Überkapazitäten im Markt
Bürowirtschaft: "Der Markt braucht Herlitz nicht"

Die Bürowirtschaft hat sich im Gegensatz zu Politik und Banken ausgesprochen skeptisch über den Fortbestand des Papier- und Schreibwarenherstellers Herlitz geäußert. "Aus Sicht der Branche gibt es überhaupt keine Notwendigkeit, Herlitz weiterzuführen", sagte Volker Wessels vom Bundesverband Bürowirtschaft.

dpa BERLIN. Das Berliner Unternehmen, das am Mittwoch Insolvenzantrag gestellt hatte, verfüge über kein unersetzbares Produkt und keine unersetzbaren Vertriebsstrukturen. "Der Markt braucht Herlitz nicht, zumal es Überkapazitäten gibt", sagte Wessels.

Herlitz hatte nach gescheiteren Verhandlungen zwischen den Banken sowie den Ländern Berlin und Brandenburg über eine Länderbürgschaft die Insolvenz beantragt. Sowohl Management, Insolvenzverwalter als auch die Banken äußerten sich jedoch zuversichtlich, wesentliche Firmenteile und einen Großteil der Arbeitsplätze retten zu können. Der Herlitz-Konzern beschäftigt knapp 3000 Mitarbeiter, davon 1900 in Deutschland.

Der Markt für Papier, Bürobedarf und Schreibwaren (PBS) stagniert in Deutschland nach Verbandsangaben seit Jahren bei umgerechnet 9,2 Milliarden Euro. Davon entfallen rund 45 Prozent auf den privaten Konsum und 55 Prozent auf den gewerblichen Verbrauch. Im gewerblichen und im Fachhandel spielt Herlitz laut Bürowirtschafts-Verband praktisch keine Rolle. Im Selbstbedienungsbereich ist Herlitz dagegen mit weitem Abstand Marktführer. Allerdings entfällt auf diese Sparte im PBS-Handel laut Wessels lediglich ein Anteil von fünf Prozent. Branchenintern gelte der Selbstbedienungsbereich zudem als "Preisvernichtungsmaschine".

Beim Konkurrenten Pelikan in Hannover, der gerüchteweise immer wieder als möglicher Investor und Wunschpartner genannt wurde, wird jegliches Interesse an Herlitz verneint. "In Hannover und bei der Schweizer Holding gibt es überhaupt keine Bewegung in diese Richtung", sagte Pelikan-Sprecher Horst Burghard. Herlitz sei kein Thema. Pelikan hatte zusammen mit Faber-Castell, Bacher sowie Esselte-Leitz eine gemeinsame Vertriebsgesellschaft für die jeweiligen Marken unter dem Namen Quadriga Plus gegründet. Damit wollten die Büroartikel-Hersteller unabhängig vom Herlitz-Vertrieb werden und vor einer Herlitz-Pleite geschützt sein.

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