"Überlange Arbeitszeiten"
Krankenhäuser warnen vor Zusammenbruch des Systems

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat vor einem "dramatischen Ärztemangel" gewarnt.

dpa BERLIN. Bundesweit fehlten 2 000 Klinikärzte. "Was wir sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs - wenn wir nicht umgehend handeln, ist ein Zusammenbrechen des Systems vorprogrammiert", sagte DKG-Präsident Burghard Rocke bei einem DKG- Forum am Dienstag in Berlin. Fast jedes zweite Krankenhaus könne nicht mehr alle Arztstellen besetzen. In den neuen Ländern seien es sogar 76 %.

Der Klinikärzteverband Marburger Bund (MB) wandte sich allerdings gegen "Green-Card-Regelung" für Ärzte. Diese werde nur gefordert, um die Bezahlung der Ärzte senken zu können. "Man sollte lieber die Arbeitsbedingungen hier verbessern, dann haben wir gar kein Problem mehr", sagte der MB-Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery im "InfoRadio Berlin-Brandenburg".

Die Ärzte litten vor allem an überlangen Arbeitszeiten. "Die durchschnittliche Arbeitszeit eines jungen Assistenzarztes beträgt 60 bis 80 Stunden in der Woche - und davon bekommt er 20 Stunden überhaupt nicht bezahlt. Dazu haben wir eine furchtbare Hierarchie mit befristeten Verträgen", sagte Montgomery.

Ausgabenbegrenzung habe zur Misere geführt

DKG-Präsident Rocke machte die seit den 90er Jahren geltende Ausgabenbegrenzung für die Misere verantwortlich. Als Folge bekämen die Krankenhäuser die Steigerungen der Tariflöhne der Beschäftigten nicht voll erstattet. Die Umsetzung des Urteils des Europäischen Gerichtshofes zu den Arbeitszeiten werde die Lage weiter verschärfen. Nach dem Urteil gelten die Bereitschaftsdienste der Ärzte als Arbeitszeit.

Laut Rocke müssten die Krankenhäuser 27 000 Ärzte und 14 000 Beschäftigte zusätzlich einstellen, um das Urteil umzusetzen. Dies führe zu Mehrkosten von 1,7 Mrd. Euro jährlich. Zudem gebe der Arbeitsmarkt eine solche Zahl von Neueinstellungen nicht her. Dies bestritt Montgomery. Er sprach von 15 000 benötigten Ärzten, die vorhanden seien.

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