Überleben in konjunkturellen Flautezeiten – Erwachen in der wirtschaftlichen Blüte
Rio Tinto – Ein Spielball der Konjunktur

Rohstoffaktien - Nein danke! Für so manchen deutschen Anleger sind Aktien von sich mit Rohstoffen beschäftigenden Unternehmen völlig ohne Reiz. Doch das Bild täuscht.

FRANKFURT/M. In einem Land, das selbst über eine nur unzureichende eigene Rohstoffbasis verfügt, ist das Interesse und das Wissen über Basismaterialien traditionell nur gering ausgeprägt. Und dabei ist Deutschland wie wohl kaum ein anderes Industrieland auf dem Globus auf den Import von Rohstoffen angewiesen, will es seine nicht unbedeutende Stellung in der Weltwirtschaft erhalten.

Zugegeben: Mit den meisten Rohstoffen war für Anleger in den vergangenen beiden Dekaden kein Reibach zu machen. Gold und Silber sind nach langer und steiler Preistalfahrt erst jüngst wieder etwas stärker ins Rampenlicht gerückt. Die Preise für Nichteisenmetalle (NE-Metalle) wie Kupfer, Aluminium und Blei sind im vergangenen Jahrzehnt sogar gesunken. Wenn Deutschlands Wirtschaft beim Thema Rohstoffe aufschreckt, dann liegen die Ursachen in der Regel in Krisensignalen, die vom internationalen Ölmarkt kamen.

Doch das Bild täuscht: Rohstoffaktien haben sehr wohl ihren Reiz. Während der Internet-Hysterie wurden diese Titel völlig ignoriert. Während des dann folgenden Platzens der High-Tech-Blase profitierten einige Rohstofftitel (vor allem Goldwerte) vom zunehmenden Substanzwertdenken der Börsen. Wegen des fehlenden Bezugs zu Rohstoffen verpassten die meisten deutschen Anleger diesen Zug allerdings. Für dieses Desinteresse gab und gibt es gute Gründe: Auch weil sich die Analyse von Preisbestimmungsfaktoren bei Rohstoffen wesentlich schwieriger gestaltet als bei Aktien, kann nicht überraschen, dass die deutsche Fangemeinde der Rohstoffaktien überschaubar ist. Hinzu kommt, dass Anleger in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Aktien von Gesellschaften machten, deren Geschäft auf einzelne Rohstoffe konzentriert war.

Rio Tinto - Rohstoff-Supermarkt mit Polster

Mehr Sinn machen daher Investments in Aktien von Minenhäusern wie Rio Tinto plc, mit denen der Anleger eine breite Rohstoff-Palette abdeckt. Der britisch-australische "Rohstoff-Supermarkt" verfügt über riesige Vorkommen vor allem auf dem amerikanischen und australischen Kontinent. Rio Tinto fördert Rohstoffe wie Eisenerz, Kupfer, Aluminium, Titan, Gold, Diamanten, Kohle und Uran sowie zahlreiche andere Nebenmetalle.

Im ersten Halbjahr 2002 hat das Unternehmen die Anleger leicht enttäuscht. Wegen weiter rückläufiger Rohstoffpreise, der nur geringen Nachfrage nach NE-Metallen und einem im Vergleich zum US-Dollar festeren Aussie-Dollar fiel der Nettogewinn um 17 % auf 702 Mill. US-Dollar. Die Nachfrage nach Buntmetallen habe zuletzt auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als zwei Jahrzehnten gelegen, heißt es.

Trifft es zu, dass sich die Preise industriell genutzter Rohstoffe (Metalle und Energie) an der Konjunktur orientieren, ist bei einem Ende des ökonomischen Tiefs in der Welt mit höheren Commodity-Preisen zu rechnen. Dies wiederum würde positive Ertragserwartungen für die hier tätigen Unternehmen nach sich ziehen und die Kursphantasie der entsprechenden Aktien anheizen. Rio Tinto dürfte hiervon überdurchschnittlich profitieren.

Exakt hier liegt jedoch das Risiko. "Die wirtschaftliche Lage in den USA ist derzeit nicht ermutigend", dämpft Vorstandschef Leigh Clifford die Hoffnungen auf eine rasche Wende der Weltkonjunktur. Für das Wohl und Wehe von Rio Tinto plc ist die Konjunkturwende in den USA jedoch unbedingte Voraussetzung, um höhere Erträge erzielen zu können. Eine anhaltend rezessive Phase der Weltwirtschaft dürfte das international tätige Minenhaus auch durch positive Effekte von vier noch in diesem und im nächsten Jahr neu in Produktion gehenden Minenprojekten (Eisenerz, Kupfer, Diamanten und Kohle) nicht ausgleichen können.

Auch wenn Anleger begriffen haben, dass die moderne Wirtschaft - gerade auch die moderne Telekommunikation - ohne Rohstoffe nicht machbar ist, bleibt die Aktie von Rio Tinto ein Spielball der Konjunktur.

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