Übernahme geplant: Eurofins liebäugelt mit Genescan

Übernahme geplant
Eurofins liebäugelt mit Genescan

Das am Neuen Markt gelistete Bioanalytikunternehmen Eurofins Scientific will die Freiburger Biotechfirma Genescan Europe AG übernehmen.

Reuters FRANKFURT. Beide Unternehmen hätten eine Vereinbarung zur freundlichen Übernahme von Genescan unterzeichnet, teilten Eurofins und Genescan am Montag mit. Eurofins werde den Genescan-Aktionären 1,10 Euro pro Aktie bieten, was einem Aufschlag von nahezu 50 Prozent auf den Schlusskurs der Genescan-Aktie vom Freitag entspreche. Analysten bezeichneten die Übernahme als strategisch sinnvoll und schlossen nicht aus, dass in diesem Jahr eine Reihe Aufkäufe kleinerer deutscher Biotechfirmen folge. Die Aktien von Genescan schossen zeitweise mehr als 48 Prozent in die Höhe und erreichten den Angebotspreis von 1,10 Euro.

Genescan betrachte den Angebotspreis als fair und angemessen, teilte die Freiburger Firma mit. Die Anzahl der GeneScan-Aktien belaufe sich auf 6,8 Millionen Stücke. Danach ergibt sich nach Angaben von Eurofins-Finanzchef Matthias-Wilbur Weber ein maximaler Kaufpreis von rund 7,5 Millionen Euro. "Wir werden das voraussichtlich aus unserem Cash-Bestand zahlen", sagte er Reuters.

Der einst am Neuen Markt gelistete Biotech-Dienstleister Genescan hatte seit Sommer 2002 einen Partner oder Käufer gesucht. Das Unternehmen hatte zum Halbjahr Verluste von rund 11 Millionen Euro verbucht und damit bereits die für das Jahr angepeilte Marke von acht Millionen Euro Verlust überschritten. Genescan plane Restrukturierungen und die Entlassung von 80 Mitarbeiter am Standort Freiburg, sagte eine Unternehmenssprecherin. Zudem würden die auf Biochips basierenden Dienstleistungen für die medizinische Diagnostik und die Toxikologie beschränkt.

Neben Biochips bietet Genescan auch Auftragsanalysen zum Nachweis gentechnisch veränderter Organismen in Lebensmitteln (GMO) an. Diese so genannte Agrofood-Sparte sei der Haupttreiber für die Übernahme gewesen, sagte Eurofins-Finanzchef Weber. Beide Unternehmen erwarteten weit reichende Synergien aus dem Zusammenschluss, da Eurofins seine Analyse-Dienstleistungen für Lebensmittel ausbauen will. Weber zufolge plant Eurofins weitere Übernahmen, wenn sie strategisch und preislich passen.

Die Übernahme von Genescan mache Sinn, weil deren Agrofood-Sparte einzeln betrachtet profitabel sei, kommentierte Thomas Höger, Analyst bei der DZ Bank. Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt bewerteten die Übernahme in einem Kurzkommentar als strategisch vernünftig, rechneten jedoch mit einer Belastung der Eurofins Eurofins-Aktien. wird den Experten des Bankhauses zufolge künftig weiter von der Nachfrage nach sicheren Lebensmitteln profitieren.

Zur Zukunft des Biochip-Geschäfts von Genescan äußerte sich Höger skeptisch. Es sei durch die Restrukturierung erheblich eingedampft worden und werde voraussichtlich eine Bewährungsfrist erhalten. "Ob man dies (das Geschäft) wirklich profitabel bekommen kann, bezweifel' ich", fügte er hinzu. Eurofins könne sich damit aber die Option offen halten, das Biochip-Geschäft auszuweiten. "Aber ich sehe das skeptisch."

Nach Högers Einschätzung werden dieses Jahr im Biotech-Sektor noch eine Reihe von Übernahmen deutscher Firmen folgen. Übernahmekandidaten seien möglicherweise das deutsche Biotechnologie-Unternehmen für Hautersatzprodukte Biotissue oder die brandenburgische Biopharmazeutik Co.don. -Firma Große Unternehmen wie beispielsweise Medigene zählten nicht dazu. "Sie sind im internationalen Markt nicht so attraktiv positioniert", sagte Höger. Die Heidelberger Lion Bioscience AG mache noch zu viel Verlust.

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