durchschritten und ist auf deutlichem Wachstumskurs.

dpa WASHINGTON. Weltweit könne in diesem Jahr mit 2,8 % Wachstum gerechnet werden, im nächsten Jahr mit vier Prozent, teilte der Weltwährungsfonds (IWF) am Donnerstag in seinem neuesten Weltwirtschaftsbericht mit. Vor vier Monaten hatte der IWF nur 2,4 % Wachstum für dieses Jahr vorhergesagt.

Die Welt sei im vergangenen Jahr haarscharf an einer globalen Rezession vorbeigeschrammt, sagte IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff. Er warnte, dass der weltweite Konjunkturaufschwung von der Entwicklung der Ölpreise abhänge. Der Fonds geht in diesem Jahr von einem Preis von 23 $ pro Barrel (159 Liter) aus. "Wenn der Preis über ein Jahr lang fünf $ höher läge, würde das das Wachstum um ein viertel Prozent schmälern", sagte Rogoff.

Auch für Deutschland ist der IWF-Ausblick rosiger als vor vier Monaten: 0,9 % Wachstum in diesem und 2,7 im nächsten Jahr hält der IWF für möglich. Die Prognose für 2002 liegt 0,2 %punkte höher als vorher. "Langfristig wird Deutschland wahrscheinlich einer der ganz starken Spieler", sagte Rogoff.

"Zu den größten Risiken beim Ausblick (für Europa) gehört ein Szenario, in dem der Aufschwung in Deutschland hinter den Erwartungen bleibt", schreibt der IWF. Risikofaktoren seien neben den Ölpreisen die weiterhin vorhandenen Strukturschwächen in den Arbeitsmärkten. "Was ich in Europa vermisse, ist mehr Ehrgeiz, um höhere Wachstumsraten zu schaffen", sagte IWF-Direktor Horst Köhler.

Der IWF geht davon aus, dass Deutschland das gesamtstaatliche Defizit unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, dem Richtwert des Stabilitätspakts, halten kann. In diesem Jahr rechnet der IWF mit einer Quote von 2,7 %, im nächsten Jahr von 2 %. "Der Stabilitätspakt hat sich positiv auf Vertrauenswürdigkeit und die Zinsen ausgewirkt", sagte Rogoff. "In Zukunft ist es sicherlich möglich, die Grenzwerte etwas flexibler zu interpretieren."

Das Wachstum in den USA hat der IWF für dieses Jahr um satte 1,6 %punkte auf 2,3 % nach oben korrigiert. Im kommenden Jahr erwartet der Fonds 3,4 %. Damit schiebt der IWF den USA wieder eindeutig die Rolle des Motors für die Weltkonjunktur zu. In der Europäischen Union gehe es mit Verzögerung aufwärts, schreibt der IWF: in diesem Jahr mit 1,5 %, im nächsten mit 2,9 %.

Anders als die US-Regierung sieht der Fonds in dem hohen Leistungsbilanzdefizit in den USA aber Gefahren. "Wir erwarten zwar keine Herabstufung in der Kreditwürdigkeit", sagte Chefökonom Kenneth Rogoff. Eine erhebliche Wechselkursanpassung könne die Folge sein. Der IWF betrachtet den $ vor allem gegenüber dem Euro ohnehin als überbewertet.

Für Japan, dass sich in der dritten Rezession innerhalb von zehn Jahren befindet, sieht der IWF kein Licht am Ende des Tunnels, wenn die dringend nötigen Strukturreformen vor allem im Bankensektor nicht angepackt werden. In diesem Jahr schrumpfe die Wirtschaft voraussichtlich um ein Prozent, im kommenden Jahr sieht der IWF ein moderates Wachstum von 0,8 %.

Auch zu Argentinien äußert der IWF große Sorge. Die Wirtschaft werde in diesem Jahr voraussichtlich um zehn bis 15 % schrumpfen. Der IWF ist nach Angaben von Köhler bereit zu helfen, "die Frage ist nicht ob, sondern wie". Allerdings müsse dafür dringend ein nachhaltiges Wirtschaftsprogramm auf die Beine gestellt werden. Der IWF bleibt optimistisch, dass die Auswirkungen der schweren Krise in Argentinien auf die Nachbarländer - mit Ausnahme von Uruguay - gering bleiben.

Argentinien sowie der Weltwirtschaftsbericht sind Gegenstand der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank, die an diesem Wochenende in Washington stattfindet. Dazu werden die Finanzminister und Notenbankchefs aus den 183 Mitgliedsländern erwartet. Vor den Beratungen treffen sich am Samstagmorgen die Vertreter der sieben wichtigsten Industriestaaten (G 7). Ihr Hauptthema sind die Maßnahmen zur Unterbindung der Finanzierung von Terrorgruppen.

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