Übernahme durch Beko geplatzt: Grundig droht Insolvenz

Übernahme durch Beko geplatzt
Grundig droht Insolvenz

Nach der geplatzten Übernahme durch den türkischen Beko-Konzern droht dem überschuldeten Elektronikhersteller Grundig die Insolvenz. Beko gab am Montag in einer Mitteilung an die Istanbuler Börse überraschend bekannt, auf den Einstieg bei dem Nürnberger Traditionsunternehmen zu verzichten. Als Grund nannte eine Sprecherin unterschiedliche Preisvorstellungen.

HB/dpa NÜRNBERG/ISTANBUL. "Wir befürchten das Schlimmste", sagte Grundig- Betriebsratsvorsitzender Thomas Schwarz der dpa. Schwarz gehört auch dem Aufsichtsrat an. Es gehe nun darum, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. Grundig-Sprecher Holm Kilbert sagte, es sehe "nicht rosig" aus.

"Nach detaillierten Bewertungen ist beschlossen worden, die Aktien der Grundig AG nicht zu kaufen", hieß es in der Mitteilung von Beko an die Börse. Grundig war von den Türken zunächst nicht über die Absage unterrichtet worden. Für Montagnachmittag waren noch Gespräche zwischen Grundig und Beko in München angesetzt. Am Dienstag will der Grundig-Aufsichtsrat in München zusammentreten.

Beko hatte erst Anfang März eine Absichtserklärung für eine mehrheitliche Übernahme unterzeichnet. Zuvor waren die Verhandlungen zwischen Grundig und dem taiwanesischen Sampo-Konzern geplatzt. Beko Elektronik AS befindet sich überwiegend im Besitz von Koc, einem der größten Familien-Firmenkonglomerate der Türkei. Mit der Übernahme von Grundig hatte Beko seine Präsenz im deutschen und europäischen Markt ausbauen wollen.

Der verlustreiche Nürnberger Elektronik-Konzern war seit Sommer 2001 auf der Suche nach einem finanzstarken Partner. Mehrmals verlängerten die Banken die Kreditlinien. Für 2002 erwartete Grundig bei einem Umsatz von 1,2 Mrd. ? einen Verlust von 75 Mill. ?.

Noch Ende März hatten Firmenkreise davon gesprochen, dass in den Umschuldungsverhandlungen ein Durchbruch bevorstehe. Als neuer Kreditgeber wurde die Citibank-Gruppe genannt. Die Gespräche waren auf Vermittlung der Beko-Gruppe zu Stande gekommen. Ein Teil der Alt- Banken sollte ausgezahlt werden.

Grundig beschäftigt noch rund 2800 Mitarbeiter, davon 1300 in Deutschland. Hinzu kommen rund 1000 Beschäftigte im Fernsehgerätewerk Wien, das an den österreichischen Industriellen Mirko Kovats verkauft werden sollte. Diese Übernahme war wiederum im Zuge der Beko - Verhandlungen geplatzt. Die Zukunft des Werks ist unklar. Zwischen Grundig und Beko besteht seit November 2001 ein Vertrag, der die Lieferung von bis zu 500 000 Farbfernsehgeräten an Grundig vorsieht. Zudem wickelt Grundig Service- und Garantiefragen für Beko in Europa ab.

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