Übermenschliche Stärke gezeigt
"Time" wählt Giuliani zur Person des Jahres 2001

Das US-Nachrichtenmagazin "Time" hat den New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani für seinen Mut und seine Führungskraft nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York zur Person des Jahres 2001 gewählt. Dieses Mal habe der 11. September zuletzt das Jahr bestimmt, sagte "Time"-Geschäftsführer Jim Kelly am Sonntag.

Reuters NEW YORK. Giuliani habe in den kritischen Stunden unmittelbar nach den Anschlägen auf außergewöhnliche Art die emotionale Führung übernommen. Am 31. Dezember endet Giulianis Amtszeit nach acht Jahren als Bürgermeister von New York. Seine Nachfolge tritt der Anfang November gewählte Michael Bloomberg an.

Das Magazin habe sich wegen seines Mutes am und nach dem 11. September für Giuliani entschieden, aber auch weil er in einer Zeit, in der das ganze Land einer Prüfung unterzogen worden sei, übermenschliche Stärke entwickelt habe, sagte Kelly. Am 11. September hatten Luftpiraten zwei entführte Passagierflugzeuge in die beiden Türme des World Trade Center in New York gelenkt. Die Zwillingstürme stürzten daraufhin ein und begruben Tausende von Menschen unter sich. Giuliani nahm an über 200 Begräbnissen und Totenwachen teil. Giuliani sagte, er fühle sich geehrt, zur Person des Jahres gewählt worden zu sein. Mit seiner Wahl seien die Bemühungen aller New Yorker, darunter Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungskräfte, am 11. September ausgezeichnet worden. "Ich glaube nicht, dass ich zur Person des Jahres gewählt worden bin", sagte Giuliani. "Die Menschen von New York sind zu den Menschen des Jahres gewählt worden."

In einem Interview der "BBC" sagte Giuliani, er rechne mit weiteren Anschlägen in New York. Es werde jedoch alles dafür getan, dass die Pläne von Attentätern rechtzeitig aufgedeckt würden.

Giuliani hatte sich bereits während seiner Amtszeit als Bürgermeister wegen der Bekämpfung von Kriminalität einen Namen gemacht. Vergangenes Jahr hatte sich Giuliani wegen Prostata-Krebs aus dem Wahlkampf um einen Senatsposten zurückgezogen. Nach dem Anschlag auf New York habe Giuliani Tapferkeit und Empfindsamkeit gezeigt, schrieb "Time"-Reporterin Nancy Gibbs zur Begründung der Wahl Giulianis in der Ausgabe des Magazins, die am Montag erscheint. Er sei ein Bürgermeister der Welt.

Seit 1925 wählt das Magazin zum Jahresende eine Person des Jahres. "Die Person, die sich im Guten oder im Schlechten auf Nachrichten oder unser Leben in diesem Jahr ausgewirkt hat," sollte "Time"-Gründer Henry Luce zufolge den Titel erhalten. 1939 und 1942 beispielsweise fiel die Wahl auf den sowjetischen Staatschef Josef Stalin. 1938 wählte das Magazin den deutschen Diktator Adolf Hitler zur Person des Jahres.

Dieses Jahr stand neben Giuliani unter anderem der moslemische Extremist Osama bin Laden zur Wahl. Die USA machen Bin Laden für die Anschläge in den USA verantwortlich. Doch das Magazin habe sich letztendlich gegen Bin Laden entschieden, sagte Kelly. "Wir haben es hier sicherlich mit einem bösen Menschen zu tun, aber nicht mit einer Person, die es verdient, die Weltbühne mit einem Mann wie Stalin oder Hitler zu teilen, nicht einmal mit Chomeini." Das iranische Oberhaupt Ajatollah Chomeini war 1979 von "Time" zur Person des Jahres gewählt worden.

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