Überkapazitäten und fallende Preise weltweit
Glasfaser-Netzbetreiber im Pleiten-Sog

Auch nach den spektakulären Pleiten von Global Crossing, Worldcom und KPN-Qwest bleibt der Markt für die verbliebenen Glasfaser-Fernnetzbetreiber ruinös. Gigantische Überkapazitäten drücken die Preise immer weiter. Als sicher Überlebender im Markt kann sich bisher keines der Unternehmen fühlen.

BERLIN. Als die niederländische KPN am Freitag ankündigte, den Deutschland-Teil des insolventen Datennetzbetreibers KPN-Qwest zu übernehmen, freuten sich in der Branche nur die 55 Leute, deren Jobs so gerettet wurden. "Jetzt kehrt dieser Untote wieder auf den Markt zurück", seufzte dagegen ein Mitarbeiter eines der angeschlagenen Konkurrenten.

Untote machen Angst. Und sie zerstören die Hoffnung, dass endlich ein großes Glasfasernetz komplett stillgelegt wird. Denn das ist trotz der Milliarden-Pleiten von Global Crossing, KPN-Qwest und Worldcom bisher nicht passiert: Die Netze bleiben, und damit gigantische Überkapazitäten auf dem Markt für Telefon- und Daten-Fernverkehr. Nach Analysten-Schätzungen werden 97 % der weltumspannenden Glasfasernetze nicht genutzt.

"Die liegen bis auf Weiteres blind herum", erwartet der langjährige Branchenexperte und Investor Bernd Jäger. Bestenfalls, glaubt er, wird es 2004 ein wenig besser für die Telekom-Unternehmen, weil dann in vielen Unternehmen Erweiterungsinvestitionen in die Datenübertragung notwendig werden.

Die Überlebenden der Pleitewelle sehen sich heute von einer neuen Preisspirale nach unten bedroht. Der Grund: Die Netze der Pleite-Firmen kommen zu einem Bruchteil der Herstellungskosten zurück auf den Markt. Die Käufer können Datenübertragung erneut billiger anbieten - zum Nachteil der Firmen, die Schulden aus der Netzaufbauphase mitschleppen. Das weltumspannende Global-Crossing-Netz etwa, bei dessen Bau 12 Mrd. $ Schulden angehäuft wurden, ging für 500 Mill. $ an ein Joint-Venture des Hongkonger Konzerns Hutchison. KPN zahlt nach Angaben eines Insiders nur einen einstelligen Euro-Millionen-Betrag für das Deutschland-Netz von KPN-Qwest. Level 3 schnappte sich billig die Versatel-Infrastruktur.

Im Fall von KPN-Qwest trösten sich die Konkurrenten damit, dass die Kunden inzwischen abgewandert sind und das europaweite Netz zerschlagen wurde. Die niederländischen Teile und das Netzmanagementcenter in Den Haag gingen ebenfalls an KPN, die zusätzlich Netze in Belgien und Großbritannien kaufen will. Frankreich und Italien übernahm die schwedische Telia International Carrier. Das deutsche Rechenzentrum in Karlsruhe ging an die Berliner Teles AG, deren Tochter Strato einen Großteil der deutschen Internet-Adressen dort verwaltet. Das Osteuropa-Netz fiel an einen russischen Investor.

Der starke Preisverfall trifft laut Jäger alle in der Branche, "auch gesunde Unternehmen wie Colt Telecom". Ein Colt-Sprecher sagte allerdings, dass sein Unternehmen von der Pleitewelle profitiere. Europaweit habe Colt 262 Großunternehmen aus der KPN-Qwest-Konkursmasse übernommen. Allerdings führe der Preisverfall bei Colt in Deutschland zu 80 bis 90 Entlassungen und zu stagnierenden Umsätzen. Außerdem schließen immer mehr Worldcom-Großkunden zur Sicherheit zusätzlich Verträge mit Colt oder Deutschen Telekom ab. "Auch das bringt Umsatz", sagt der Colt-Sprecher.

In Deutschland profitierte bisher nach eigenen Angaben auch die Lambdanet GmbH, Hannover, von den Pleiten. Ihre Schwestergesellschaften in Frankreich und Spanien jedoch befinden sich nach Aussage von Bernard Smedley, dem Chef der Luxemburger Lambdanet-Holding LNG in Schwierigkeiten. Das hat Smedley dazu bewogen, die gesamte Lambdanet-Gruppe umzubauen. Zusätzlich will er jetzt auf Kundensuche in den USA und Asien gehen, um an sie vor allem das europäische Netz zu vermarkten.

Branchenbeobachter meinen jedoch einhellig, dass das Unternehmen damit die Fehler von Global Crossing wiederholt und bezeichneten Smedleys Vorgehen als Anfang vom Ende. Der bisherige Lambdanet-Chef Dietrich Finke jedenfalls ist nicht überzeugt von der neuen Strategie: Er verlässt das Unternehmen.

Quelle: Handelsblatt

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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