Überfall auf jüdische Siedlung
Israelische Armee rückt in Nablus ein

Wenige Stunden nach einem palästinensischen Überfall auf jüdische Siedler ist die israelische Armee mit Panzern am Freitagmorgen in Nablus im Westjordanland eingerückt.

Reuters NABLUS. Bei dem Überfall in der nahe gelegenen jüdischen Siedlung Itamar waren nach Armeeangaben fünf Israelis getötet worden, darunter eine Mutter und drei ihrer sechs Kinder.

Augenzeugen berichteten von zahlreichen Panzern und gepanzerten Fahrzeugen, die vor Sonnenaufgang von drei Seiten ins Zentrum der Stadt vorgedrungen seien. Die Armee verhängte eine Ausgangssperre. Vereinzelt seien Schüsse abgefeuert worden. Zudem hätten die Soldaten am Stadtrand sechs mobile Unterkünfte errichtet, was auf eine länger angelegte Operation hindeuten könne, hieß es weiter. Ein Militärsprecher wollte die Operation in Nablus nicht kommentieren.

Nach Angaben der Armee war am Donnerstagabend ein bewaffneter Palästinenser in ein Haus in Itamar eingedrungen. Die Armee habe das Haus gestürmt und bei einem Feuergefecht den Angreifer getötet. Rettungsdienste hatte zunächst von sechs Toten gesprochen. Auch war zunächst von zwei Angreifern ausgegangen worden. Zu dem Überfall bekannte sich die radikale Palästinensergruppe Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFPL).

"Wir sind mitten im Krieg, in einem harten Krieg", sagte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon nach dem Überfall auf die jüdische Siedlung. "Wir haben es mit einer Koalition des Terors zu tun, die angeführt wird von der Palästinenser- Regierung und unterstützt wird von einer Achse des Bösen - Teheran, Bagdad, Damaskus und (Osama) bin Laden." Aus politischen Kreisen verlautete, Scharon wolle am Freitag sein Sicherheitskabinett zusammenrufen, um über eine mögliche Ausweitung der Operationen im Westjordanland und die Einberufung von Reservisten zu beraten.

Israels Armee hatte auf die jüngsten palästinensischen Anschläge in Jerusalem mit Militäreinsätzen im Westjordanland reagiert. Bei zwei Selbstmordanschlägen in Jerusalem waren am Dienstag und Mittwoch 27 Menschen getötet worden. Bereits nach dem Anschlag am Dienstag hatte Israel eine Wende seiner Politik angekündigt. Sollte es zu weiteren Anschlägen kommen, würden die selbstverwalteten Gebiete im Westjordanland erneut besetzt, erklärte die Regierung.

Die Regierung von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat hatte am Donnerstag die Anschläge verurteilt und zu einem Ende der Angriffe auf israelische Zivilisten aufgerufen. Arafats Aufruf sei ein Schritt in die richtige Richtung, reiche aber nicht aus, um die Gewalt zu beenden, hieß es in einer Erklärung des US-Außenministeriums.

US-Präsident George W. Bush versicherte unterdessen in einem Telefonat mit Scharon, er werde sich weiter für einen Frieden im Nahen Osten einsetzen. Er ließ jedoch offen, wann er die bereits für diese Woche erwarteten Pläne für eine Friedenslösung vorlegen wird.

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