Überbewertet
Kommentar: Teure Microsoft-Aktie

Eine Börsenkrise hat auch gute Seiten. Sie zwingt dazu, alte Zöpfe abzuschneiden. Was in der Euphorie selbstverständlich war, muss in der Depression hinterfragt werden.

Microsoft lieferte für dieses Prinzip vergangene Woche selbst ein Beispiel: Den Quartalsgewinn - immerhin 2,5 Milliarden Dollar - zehrte der Software-Gigant fast völlig auf. Das zweitgrößte Börsenunternehmen der Welt leistet so seinen Beitrag zur Sinnkrise im High-Tech-Sektor. Einige Investitionen in die Neue Wirtschaft sind nicht mehr das Geld wert, das in sie gesteckt worden ist. Also wurden die Anlagen abgeschrieben.

Ähnlich konsequent sollten Anleger auch mit der Aktie des Hauptunternehmens selbst umgehen. Mit 70 Dollar dürfte der Titel derzeit überbewertet sein. Denn dies entspricht im laufenden Geschäftsjahr 2001/2002 einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 36 - wenn man die aktuelle MS-Gewinnprognose je Aktie von 1,91 bis 1,95 Dollar zu Grunde legt.

Keine Wachstumsphantasie

Für ein Unternehmen, das zur Zeit keine Wachstumsphantasie entfacht, ist dies zu hoch. Und ob Microsoft den Sprung auf den alten Aufwärtspfad wieder schafft, ist nicht absehbar. Es mehren sich die Stimmen, die Wachstumsraten von deutlich über zehn Prozent in den nächsten Jahren für unrealistisch halten. Die auf fünf Jahre angelegten Wachstumsprognosen der Analysten schwanken zwischen acht Prozent und 26 Prozent pro Jahr. Also eine weite Spanne, die auch viel Prognoseunsicherheit signalisiert.

Um ein Gefühl für den angemessenen Wert der Aktie zu bekommen, sollten Anleger die Vergangenheit heranziehen. So schwankte das Microsoft-KGV in den Boomjahren 1998 bis 2000 zwischen 30 und 60. Dies sind hohe Werte. Auch in den drei Jahren davor - 1995 bis 1997 - wurden KGVs bis knapp 50 erreicht. Es mag heute manchen Anleger überraschen, aber selbst Microsoft ist schon einmal für längere Zeit attraktiv bewertet gewesen. Anfang der neunziger Jahre schwankte das KGV vier Jahre lang zwischen 13 und 30.

Kaufkurse abwarten

In der Krise geben solche Bewertungen am ehesten Hinweise, wo neue Einstiegskurse für Microsoft liegen könnten. Mit Blick auf die Entwicklung der letzten vier Monate könnten das kurzfristig Kurse über 50 Dollar sein. Vorausgesetzt: Microsoft schlittert nicht noch tiefer in die Krise und muss seine Prognosen weiter nach unten anpassen. Bisher ist das Unternehmen ein leuchtendes Beispiel für Stabilität in der Krise. Die Gewinnprognosen sanken nur um etwa 10 Prozent. Anleger honorierten das mit Kursgewinnen von über 60 Prozent seit Jahresanfang. Damit ist die Aktie die beste im Dow-Jones-Index und im Titanenindex, in dem die wichtigsten Aktien der Welt vereint sind.

Mittelfristig liegt eine wichtige Marke bei 40 Dollar. Hier begann am Jahresanfang die Aufholjagd, hier pendelte die Aktie 1998 ein paar Monate. Und gemessen an den Gewinnprognosen wäre 40 Dollar ein bedenkenswertes Einstiegsniveau. Vorsicht: Dafür müsste die Aktie 40 Prozent fallen.

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