Überdurchschnittliches Wachstum durch IT
"New Economy" hat überlebt

Der höchst sparsame Diesel-Direkteinspritzmotor ist so ein Beispiel, der "Fahrlicht-Assistent", der im Dunkeln automatisch das Licht einschaltet ebenfalls - bis zu 15 000 neue Ideen schießen den Ingenieuren von Daimler-Chrysler jedes Jahr durchs Hirn.

HB DÜSSELDORF. Neuerdings bewältigen sie diese Flut elektronisch. Mit den Einkäufern, Logistikern und Vertriebsleuten stimmen sich die Entwickler über das Internet ab - ein komplett webbasiertes "Änderungsmanagement-System" verkürzt die Zeit von der Idee bis zur Umsetzung bei Daimler um bis zu 40 Prozent - der Konzern spart dadurch jedes Jahr rund fünf Millionen Euro.

Bei Konzernen wie Daimler-Chrysler hat in den vergangenen Jahren moderne Informationstechnologie (IT) in fast jeden Winkel des Unternehmens Einzug erhalten. Jeder große deutsche Autohersteller investiert jährlich dreistellige Milliardensummen in IT - und steigert damit seine Effizienz.

IT-Investitionen als Schlüsselfaktoren

Das hinterlässt Spuren in der Gesamtwirtschaft. Ökonomen sind sich einig, dass Computer, Internet und E-Business zu den wichtigsten Motoren für die Produktivität - und damit des Wohlstands einer Volkswirtschaft gehören. "IT-Investitionen sind Schlüsselfaktoren für das Produktivitätswachstum", sagt Dirk Pilat, Volkswirt bei der OECD in Paris. Der Internationale Währungsfond (IWF) spricht gar von einer "grundlegenden technologischen Revolution" - vergleichbar nur mit der Erfindung des mechanischen Webstuhls und der Dampfmaschine, der Eisenbahn und dem Automobil. Die IWF-Ökonomen betonten schon im Herbst 2001: Auch wenn sich das "New Economy"-Fieber an den Finanzmärkten gelegt hat und die IT-Investitionen längere Zeit schwächeln: "Die langfristigen Vorteile der IT für die Weltwirtschaft werden in den nächsten Jahren wahrscheinlich andauern oder sich sogar ausweiten."

USA Vorreiter für Europa

Am deutlichsten zeigt sich dies in den USA: Dort haben die Unternehmen seit 1998 besonders viel Geld für IT ausgegeben. Der Anteil an den gesamten Investitionen (ohne Bau) verdoppelte sich laut OECD zwischen 1980 und 2001 auf knapp 30 Prozent. Deutschland dagegen hinkt mit rund 17 Prozent weit hinterher. Parallel dazu ist die Arbeitsproduktivität in den USA seit Mitte der 90er-Jahre deutlich schneller gestiegen als früher. Während das Plus zwischen 1990 und 1995 im Schnitt nur bei 1,1 Prozent pro Jahr lag, waren es danach 1,9 Prozent. In Deutschland geht der Trend genau in die andere Richtung: In der ersten Hälfte der 90er lag das Plus bei 3,5 Prozent, in der zweiten nur noch bei 1,7 Prozent.

Lange stritten Ökonomen darüber, ob das US-Phänomen dauerhaft ist, oder es nur Hoch-Konjunktur und Investitionsrausch zu verdanken war. Inzwischen herrscht etwas mehr Klarheit: Trotz des nur moderaten Wirtschaftswachstums ist die US-Produktivität voriges Jahr erneut überdurchschnittlich gestiegen, wie eine Studie des US-Forschungsinstituts Conference Board zeigt. "Der langfristige Trend ist intakt", betonen die Autoren. Auch Patrick Artus, Chefvolkswirt der französischen Bank CDC Ixis, unterstreicht: "In der Realwirtschaft hat die ,New Economy? in den USA zum höheren Trendwachstum bei Arbeitsproduktivität und Produktionspotenzial geführt."

Für Deutschland und Europa wird die Situation dabei immer bedrohlicher. Denn die Lücke zwischen den IT-Investitionen in der alten und der neuen Welt vergrößert sich 2003 erneut, prognostiziert Forrester Research. Während die Marktforscher die amerikanischen IT-Investitionen dieses Jahr auf 865 Mrd. Euro schätzten, dürften sie in Europa nur bei 647 Mrd. liegen. "2004 hat IT in Europa nur einen Anteil von 6,9 Prozent am Bruttoinlandsprodukt, verglichen mit 9,6 Prozent in den USA." Hinzu kommt: Neben dem schieren Geld gibt es eine Reihe weiterer Gründe, warum IT-Investitionen in den USA das Produktivitätswachstum stärker beflügeln als hier zu Lande, betont OECD-Forscher Pilat - unter anderem "die höhere Qualifikation der Beschäftigen, der intensivere Wettbewerb und die besser funktionierenden Kapitalmärkte." Europa hat also noch viel zu tun.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%