Übernahme der niederländischen HGB durch spanische Dragados erwischt viele deutsche Konzerne zum falschen Zeitpunkt: Bau-Riese heizt Verdrängungswettbewerb an

Übernahme der niederländischen HGB durch spanische Dragados erwischt viele deutsche Konzerne zum falschen Zeitpunkt
Bau-Riese heizt Verdrängungswettbewerb an

Die Konzentration in der europäischen Bauindustrie hat neuen Schwung bekommen. Analysten gehen davon aus, dass die geplante Übernahme des niederländischen Bauspezialisten Holland?sche Beton Groep (HBG) durch die spanische Dragados-Gruppe eine Welle von Übernahmen in Gang setzen wird.

FRANKFURT. "Angesichts der schwierigen Situation in der europäischen Bauindustrie werden wir wohl weitere grenzüberschreitende Transaktionen sehen", glaubt Christiane Nestroy von der Hypo-Vereinsbank.

Viele deutsche Konzerne werden von dieser Entwicklung zu einem ungünstigen Zeitpunkt erwischt. Sie sind wie etwa Philipp Holzmann oder die Walter-Gruppe angesichts roter Zahlen gerade dabei, sich neu zu organisieren. Zudem fehlt häufig das Geld, um aktiv am Konzentrationsprozess teilnehmen zu können. "Die Kassenlage ist bei vielen Unternehmen angespannt. Da wird jeder Zukauf dreimal überlegt", sagt Nestroy von der Hypo-Vereinsbank.

Eine Ausnahme bildet allenfalls die Bilfinger Berger AG, Mannheim. Durch den Verkauf einer Beteiligung an der Dresdner Bank flossen dem Konzern 262 Mill. Euro zu. Hinzu kommt ein gut 500 Mill. Euro schweres Paket an Buderus-Aktien, dass der Baukonzern hält. Dennoch gehen Analysten nicht davon aus, dass Bilfinger in Kontinentaleuropa zu den Käufern zählen wird. Das Management ziele auf baunahe Bereiche (Projektentwicklung). "Dieser Markt ist in Westeuropa aber bereits durch die Großen der Branche wie etwa Vinci abgegrast", sagt Achim Henke von UBS Warburg: "Ich sehe zur Zeit in Kontinentaleuropa keine attraktiven Ziele für Bilfinger."

Daneben sprechen die Experten nur noch der Essener Hochtief AG eine aktive Rolle im Konzentrationsprozess zu. RWE will sich auf Dauer von ihrem rund 62-prozentigen Hochtief-Paket trennen. Auch hat Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel angekündigt, die Konzentration aktiv mitgestalten zu wollen.

Den übrigen Unternehmen wird wohl lediglich die Rolle des Beobachters bleiben. Denn selbst als Übernahmeobjekte kommen sie kaum in Frage. "Die Ausländer haben zur Zeit Angst vor der deutschen Baukonjunktur", sagt ein Bau-Manager. Das zeigt der Fall Holzmann. Zwar ist es dem Traditionskonzern gelungen, die Schulden von 2,76 Mrd. auf 1,46 Mrd. Euro zu reduzieren. Dennoch zieht sich die Suche nach einem Partner seit Monaten hin.

Dabei haben die deutschen Baukonzerne insgesamt noch immer eine recht gute Position in Europa. So steht Hochtief nach Erhebungen des französischen Bau-Interessenverbandes "Le Groupe Moniteur" auf Platz drei hinter Vinci und Bouygues (beide Frankreich). Zusammen mit HBG würde Dragados auf Platz fünf vorrücken. Erklärtes Ziel der Spanier ist mindestens Platz drei. Damit würde neben Hochtief auch Holzmann (Platz 7) nach unten rutschen.

Zwar haben sich die deutschen Anbieter im hochwertigen Ingenieurbau und in Nischen eine führende Position aufgebaut; Hochtief etwa im Bereich Flughafen-Bau und Bilfinger bei großen Verkehrsprojekten. Doch dürfte der Gegenwind durch grenzüberschreitende Fusionen nach dem Vorbild Dragados stärker werden. Mit HGB hätten die Spanier über deren Tochter Wayss & Freytag den deutschen Markt vor Augen. Wayss & Freytag mischt trotz Schwierigkeiten und roter Zahlen im Ingenieurbau mit.

Bereits heute ist die Dragados-Gruppe ein ernst zu nehmender Konkurrent. So haben die Spanier Hochtief in Chile im Wettbewerb um einen Auftrag für Bau und Betrieb eines Teilstücks der Ringautobahn um Santiago gepiesackt. Jetzt bauen beide Konzerne das Teilstück gemeinsam.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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