Überarbeitetes Preissystem soll Auslastung um ein Drittel steigern
Bahn hofft auf neue Fahrgäste

Mit ihrem neuen Preissystem will die Deutsche Bahn AG die Auslastung in den Fernzügen von derzeit 40 bis 45 % auf 60 % steigern.

ek DÜSSELDORF. Eine gezielte Steuerung des Verkaufs von Fahrkarten soll zudem übervolle Züge verhindern. Bis 2004 will die Bahn 100 Mill. Euro mehr Ertrag erzielen; damit würde sich der Gewinn im Fernverkehr verdoppeln, sagte Hans-Gustav Koch, Bereichsvorstand der DB Reise & Touristik AG, gestern in Berlin anlässlich der Vorstellung des neuen Preissystems. Im vergangenen Jahr hat die Fernverkehrstochter der Bahn mit 136 Millionen Fahrgästen bei einem Umsatz von 3 Mrd. Euro rund 124 Mill. Euro verdient.

"Die Bahn hat noch freie Kapazitäten und damit ihr volles Marktpotenzial noch längst nicht ausgeschöpft", sagt Bahnchef Hartmut Mehdorn. Gerade auf mittleren Strecken sei die Bahn zu teuer und im Vergleich zum Auto nicht wettbewerbsfähig. Das werde sich mit dem neuen Preissystem ändern. Es biete günstige Preise für alle, sei logisch aufgebaut und für jedermann leicht nachvollziehbar.

Mit dem neuen Tarif senkt die Bahn die Preise für Reisen über 180 Kilometer um bis zu 27 %. Beispiel: Eine Fahrt von Berlin nach Köln in der 2. Klasse kostet künftig 80,40 Euro - also 17,6 % weniger als bisher; für die Strecke München - Frankfurt zahlt der Kunde 64,80 Euro - 14,3 %. Kurze Fernverkehrsstrecken werden dagegen um bis zu 10 % teurer. Wer die "Normalpreise" zahlt, kann wie bisher frei aus dem gesamten Zugangebot wählen. Die "Plan & Spar-Preise" mit Rabatten zwischen 10 und 40 % sind mit der Festlegung auf einen bestimmten Zug und mit Vorausbuchungsfristen bis zu sieben Tagen verbunden.

Vorsichtige Zustimmung von Naturschützern

Vorsichtige Zustimmung zu dem neuen System bekam Mehdorn vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Verkehrsexperte Tilman Heuser bescheinigte der Bahn, ihr sei "die Quadratur des Kreises zwischen der Gewinnung neuer Kundengruppen und der Bindung der Stammkunden im Ansatz gelungen". Profitieren würden insbesondere Familien und Kleingruppen. Für Geschäftskunden bleibe die Bahn weiter das günstigste Verkehrsmittel. Für allein reisende Vielfahrer, die flexibel nur zum Normalpreis fahren, regte der BUND die Einführung von Bonusmeilen an. Weiterhin forderte er eine Reform des Preissystems im Nahverkehr. Der von der Bahn vorgestellte neue Tarif gilt nur für Strecken ab 100 km.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bemängelte die Abschaffung der Bahn-Card mit 50 % Rabatt. VCD-Geschäftsführer René Waßmer: "Alle, die in der Regel allein reisen und sich nicht mehrere Tage vorher auf bestimmte Züge für Hin- und Rückfahrt festlegen können, gehören zu den Verlierern des neuen Preissystems." Die neue, erheblich billigere Bahn-Card gewährt nur 25 % Rabatt. Dieser wird aber nicht nur auf den Normalpreis angerechnet, sondern auch auf alle "Plan & Spar"-Preise sowie den weiterhin bestehenden 50 %-igen "Mitfahrerpreis" für zwei bis vier gemeinsam Reisende.

Zahl ermäßigter Plätze beschränkt

Der VCD kritisierte zudem erneut, dass die Zahl der ermäßigten Plätze beschränkt ist. .In Stoßzeiten wie Freitag und Sonntag werde es wohl nur wenige Plätze für Frühbucher geben. Dem widersprach in Berlin die Tarif-Managerin Anna Brunotte. Bei den Kontingenten handele es sich keinesfalls um eine Mogelpackung. In jedem Zug würden mindestens 10 % der Plätze mit Rabatt angeboten. Plätze geben. Auch auf stark nachgefragten Strecken seien volle Züge nicht die Regel.

Das neue Tarifsystem schafft die bisherige Preisformel "Grundpreis mal Kilometer" ab. Das zeige sich, so Vorstand Koch, nicht nur in der Preis-Degression bei langen Strecken. Künftig gebe es Relationspreise zwischen jedem Bahnhof für die unterschiedlichen Reiserouten. In die Kalkulation sei dabei die jeweilige Marktsituation eingeflossen: So koste die ICE- Fahrt Köln - Frankfurt über die Neubaustrecke in der 2. Klasse 51 Euro - etwa genauso viel wie das Ticket von Hamburg nach Berlin für 47,60 Euro auf einer längeren Distanz. Der Grund: Der ICE zwischen Rhein und Main ist konkurrenzlos schnell, zwischen Elbe und Spree tritt die Bahn gegen die Autobahn an.

Quelle: Handelsblatt

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