Überlebenskampf der US-Airlines könnte Flugverkehr weltweit ändern
Luftfahrt-Industrie steht vor fundamentalem Wandel

Die finanzielle Gesundung der schwer angeschlagenen US-Luftfahrtindustrie soll vor allem durch eine völlige Neuorganisation der Flugpläne erreicht werden. Branchenexperten erwartet eine völlige Restrukturierung des Flugverkehrs.

HB/dpa FORT WORTH. Im Kampf der schwer angeschlagenen US- Luftfahrtindustrie ums Überleben hat die weltgrößte Fluggesellschaft American Airlines gerade umfangreiche Strukturänderungen angekündigt. Die Gesellschaft will 7 000 der 110 000 Stellen streichen und 83 Passagier-Jets verkaufen. Doch soll die finanzielle Gesundung vor allem durch eine völlige Neuorganisation der Flugpläne erreicht werden. Der Trend könnte Schule machen, meinen Branchenexperten, und die Organisation des Flugverkehrs weltweit völlig umkrempeln. American-Chef Donald Carty sprach bereits von einem "notwendigen fundamentalen Wandel in der Luftfahrt-Industrie".

Nach US-Beispiel schleusen inzwischen fast alle großen Airlines weltweit ihre Fluggäste durch ein paar wenige "Hubs", ihre großen Heimatflughäfen, bei denen die Zubringerflüge wie Radspeichen zusammenkommen. Die Hubs werden bleiben, aber die Flüge sollen nicht mehr alle in Stoßzeiten abgefertigt, sondern über den ganzen Tag verteilt werden. Die Fluggesellschaft spart damit Personal und Flugsteige. Allerdings auf Kosten von Fluggästen, die es eilig haben: gut möglich, das sie stundenlang auf Anschlüsse warten müssen.

Bei einem Versuch auf dem O'Hare Flughafen in Chicago sparte American im vergangenen Jahr mehrere Jets und 5 Prozent Personal ein. Das neue System auf dem Heimatflughafen Dallas/Fort Worth soll nach Angaben von Finanzchef Jeffrey Campbell elf Flugzeuge und langfristige Kapitalausgaben von 1,3 Mrd. $ sparen.

Eine bessere Verteilung der Starts und Landungen über den Tag reduziert auch die teure und ärgerliche Drängelei um Start- und Landeslots. Die Fluglotsen begrüßen die angekündigten Maßnahmen. Eine Entzerrung der Flugpläne dürfte auch die gefürchteten und oft gefährlichen Stoßzeiten in der Luft reduzieren.

Weil viele Unternehmen den Gürtel merklich enger geschnallt haben, will American zudem die 1. Klasse auf den Strecken nach Europa und Lateinamerika abschaffen. Auch von den Billig-Airlines, die den großen Marken in vergangenen Jahren jede Menge Kunden abgejagt haben, will American lernen: so soll die ganze Flotte vereinheitlicht werden, um Kosten bei Wartung und Pilotentraining einzusparen.

Die neuen Strukturpläne von American Airlines werden bei Fluggesellschaften in aller Welt mit größtem Interesse beobachtet. Sie könnten Modell für eine Ummodelung der ganzen Branche sein, meinen Luftfahrtexperten. Fast niemand ist bei Terrorangst und Billigkonkurrenz sowie dem neuen Preisbewusstsein der Kunden ungeschoren davon gekommen.

American Airlines hofft, dass die Fluggäste die Neuerungen ohne Murren hinnehmen. Eine Gruppe jedenfalls freut sich bereits: Die Eigentümer und Pächter der Shops, Kioske und Schnellrestaurants auf den Airports. Sie versprechen sich von den längeren Umsteigezeiten der Reisenden größere Umsätze. Hilfreich ist dabei natürlich auch der Trend, dass Airlines während der Flüge aus Kostengründen immer weniger Mahlzeiten und Snacks servieren.

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