Übernahme-Gerüchte
TF1 bestätigt Interesse an Kirch-Media

Die französische Sendergruppe TF1 hat am Mittwoch erstmals ihr Interesse an einer Übernahme der insolventen Rechte- und Fernsehgesellschaft Kirch-Media bestätigt

Reuters PARIS/MÜNCHEN. TF1 habe das Interesse in einem vertraulichen und unverbindlichen Brief an die mit der Investorensuche beauftragte Investmentbank UBS Warburg zum Ausdruck gebracht, um detailliertere Informationen über das Unternehmen zu erhalten, teilte der französische Konzern in einer Stellungnahme mit. Der Brief impliziere aber keine endgültige Entscheidung. Nach einem Presse-Bericht liegen die bislang unverbindlichen Offerten für Kirch-Media zwischen 1,8 und 2,5 Milliarden Euro. Ein Sprecher des zum Verkauf stehenden Medienunternehmens lehnte einen Kommentar dazu ab.

Kirch-Media hatte am 8. April Insolvenz angemeldet. Die neue Geschäftsführung will das Kerngeschäft des Unternehmens, zu dem auch die Mehrheit an der Senderfamilie ProSiebenSat.1 gehört, nun an neue Investoren verkaufen. Ihr Interesse öffentlich bekundet haben außer TF1 die beiden Verlagshäuser Axel Springer und Heinrich Bauer sowie ein Konsortium von Commerzbank und dem US-Studio Columbia. Beide Bietergruppen sind auf der Suche nach weiteren Partnern. Verhandlungsnahen Kreisen zufolge will auch der US-Milliardär Haim Saban ein Angebot abgeben.

Noch keine bindenden Angebote

Unverbindliche Preisvorstellungen hätten bislang drei der vier übrig gebliebenen Interessenten geäußert, hieß es in der "Financial Times Deutschland". Das Konsortium um die Verlage Axel Springer und Bauer habe 1,8 bis 2,5 Milliarden Euro geboten, der US-Investor Haim Saban zwei bis 2,4 Milliarden Euro und der französische Fernsehsender TF1 knapp zwei Milliarden Euro. Sprecher von Bauer und Springer wollten die genannten Zahlen nicht kommentieren. Commerzbank-Vorstand Wolfgang Hartmann hatte den Wert der neuen Kirch-Media im Juni ebenfalls mit 1,8 bis 2,5 Milliarden Euro bezeichnet. Die bindenden Angebote sind abhängig von der Prüfung der Bücher, die die Interessenten derzeit vornehmen.

Nach den Plänen von UBS Warburg sollen Angebote für Kirch-Media bis Ende Juli abgegeben werden, damit die vom Gericht für den 1. August angesetzte Gläubigerversammlung schon eine Richtungsentscheidung treffen kann. Die Bieter wollen sich bei der Prüfung der Zahlen aber nicht unter Zeitdruck setzen lassen. "Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen", sagte ein Sprecher des Bauer Verlags.

Kirch-Media will Rechtehandel steigern

Unterdessen berichtete die Wochenzeitung "Die Zeit" vorab unter Berufung auf ein Strategiepapier der Unternehmensberatung Roland Berger, Kirch-Media wolle ihren Umsatz im Rechtehandel mit Filmen und TV-Serien bis zum Jahr 2006 um 60 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro steigern. Dabei gebe es aber gravierende Risiken, wie zum Beispiel den fraglichen Fortbestand des PayTV-Senders Premiere, mit dem Kirch-Media mehr als ein Drittel ihres Umsatzes mache.

Kirch-Media rechnet mit Traumrendite

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete vorab aus ihrer Donnerstagausgabe, dass Kirch-Media mit 570 Millionen Euro Gewinn bei den Fußball-WM-Rechten 2002 und 2006 rechne und dabei mit einer "Traumrendite" von 30 Prozent kalkuliere. Unter Berufung auf die Studie von Roland Berger berichtete das Blatt, Kirch-Media wolle sich aus dem internationalen Filmhandel teilweise zurückziehen und ihre Geschäfte in Deutschland konzentrieren. Die internationalen Aktivitäten sollten künftig "nur zur Abrundung des nationalen Kerngeschäfts dienen".

Kirch-Media solle außerdem mehrere Fernsehproduktions-Gesellschaften und Sportrechte-Verträge abgeben und profitable Geschäfte wie den Handel mit den Fußball-WM-Rechten ausbauen.

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