Übernahme der Dresdner
Kommentar: Allianz geht ins Risiko

Großes Lob gab es gestern von den Aktionären für den Kurs der Allianz. Konzern-Chef Henning Schulte-Noelle baut den Münchener Versicherer durch die Übernahme der Dresdner Bank gezielt zu einem der größten Finanzdienstleister weltweit aus. Die Hoffnungen sind gewaltig: Allein das Geschäft mit Lebensversicherungen soll sich bis 2006 verdreifachen. Die Allianz baut darauf, sich zusammen mit der Dresdner ein großes Stück aus dem Altersvorsorge-Kuchen abschneiden zu können.

Doch bei aller Euphorie sollten die Aktionäre nicht übersehen, dass das Geschäft der neuen Allianz in Zukunft deutlich risikoträchtiger wird. Die Bank-Risiken, etwa im Kreditgeschäft, wie auch die Volatilität sind höher als die im traditionellen Assekuranz-Geschäft. Das bekommt die Allianz bereits zu spüren. Die momentane Flaute im weltweiten Bankgeschäft trifft auch die Dresdner Bank - und wird sich deshalb in der künftigen Allianz-Rechnung niederschlagen. Der Weg der Münchener Rück hat da mehr Charme. Der Versicherungsriese untermauert seine Allfinanz-Partnerschaft mit der Hypo-Vereinsbank mit einer Beteiligung von gut 25 %. Damit ist weniger Kapital gebunden, und das Risiko bleibt weitgehend bei der Bank.

Zudem sind Probleme bei der Integration der Dresdner in den Allianz - Konzern zu befürchten. Schulte-Noelle und sein Management weisen zwar viel Erfahrung und Erfolge bei der Eingliederung von Zukäufen auf. Die Kulturen der Frankfurter Banker und der Münchener Versicherer könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Auch wenn es die Allianz nicht gerne hört: Manche sehen die Dresdner-Übernahme als einen Notkauf. Nach den gescheiterten Fusionsversuchen war die Zukunft der Dresdner ungewiss. Schulte-Noelle machte aus der Not eine Tugend, fädelte einen cleveren Ringtausch mit der Münchener Rück ein und hat jetzt selbst das Sagen bei der Dresdner Bank.

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