Überkapazitäten und Preiskampf in der Branche: Heidelberg Cement droht "Junk"-Status

Überkapazitäten und Preiskampf in der Branche
Heidelberg Cement droht "Junk"-Status

Dem verschuldeten größten europäischen Zementhersteller Heidelberg Cement droht eine neue Herabstufung seiner Bonität durch die größte Ratingagentur S&P. Damit würde das Rating des Unternehmens auf den so genannten Ramsch-Status ("junk") zurückfallen.

Reuters LONDON/HEIDELBERG. Das Langfrist-Rating von "BBB-" - die niedrigste Bewertungsstufe im Investmentbereich - und das Kurzfristrating von "A-3" würden auf die Beobachtungsliste (Credit Watch) mit negativer Implikation gesetzt, teilte S&P am Mittwoch mit. Die Ratingagentur stößt sich vor allem an dem angekündigten Erwerb der Mehrheit an der westfälischen Anneliese Zementwerke AG. Damit sei das Ziel eines raschen Schuldenabbaus gefährdet, zugleich reiche der Schritt aber zu der erhofften Konsolidierung auf dem deutschen Zementmarkt nicht aus, erklärte S&P-Kreditanalyst Xavier Buffon.

"Der Umfang der Transaktion und/oder eine möglicherweise aggressivere Finanzpraxis könnten das Tempo des Schuldenabbaus deutlich bremsen", zumal sich der deutsche Markt noch weiter verschlechtert habe, sagte der S&P-Analyst mit Blick auf den Zukauf in Westfalen. Heidelberg Cement habe Ende Februar 650 Millionen Euro an kurzfristigen Verbindlichkeiten zu tragen gehabt, dazu kämen 1,3 Milliarden Euro, die bis 2004 oder 2005 getilgt werden müssten.

Ein Sprecher von Heidelberg Cement wies die Befürchtungen von S&P zurück. "Wir werden unsere Verbindlichkeiten wie geplant weiter abbauen", sagte er auf Anfrage. Der Schuldenstand soll in diesem Jahr erneut um 500 Millionen Euro auf rund 3,8 Milliarden Euro reduziert werden. Erst im Januar hatte S&P die Bonitätsbewertung für die langfristigen Schulden auf "BBB-" von "BBB" herabgesetzt, das Kurzfrist-Rating von "A-3" aber bestätigt. Auch der Konkurrent Moody's prüft derzeit eine Herabstufung des Langfrist-Ratings. Mit einem niedrigeren S&P-Rating von "BB+" würde die Geldbeschaffung für das Unternehmen teurer. Zudem dürften viele Fonds nicht mehr in die Anleihen von HeidelbergCement investieren.

Heidelberg Cement hatte am Montag angekündigt, seinen Anteil an der Anneliese Zementwerke auf 90,3 Prozent auszubauen, an der bisher der Wiesbadener Konkurrent Dyckerhoff mit 48,8 Prozent beteiligt ist.

Dyckerhoff war eine Anteilsaufstockung auf Grund seiner starken Stellung im Westen Deutschlands kartellrechtlich verwehrt. Im Gegenzug übernimmt Dyckerhoff 24,9 Prozent an der luxemburgischen Ciment-Gruppe von der Heidelberg Cement-Tochter CBR und baut damit seine Mehrheit aus. Über den Kaufpreis für die Transaktionen wurde nichts bekannt.

Das Unternehmen überholt damit Dyckerhoff auch im Inland als größter Zementhersteller. Die Branche leidet unter einem harten Preiskampf, der den Verkaufspreis auf bis zu 40 von 60 Euro pro Tonne drückte. "Wahrscheinlich sind weitere Maßnahmen nötig, um die Überkapazitäten abzubauen, bevor es zu einer Preiserhöhung kommen wird. Der Weg wird wohl lang und steinig", erklärte Buffon.

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