Übernahme des Bertelsmann-Anteils an AOL Europe bestätigt
AOL Time Warner korrigiert Prognose

Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner rechnet für das laufende Jahr nun mit einem Gewinnwachstum von acht bis zwölf Prozent, nachdem er vor vier Monaten ein zweistelliges Wachstum prognostiziert hatte.

rtr LONDON/NEW YORK. Im ersten Quartal werde das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Amortisation und Abschreibungen (Ebitda) aber wegen der anhaltend schwachen Weltkonjunktur zunächst nahezu unverändert bleiben, teilte das US-Unternehmen am Montag mit. Analysten waren zuletzt von einem Ebitda-Zuwachs für 2002 im niedrigen zweistelligen Bereich ausgegangen und hatten auch einen einstelligen Zuwachs nicht ausgeschlossen. AOL Time Warner bestätigte zudem, Bertelsmann für dessen 49,5-prozentigen Anteil an AOL Europe 6,75 Mrd. Dollar in zwei Tranchen in bar und nicht in Aktien zahlen zu wollen.

AOL Time Warner-Vorstandschef Gerald Levin sagte bei einer Telefonkonferenz mit Analysten, das Unternehmen nehme in Reaktion auf die eingetrübte Wirtschaftslage und die schwache Verfassung des Werbemarktes eine "konservativere Haltung" ein. "Wir waren selbstverständlich nicht immun gegen den breiten Wirtschaftsabschwung", sagte Levin und räumte ein: "Unsere Gesamtjahresprognosen waren zu hoch." Das Ebitda sei im vierten Quartal 2001 voraussichtlich um rund 14 % auf mehr als 2,7 Mrd. Dollar gestiegen, der Umsatz sei dabei mit 10,5 Mrd. Dollar um rund drei Prozent höher ausgefallen. Die Schwachstelle 2001 sei der Geschäftsbereich Werbung mit einem Rückgang von drei Prozent gewesen

.

Für 2002 gehe das Unternehmen noch nicht von einer Konjunkturerholung aus. Beim Umsatz erwartet der US-Konzern für 2002 ein Plus von fünf bis acht Prozent. Zudem wird AOL Time Warner den Angaben nach im ersten Quartal 2002 eine Sonderbelastung in Höhe von bis zu 60 Mrd. Dollar in Folge der Umstellung auf neue Bilanzierungsregeln ausweisen. Die Aktien von AOL Time Warner legten nachbörslich auf der Instinet-Handelsplattform auf 33,3 Dollar zu nach einem Schlusskurs am Montag von 32,68 Dollar. Im Juni hatte der Titel noch ein Jahreshoch bei 58,50 Dollar markiert.

AOL Time Warner bestätigte zugleich Informationen aus unternehmensnahen Kreisen über den geplanten Kauf des Bertelsmann-Anteils an AOL Europe. In einer ersten Tranche wird das US-Unternehmen den Angaben zufolge am 31. Januar 80 % des Anteils für 5,3 Mrd. Dollar in bar erwerben. Die restlichen 20 % werde AOL Time Warner im Juli für 1,45 Mrd. Dollar ebenfalls in bar von Bertelsmann kaufen. Nach der Vereinbarung zwischen den beiden Medienkonzernen muss AOL Time Warner seinem deutschen Konkurrenten 2,5 Mrd. Dollar bar bezahlen, könnte den Rest aber auch in Aktien begleichen. Viele Analysten hatten erwartet, dass AOL Time Warner sich für eine Mischung aus Bar- und Aktienzahlung entscheiden würde. Zuvor hatte es aber bereits in den Kreisen geheißen, die Aktien von AOL seien weiter unter Druck, und es gebe reichlich Volatilität, weshalb sich AOL Time Warner zu der Barzahlung entschieden habe.

Bertelsmann war zu Beginn des Internet-Booms bei AOL Europe eingestiegen. Hintergrund der nun anstehenden Anteilsverkäufe ist die Fusion von AOL und Time Warner. Der Zusammenschluss war nur unter der Auflage genehmigt worden, dass der fusionierte Konzern seine Verbindungen zum Konkurrenten Bertelsmann lockert. Der Verkaufspreis wurde im Frühjahr 2000 ausgehandelt, als in der Internet-Branche noch Euphorie herrschte. AOL Time Warner ist nach der Vereinbarung verpflichtet, den gesamten Bertelsmann-Anteil von 49,5 % an AOL Europe zu übernehmen.

Ein auf Internet spezialisierter Analyst sagte, er rechne damit, dass AOL nach dem Ausstieg von Bertelsmann seine AOL Europe-Einheit mit weiteren Fusionen und Akquisitionen ausbauen werde. "Ich denke, AOL Europe wird sich für einen Börsengang rüsten. Dieser wird nicht sofort kommen, aber vielleicht in zwei Jahren", sagte der Analyst. AOL müsse sich aber vorher ein Vermögens-Portfolio aufbauen.

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