"Übermächtigen Gegner bezwungen"
Bruderduell: Michael besiegt braven Ralf

Michael Schumacher gewann nach dem Triumph im knappsten Bruderduell der Formel-1-Geschichte auch den Zweikampf um den schnellsten Heimflug gegen den braven Ralf. Noch am frühen Abend startete "Schumi I" von Sao Paulo mit seinem Privatflieger direkt in die Schweiz durch, während "Schumi II" mit der Varig-Linienmaschine einen Umweg über Frankfurt nach Salzburg machen musste.

sid SAO PAULO. Statt großer Siegesfeiern hatte das schnellste Brüderpaar der Welt mehr Lust auf ein verspätetes Ostereiersuchen mit den Kindern. Zurück blieb ein frustrierter Juan Montoya, der dem Sieger nach einem spannenden Startduell mit erneuter Kollision Vorwürfe machte: "Michael ist unfair, ich hätte gewinnen können."

Dem so Gescholtenen war das egal. "Ich freue mich wahnsinnig auf meine Familie. Aber ich freue mich auch darüber, dass wir einen übermächtig erscheinenden Gegner dank unseres neuen Autos und neuer Bridgestone-Reifen bezwungen haben. Dieser Sieg war unerwartet und sehr wichtig für die WM", meinte Michael Schumacher und spielte das Bruderduell herunter: "Ich bin mehr gefahren, als dass ich gegen Ralf gekämpft habe."

Mit nur 0,588 Sekunden Vorsprung raste er bei der Renn-Premiere des neuen Ferrari F2002 vor Bruder Ralf im Williams-BMW zu seinem 55. Grand-Prix-Sieg – und Fußball-Idol Pele vergaß vor Schreck die schwarz-weiß karierte Flagge zu schwenken. Michael Schumacher störte das wenig, schließlich baute er in der WM-Wertung mit 24 Punkten die Führung vor seinem Bruder (16) und dessen Teamkollegen Montoya (14) aus. Vor dem Ferrari-Heimrennen am 14. April in Imola liegt Michael Schumacher ganz klar auf Kurs zum historischen fünften WM-Titel.

Ralf Schumacher fuhr zwar die letzten 20 Runden bis zum Finish im Windschatten des Bruders, riskierte aber keinen Überholversuch. "Ich war nie in der Position, Michael angreifen zu können. Er hat keinen Fehler gemacht. Der neue Ferrari ist wirklich besser, aber beim nächsten Rennen in Imola versuche ich es wieder", meinte der 26-Jährige. Dann verabschiedete er sich, um für Söhnchen David die Ostereier zu verstecken: "Darauf habe ich mich schon die ganze Woche gefreut. Ich habe jetzt frei und werde auch nicht in Valencia testen." Auch Michael Schumacher war nach dem 100. Podestplatz seiner Karriere ganz auf seine Kinder Nick und Gina-Maria eingestellt.

Alle "Nicht-Schumis" waren beim dritten Bruder-Doppelsieg der Historie – am 10. Juni 2001 in Montreal hatte Ralf triumphiert, am 1. Juli 2001 in Magny-Cours Michael – chancenlos. Rang drei ging mit 59,108 Sekunden Rückstand an den fast überrundeten David Coulthard im McLaren-Mercedes. Der Schotte, Vorjahresgewinner in Sao Paulo, durfte sich damit nach zwei Ausfällen immerhin über seine ersten WM-Punkte in dieser Saison freuen.

Eine Vorentscheidung war schon in der ersten Runde gefallen. Michael Schumacher überholte den aus der Pole Position gestarteten Montoya in der zweiten Kurve. Wenige Sekunden später kollidierte der heißblütige Kolumbianer mit dem Heck des Deutschen und büßte den Frontflügel seines Autos ein. Die Aufholjagd nach dem Zwangsstopp brachte Montoya noch Rang fünf.

Der Frust war groß, und Schuld war seiner Meinung nach Michael Schumacher. "Ich habe gedacht, Michael ist ein fairer Gegner, aber er ist es definitiv nicht. Ich habe ihm in den ersten beiden Kurven Platz gelassen, aber er hat mir dann die Tür zugemacht und zu früh gebremst", schimpfte Montoya. Der Weltmeister war sich nach der erneuten Kollision mit seinem "Lieblingsfeind" nur 14 Tage nach Malaysia keiner Schuld bewusst: "Die Rennkommissare waren der Meinung, dass da nichts zu tun sei."

Ralf Schumacher zu brav für den WM-Titel und Montoya zu wild? Die Führung in der Konstrukteurswertung (30 Punkte) vor Ferrari (24) war für BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger ein schwacher Trost: "Ich kann mich über Platz zwei nicht so richtig freuen. In der Fahrer-WM spielt nach diesem Rennen alles sehr für den Michael."

Vorzeitig aufgeben mussten die Mönchengladbacher Heinz-Harald Frentzen im Arrows (Bruch der Radaufhängung) und Sauber-Pilot Nick Heidfeld (Bremsprobleme). "Ich ärgere mich sehr, weil es bis zum Ausfall ein gutes Rennen war. Wir haben noch viel Arbeit", meinte Frentzen. Heidfeld fiel zehn Runden vor Schluss aus: "Mit etwas mehr Glück hätten wir in die Punkte fahren können. Erst hatte ich im Warmup den Unfall mit dem Medical Car und im Rennen war dann eine Schraube im Bremssystem locker."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%