Überkreuzbeteiligung
Babcock und Thyssen Krupp planen Werften-Kooperation

Babcock Borsig und Thyssen Krupp wollen im Schiffbau enger zusammenarbeiten und damit den Grundstein für eine europäische Werftenlösung legen. Noch im Laufe dieses Jahres solle in einem ersten Schritt eine Überkreuzbeteiligung zwischen den Werften-Gruppen beider Unternehmen erfolgen.

Reuters DÜSSELDORF. Die Konzerne Thyssen Krupp AGund Babcock Borsig AG wollen im Werftengeschäft kooperieren und die Zusammenarbeit durch eine Überkreuzbeteiligung festigen. Beide Unternehmen teilten am Donnerstag mit, sie hätten eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Vorgesehen sei, dass sich die Thyssen Krupp - Tochter Thyssen Krupp Technologies mit 7,5 % an Babcocks Howaldswerke Deutsche Werft AG (HDW) beteilige und Babock in gleicher Höhe Anteile an der Thyssen Krupp Werften GmbH erwerbe. Die gegenseitige Kapitalbeteiligung soll den Angaben zufolge im nächsten Jahr auf jeweils 15 Prozent verdoppelt werden.

Die Überkreuzbeteiligung bedeute für HDW wie auch für die zu Thyssen Krupp gehörenden Werften Blohm + Voss und Thyssen Nordseewerke einen wichtigen Schritt zur Harmonisierung und Bündelung ihrer technologischen Fähigkeiten, teilten beide Unternehmen in gleich lautenden Presseerklärungen mit. Ein Sprecher von Thyssen Krupp konkretisierte, man werde auf jeden Fall besser planen können und strebe eine vertiefte Arbeitsteilung auch im Handelsschiffbau an. Im Marineschiffbau besteht seit den 1980-er Jahren eine Kooperation. Danach sind Blohm + Voss in Hamburg und die Emdener Nordseewerke Konsortialführer bei Aufträgen für Fregatten und Korvetten, HDW ist Seniorpartner bei U-Booten.

Früher oder später auch völlige Zusammenlegung

Die vorgesehene Überkreuzbeteiligung könnte nach Angaben des Thyssen Krupp-Sprechers früher oder später auch in die völlige Zusammenlegung des Werftengeschäfts beider Industriekonzerne münden. "Die Frage wird dann die der industriellen Führung sein", sagte er. Über eine Kooperation bis hin zu einer möglichen Zusammenlegung der früher zum Preussag-Konzern gehörenden HDW und der beiden früheren Thyssen-Werften hatten die Unternehmen in der Vergangenheit immer wieder verhandelt. Von Thyssen-Seite hatte deren Vorstand Eckhard Rohkamm die Gründung eines neuen Unternehmens vorgeschlagen, an dem die Werften-Eigner Anteile in Höhe des Werts ihrer Anlagen bekommen sollten. Eine Führungsrolle hatte Thyssen damals nicht unbedingt haben wollen.

Rohkamm, der inzwischen als Vorstand bei Thyssen Krupp für das Werftengeschäft zuständig ist, hatte vor kurzem erklärt, im Falle einer weiteren Kooperation mit der Kieler HDW sei die Schließung von Standorten nicht vorgesehen. Entsprechende von der Belegschaft vorgebrachten Befürchtungen seien daher unbegründet. Tatsächlich sind nach Unternehmensangaben alle Standorte ausgelastet. Der Auftragsbestand von 3,1 Mrd. Euro bei den Thyssen Krupp-Werften garantiert nach Unternehmensangaben Vollbeschäftigung bis 2006. HDW verfügt nach eigenen Angaben über einen Auftragsbestand von 5,5 Mrd. Euro, der die volle Auslastung zumindest des Marineschiffbaus ebenfalls bis 2006 garantiere.

Durch die geplante Überkreuzbeteiligung wolle sich Babcock nicht in eine Minderheitsposition bei HDW bringen, sagte ein Konzernsprecher. Babcock hält aktuell 50 % plus eine Aktie an der Kieler Werft. "Deshalb ist klar, dass die zu tauschenden 7,5 % nicht von uns kommen", sagte er. Neben Babcock ist an HDW noch die Preussag AG mit knapp 25 % und die schwedische Industrieholding Celsius mit dem Restanteil beteiligt.

Mit der angekündigten engeren Kooperation reagieren Thyssen Krupp und Babcock Borsig erklärtermaßen auf einen Appell des Bundeskanzlers. Gerhard Schröder (SPD) hatte im Herbst die deutschen Rüstungsunternehmen zu firmen- und länderübergreifenden Kooperationen aufgefordert. Thyssen Krupp und Babcock erklärten, sie legten den Grundstein für eine "europäische Werftenlösung".

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