Übernahme durch Allianz war der Anfang vom Ende
Leonhard Fischer: Vom Star zum Opferlamm

Er war einer der Stars des Börsenbooms Ende der neunziger Jahre: Als Leonhard Fischer 1999 in den Vorstand der Dresdner Bank aufrückte, sahen viele Banker im Investmentgeschäft die Zukunft der Branche.

Reuters FRANKFURT. An den Kapitalmärkten und mit der Beratung bei Fusionen und Übernahmen waren jüngst noch gewaltige Erträge möglich, die das margenschwache Kreditgeschäft schon lange nicht mehr abwarf. Und der junge Fischer galt auf Grund seines beruflichen Werdegangs als der richtige Mann, um auch für die Dresdner Bank ein großes Stück von diesem Kuchen abzuschneiden.

Fischer, 1963 in Nordhorn geboren, begann seine Karriere bei J.P. Morgan. Nach Abschluss eines Trainee-Programms übernahm er schnell Führungsaufgaben bei der US-Investmentbank und wurde 1994 Managing Director in Deutschland.

Ein Jahr später wechselte Fischer, der in der extrovertierten und teilweise als schillernd bezeichneten Investmentbanker-Szene als außerordentlich zurückhaltend gilt, zur Dresdner Bank. Im Rahmen der Neuordnung der Führungsebene nach der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank erhielt Fischer im April 2000 die Verantwortung für den Unternehmensbereich Investmentbanking. In dieser Funktion übernahm er als Chief Executive Officer die Leitung der zur Dresdner gehörenden Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson.

Mit Fischers Amtsantritt gliederte die Dresdner Bank sämtliche Investmentbank-Aktivitäten in diese Einheit aus. 2001 kaufte die Bank für umgerechnet rund 1,3 Mrd. Euro das US-Investmenthaus Wasserstein Perella. Mit der auf Fusionen und Übernahmen spezialisierten Firma sollte das Investmentbanking der Dresdner Bank unter dem Namen Dresdner Kleinwort Wasserstein endgültig als internationaler Akteur positioniert werden.

Obwohl schon die Fusion von Deutscher und Dresdner Bank an der Frage über die Zukunft des Investmentbankings gescheitert war, begann der Niedergang der Sparte und damit auch der schwindende Einfluss des verantwortlichen Vorstands Fischer mit der Übernahme der Dersdner Bank durch die Allianz. Bereits kurz nach der Übernahme wurde darüber spekuliert, dass die Allianz Dresdner Kleinwort Wasserstein nicht zu den Kernaktivitäten des neuen Allfinanzkonzerns zähle. Als Lösung wurde zwischenzeitlich über einen Börsengang der Investmentbank nachgedacht.

Unter anderem durch den Kursverfall an den Aktienmärkten und das Zusammenbrechen des Geschäftes mit Börsengängen trug die zuletzt zum Unternehmensbereich Corporates & Markets gehörende Investmentbank einen wesentlichen Teil zu dem Milliardenverlust der Dresdner Bank bei, der auch das Ergebnis der Allianz deutlich belastete.

Die Allianz zog daher zuletzt die Zügel bei ihrer Banktochter deutlich an. Mit drastischen Stellenstreichungen versucht das Geldhaus seither die wegbrechenden Erträge zu kompensieren. Von dem Personalabbau besonders betroffen ist auch immer wieder Dresdner Kleinwort Wasserstein. Bis zum Schluss hatte Fischer seine Investmentbank verteidigt und die seit Monaten anhaltenden Spekulationen über ein geplantes Ausbluten von Dresdner Kleinwort oder gar eine Schließung immer wieder dementiert.

Zuletzt wurde der einstige Aufsteiger aber selbst immer stärker als Symbol des Misserfolgs seiner Investment-Einheit gesehen. Am Mittwoch hat Fischer den Aufsichtsrat der Dresdner Bank nun überraschend gebeten, ihn zum 31. Oktober von seinen Führungsämtern zu entbinden. Nach Experteneinschätzung hat die Führung des Allianz-Konzerns den Chef der verlustbringenden Einheit geopfert.

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