Übernahme-Angebot von BNP
WestLB sieht Consors-Kursziel bei 18 Euro

Die von der SchmidtBank gehaltenen Consors-Anteile gehen an die BNP-Paribas-Tochter Cortal, die freien Aktionäre werden abgefunden. Doch noch ist Phantasie in dem Nemax-50-Titel. Wie Anleger und Bank-Kunden jetzt reagieren sollten.

Lediglich 12,40 Euro sollen die freien Consors-Aktionäre von der französischen Großbank BNP Paribas erhalten. Damit liegt der Preis leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen drei Monate. Weil wohl viele Anteilsinhaber mit einer höheren Abfindung im Falle der Übernahme gerechnet hatten, reagierte die Börse zunächst enttäuscht. Am Dienstag notierte die Aktie sieben Cent unter dem Vortagesschluss bei nunmehr 12,28 Euro.

An diesem Kursniveau könnte sich jedoch noch einiges ändern. Denn ein großer Teil des frei handelbaren Aktienvolumens von Consors liegt in den Händen institutioneller Investoren. Und diese müssen, ebenso wie die Kleinaktionäre, in den kommenden Wochen über das Abfindungsangebot nachdenken. Die Düsseldorfer WestLB spekuliert bereits laut, dass die Prämie auf den durchschnittlichen Aktienkurs von lediglich sieben Prozent als unzureichend erachtet werden könnte. Sollte der gesamte Aktienmarkt in den kommenden vier Wochen anziehen, müsste das Angebot nachgebessert werden. Die WestLB nennt für diesen Fall ein Kursziel über 18 Euro. Außerdem könnten einige Aktionäre versuchen, vor Gericht einen höheren Preis zu erstreiten, wie dies bei der Übernahme von Selftrade durch die DAB Bank geschehen sei. Die DAB Bank verbesserte damals ihr Angebot.

Noch ist allerdings nicht geklärt, ob BNP die Börsennotiz von Consors nach der Übernahme überhaupt weiterführen wird. Wenn es den Franzosen gelingt, mehr als 95 Prozent des Aktienkapitals unter Kontrolle zu bringen, könnte es auch zu einem "Squeeze Out" kommen. Dabei werden die zum Schluss verbliebenen Restaktionäre mit einem (leicht) verbesserten Angebot "ausgekauft".

Darauf zu spekulieren, könnte gefährlich werden. Wenn BNP die nach derzeitigem Börsengesetz gültigen 95 Prozent verpasst, wird die Consors-Aktie im Börsenhandel kaum zu den attraktivsten, chancenreichsten Aktien gehören. Auch eine Verbannung aus dem Nemax50-Index dürfte folgen.
Das Übernahme-Angebot muss wohl oder übel von den Kleinaktionären angenommen werden, jedenfalls wenn die Börse weiter im Rückwärtsgang ist. Nicht zu vergessen: Wer die Aktie erst im Mai oder Juni 2001 zu Preisen über 20 Euro kaufte, kann sein Verluste steuerlich geltend machen, wenn die Spekulationsfrist noch nicht abgelaufen ist. Anleger, die Consors-Aktien bereits seit Sommer 2000 halten - damals kostete eine Consors-Aktie noch mehr als 100 Euro - sind allerdings gekniffen.

Die Kunden des Discount-Brokers müssen sich am wenigsten sorgen. Mit der Übernahme wächst die BNP-Paribas-Broker-Tochter Cortal zum größten Online-Broker Europas heran. CortalConsors hat dann rund 1,2 Millionen Kunden und verwaltet rund 14 Milliarden Euro. Binnen drei Jahren wollen die Franzosen (gemeinsam mit Consors) das verwaltete Vermögen verdoppeln. Cortal und Consors sind in sieben europäischen Ländern vertreten.
Zur Disposition stehen könnten jedoch einige Geschäftsfelder von Consors. Bereits sicher scheint, dass sich BNP von der 53-prozentigen Consors-Beteiligung an der Berliner Effektengesellschaft trennt. Auch ConsorsCapital dürfte auf den Prüfstand der Franzosen kommen.
Die Kostenseite der Fusion, wo bis 2005 Synergien in Höhe von 38 Milliarden Euro gehoben werden sollen, sei bezeichnete der BNP-Vorstand am Dienstag als "eine Herausforderung". Die Kosten der Umstrukturierung von insgesamt 60 Millionen Euro sollen auf die Jahre 2002, 2003 und 2004 verteilt werden.

Die Analysten in den Finanzinstituten werteten die Übernahme unterschiedlich. Zwar werde BNP dadurch zu einem vernünftigen Preis eine starke Position am deutschen Markt erlangen. Doch dürfe beim Online Banking die schwache Entwicklung des Gesamtmarktes nicht aus den Augen verloren werden, hieß es. Die Experten von SES Research beurteilten die in Aussicht gestellten Synergien als realistisch. Experten von Nomura werteten die Übernahme indes wegen der unterschiedlichen Ausrichtung von Consors auf stark börsenhandelsaktive Kunden und Cortal auf Langfristanleger als riskanten Schritt.

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