Übergangsfrist für Indexumstellung sorgt für Erleichterung
MSCI-Reform offenbar erst 2001 spürbar

Am Tag nach der Entscheidung des Indexanbieters MSCI, seine Börsenbarometer zu reformieren, haben die Anleger mit Erleichterung auf die Übergangsfrist zur Umstellung auf den Streubesitz reagiert. Analyse: MSCI auf dem richtigen Weg Index-Umstellung kostet Asien Milliarden

mm FRANKFURT/M. Am ersten Handelstag nach der Entscheidung des weltweit führenden Indexanbieters MSCI, seine Börsenbarometer zu reformieren, haben die Anleger mit Erleichterung auf die lange Übergangsfrist für die Umstellung auf den so genannten Streubesitz reagiert. Zahlreiche Aktien, die als Verlierer der Reform gelten, konnten sich von Kursverlusten im Vorfeld der MSCI-Entscheidung erholen, darunter auch die Deutsche Telekom.

Am vergangenen Sonntag hatte MSCI beschlossen, seine Indizes in Zukunft nur noch nach der Zahl der frei handelbaren Aktien und nicht mehr auf Basis der gesamten Marktkapitalisierung zu berechnen. Durch die Entscheidung werden Fondsmanager und Vermögensverwalter in aller Welt gezwungen, ihre Depots umzuschichten und Titel mit geringem Free Float abzustoßen. Im Gegenzug müssen die Großinvestoren Werte mit hohem Streubesitz zukaufen. Allerdings verteilt MSCI, um den Übergang möglichst reibungslos zu gestalten, seine Reform auf zwei Schritte Ende November 2001 und Ende Mai 2002. Die Folgen des Reformbeschlusses werden nach Einschätzung von Analysten deshalb erst im kommenden Jahr zu spüren sein.

Telekomwerte profitieren vom gestreckten Zeitrahmen

"Viele Anleger haben mit Erleichterung festgestellt, dass MSCI für die Umstellung eine so lange Übergangsfrist gewählt hat", erläuterte ein Frankfurter Aktienhändler. Deshalb hätten sich gestern einige deutsche Aktien, die aufgrund des vergleichsweise geringen Streubesitzes als Verlierer der Reform gelten, erholen können. So legte die Deutsche Telekom zeitweise um mehr als 7 % zu. In Frankreich kletterten France Télécom um 9 %.

Die Telekommunikationsbranche wird nach Einschätzung zahlreicher Analysten am stärksten unter der Umstellung leiden. In Deutschland verbuchten die ebenfalls als Verlierer apostrophierten Versicherer Allianz und Münchener Rück ebenfalls Kursgewinne. In der Woche vor der MSCI-Entscheidung hatten Münchner Rück mehr als 6 % verloren, Allianz gaben rund 4 % ab, und auch die Telekom war unter Druck geraten.

Für eine Entwarnung ist es noch zu früh

Nach Einschätzung von Stavros Siokos von der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) ist es trotz der Erholung für eine Entwarnung noch zu früh. Nach seiner Einschätzung wird die Reform ab dem Frühjahr 2001 zu ersten spürbaren Kursbewegungen führen. Dafür sprechen nach Siokos Meinung die Erfahrungen des MSCI-Konkurrenten Stoxx. Stoxx hatte Ende Juni 2000 beschlossen, seine europäischen Aktienbarometer auf den Streubesitz umzustellen. Die Entscheidung wurde Mitte September umgesetzt.

"Rund 40 % der Umschichtungen fanden im Monat vor der Indexumstellung statt", erläutert Siokos. 50 % der Umsätze seien an dem Tag der Umstellung und in der Woche danach angefallen. SSSB schätzt, dass bis zum Ende der ersten Reformphase Anlegergelder in Höhe von 2,8 Mrd. $ und bis zum Abschluss der Umstellung weitere 2,6 Mrd. $ aus Deutschland abfließen werden.

"Die Auswirkungen der Reform lassen sich nur sehr schwer einschätzen", meint dagegen Klaus Martini von der Fondsgesellschaft DWS. Da sich die Umstellung über zwei Jahre hinziehe, rechnet er nicht mit massiven Folgen für die Aktienkurse. Im Moment sehe es so aus, als werde es zu einem fließenden Übergang kommen. Die MSCI-Reform wird nach Martinis Einschätzung zwar einen "gewissen Einfluss" haben, der werde aber nur schwer zu messen sein.

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