Übermäßiger Prüfungsstress ist nicht erlaubt
Arbeitgeber darf Wissen der Mitarbeiter abfragen

Damit konkrete Arbeitsanweisungen und Anforderungsprofile von den Mitarbeitern auch wirklich verinnerlicht werden, steht dem Arbeitgeber ein effektives Druckmittel zur Verfügung: die Wissensprüfung aller Mitarbeiter.

HB BRÜHL. Nach einem Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Berlin darf der Arbeitgeber dabei allerdings nicht unnötigen Prüfungsstress verbreiten. Einzelne Mitarbeiter seien dann von den Lernkontrollen zu befreien, wenn sich deren Leistungsstand auch durch weniger einschneidende Maßnahmen ermitteln lässt, fordern die Berliner Richter.

In dem entschiedenen Fall hatte der Arbeitgeber eines Baumarkts allen Verkäufern einen Fragen-Antworten-Katalog mit der Anweisung ausgehändigt, sich die Inhalte anzueignen und danach in den Verkaufsgesprächen umzusetzen. Die Arbeitsunterlagen enthielten zehn häufig gestellte Kundenfragen, deren Beantwortung vereinheitlicht werden sollte.

Um zu überprüfen, ob die Mitarbeiter die Gesprächsinhalte auch wirklich auswendig gelernt hatten, ließ der Arbeitgeber Lernkontrollen durchführen. Ein langjähriger Fachverkäufer weigerte sich allerdings, an den Prüfungsgesprächen teilzunehmen. Deshalb mahnte ihn der Arbeitgeber insgesamt drei Mal ab. Der Arbeitnehmer, der drei Monate nach der Arbeitsanweisung in Altersteilzeit gehen sollte, klagte.

Auch das LAG Berlin sah keine sachliche Notwendigkeit, dem Mitarbeiter, der über Jahre hinweg beanstandungsfrei gearbeitet hatte, eine theoretische Wissensprüfung abzuverlangen. Der Arbeitgeber hätte ebenso gut auch einen Testkäufer einsetzen können, um den Leistungsstand des Mitarbeiters zu überprüfen, meinte das Gericht.

Aktenzeichen LAG Berlin: 3 Sa 2286/02

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