Überfall im Westjordanland
Gewalt eskaliert: 20 Palästinenser und Israelis tot

Mit neuen Anschlägen und wechselseitiger Vergeltung hat der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern am Dienstag einen neuen Höhepunkt erreicht.

rtr JERUSALEM. Am Abend starben bei einem Palästinenser-Überfall im Westjordanland vier Israelis. Seit Montag kamen nach offiziellen Angaben 20 Palästinenser und Israelis ums Leben. Nach Einbruch der Dunkelheit überfielen Militärangaben zufolge Palästinenser einen Kontrollposten der Besatzungstruppen im Westjordanland und erschossen vier Israelis. Drei Israelis seien verletzt worden, verlautete aus Militärkreisen in Jersualem. Der Überfall fand in Ein Arik statt, nordwestlich der Stadt Ramallah.

Durch den beherzten Einsatz eines israelischen Busfahrers wurde in Mehola im Westjordanland am Dienstag ein Blutbad durch einen neuen Selbstmord-Bombenanschlag in letzter Sekunde verhindert. Der Busfahrer, dem ein junger Palästinenser verdächtig vorkam, hatte diesen beim Einsteigen aus dem Fahrzeug geworfen und war mit seinen 50 Passagieren davon gebraust. Unmittelbar danach sprengte sich der Mann auf einem Feld in der Nähe selbst in die Luft.

Zuvor hatte ein israelischer Kampfhubschrauber eine Rakete auf ein Büro der radikalen Palästinenserorganisation Hamas im Flüchtlingslager Dschabalja im Gaza-Streifen abgefeuert. Bei der Explosion wurden auch mehrere Schulkinder verletzt. Die Armee teilte mit, es habe sich um Vergeltung für die jüngste "Welle mörderischer Terroranschläge" von Palästinensern gehandelt.

Im Krankenhaus von Dschabalja bemühten sich Ärzte derweil verzweifelt, das Leben der neunjährigen Inas Salah zu retten. Das Mädchen war zum Zeitpunkt des Raketen-Angriffs auf das Hamas-Büro mit anderen Kindern gerade aus der Schule gekommen, als die Rakete explodierte. Das Kind wurde von Splittern getroffen. Fünf weitere Schulkinder seien ebenfalls verletzt worden, berichteten Ärzte. Mütter liefen schreiend durch die Straßen auf der Suche nach ihren Kindern. Das Hamas-Büro soll als Pressezentrum der Gruppe gedient haben. Die Armee teilte mit, es sei ein Kommandoposten der Hamas beschossen worden.

Ebenfalls als Vergeltung für palästinensische Anschläge vom Montag, bei denen vier Israelis starben, hatte die israelische Luftwaffe in der Nacht zum Dienstag Sicherheitseinrichtungen der Palästinenser-Regierung im Westjordanland und im Gaza-Streifen angegriffen. Ein palästinensischer Attentäter wurde getötet.

Tragische Szenen spielten sich bei der Beerdigung eines der israelischen Opfer, der Siedlerin Ahuva Amargi, in Israel ab. Die Schwester der Getöteten bat die Tote am Grabe um Vergebung, dass sie ihr nicht habe helfen können: Ihre Schwester hatte mit dem Mobiltelefon um Hilfe gefleht, während der Überfall bereits im Gange war. Die Schüsse waren durchs Telefon zu hören.

Der israelische Armeerundfunk berichtete, Ministerpräsident Ariel Scharon, Verteidigungsminister Binjamin Ben-Elieser, Armeechef Schaul Mofas und andere Sicherheitsberater hätten beschlossen, künftig mit noch härteren Vergeltungsmaßnahmen auf palästinensische Anschläge zu reagieren. Scharon und seine Sicherheitsberater hatten sich am Montagabend in Jerusalem zu Beratungen getroffen. Das Büro des Ministerpräsidenten teilte mit, die Ergebnisse des Treffens würden dem Kabinett am Mittwoch zur Genehmigung vorgelegt.

"Ich will den terroristischen Gruppen die härtesten Schläge versetzen, in der Hoffnung, dass es eines Tages möglicherweise auch Leute geben wird, mit denen wir reden können", sagte Scharon vor der Parlamentsfraktion des konservativen Likud. Scharon steht innenpolitisch sowohl aus dem rechten wie aus dem linken Lager unter Druck, weil er der palästinensischen Gewalt bislang nicht Einhalt geboten hat.

Palästinenser-Präsident Jassir Arafat hat zum Waffenstillstand aufgerufen, die radikalen Palästinenser-Gruppen sind diesem Aufruf aber nicht gefolgt. Arafat bekräftigte am Dienstag, die Palästinenser fühlten sich ungeachtet der jüngsten Eskalation weiter zu einer friedlichen Lösung verpflichtet. Die Entschlossenheit dazu wachse sogar. Im Gegensatz dazu erklärte der politische Vertreter der Hamas, Mahmud el Sahar, die Antwort auf die Tötung von Kindern und Zivilisten werde nicht Schweigen sein. "Das neue Verbrechen wird uns niemals davon abhalten, den Feind (Israel) weiter zu bekämpfen, bis wir ihn aus unserem Heimatland vertrieben haben."

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