Überkapazitäten und Preisrückgänge belasten die Konzerne – DSM legt nur in der Feinchemie zu: Chemiebranche spürt wenig Entspannung

Überkapazitäten und Preisrückgänge belasten die Konzerne – DSM legt nur in der Feinchemie zu
Chemiebranche spürt wenig Entspannung

Die Einschätzungen führender Chemiefirmen lassen vorerst auf wenig Besserung hoffen: Die Branche wird auch im ersten Quartal nur vereinzelt den heftigen Druck auf die Gewinne mindern können.

DÜSSELDORF. Aus der weltweiten Chemiebranche kommen derzeit kaum Zeichen für eine konjunkturelle Erholung. Spezialchemieanbieter spüren zwar vereinzelt eine Stabilisierung auf den Märkten ihrer Kunden in der verarbeitenden Industrie. Doch ist bei ihnen und vor allem in der Massenchemie die Auftragslage unverändert schlecht. Darauf deuten die jüngsten Einschätzungen der Vorstandschefs führender Unternehmen hin.

Die Chemiebranche reagiert in weiten Teilen früh auf konjunkturelle Änderungen und gilt damit als wichtiger Indikator. Zurzeit gehen Chemiekonzerne überwiegend davon aus, dass das erste Quartal nicht besser laufen wird als die letzten drei Monate 2001. "Bislang scheint sich die Geschäftsentwicklung in gleicher Weise wie im vierten Quartal 2001 fortzusetzen", sagte gestern Peter Elverding, Chef des niederländischen Chemiekonzerns DSM. Die Umsätze und die Gewinnspannen würden im ersten Halbjahr anhaltend unter Druck stehen.

Bei DSM ist das Betriebsergebnis im vierten Quartal um 37 % auf 82 Mill. Euro eingebrochen, der Umsatz sank um 14 % auf 1,8 Mrd. Euro. Mit solchen Rückgängen steht der Konzern nicht allein: Die operativen Gewinne bei den US-Marktführern Dow Chemical und Dupont lagen im vierten Quartal und auf das Gesamtjahr gesehen zwischen 50 und 67 % niedriger (siehe Tabelle). "Das wirtschaftliche Umfeld für die Chemieindustrie ist weiterhin so schlecht wie seit zehn Jahren nicht mehr", sagt Dow-Chef Michael Parker. Er macht für den Gewinnrückgang neben der schwachen Nachfrage das Sinken der Verkaufspreisen verantwortlich. Allein im Massenchemiegeschäft verzeichnete Dow voriges Jahr zweistellige Preisrückgänge.

Die wegen des Preisdrucks und geringer Nachfrage schwachen Gewinnspannen werden die Chemiefirmen vorerst weiter belasten, erwarten die Analysten von ABN Amro. Die konjunkturellen Rahmendaten gäben noch keine Entwarnung. Charles Holliday, Chef des US-Chemiekonzerns Dupont geht davon aus, dass Preiserhöhungen erst nach mehreren Quartalen höherer Nachfrage durchsetzbar seien - solange, bis die Überkapazitäten in der Branche abgebaut seien. Wie die Chemieindustrie insgesamt geht Holliday von einem Aufschwung frühestens im zweiten Halbjahr aus.

Derzeit sind vor allem in der Massenchemie die Kapazitäten kaum ausgelastet. BASF-Chef Jürgen Strube beziffert die Auslastung des Konzerns in Teilbereichen zuletzt auf unter 68 %. Allein in der Petrochemiesparte von DSM halbierten sich im vierten Quartal Umsatz und Gewinn. Da neue Kapazitäten in Singapur und Saudi Arabien in Betrieb gehen, erwartet die Chemiesparte des Ölkonzerns Exxon Mobile auch in diesem Jahr anhaltenden Druck. Analysten der Credit Suisse First Boston (CSFB) rechnen daher nicht mit höheren Gewinnspannen in der Basischemie vor Ende 2002.

Zuversicht versprühen momentan nur Teile der Spezialchemie. "Wir sehen Zeichen für eine Stabilisierung", frohlockte Raj Gupta, Chef des führenden US-Spezialchemiekonzerns Rohm & Haas. Ähnlich optimistisch die Schweizer Ciba Spezialitätenchemie AG, die eine leichte Erholung in den USA spürt. Fast unbeeinträchtigt von der Konjunktur zeigen sich die auf Biotechnologie, Pharma- und Pflanzenschutzwirkstoffe spezialisierten Feinchemiefirmen: Die Schweizer Lonza AG steigerte 2001 den Gewinn um 8 %, DSM verkündete gestern für seine entsprechende Sparte ebenfalls ein Plus von 8 %.

Simon Bown, Analyst bei der CSFB, bewertet aber auch die Aussichten für die Spezialchemie mit Vorsicht: "Die erste Hälfte des Jahres 2002 wird für die Chemie genauso hart wie die zweite Hälfte 2001", sagte er. Bown rechnet aber im zweiten Halbjahr in der Branche mit schnellerer Erholung der Gewinne. Grund dafür sei auch, dass die Spezialchemie stärker und dauerhafter vom jüngsten Rückgang des Ölpreises profitiere.

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