Übernahme "positiv zu beurteilen"
Deutsche Börse will Entory übernehmen

Die Deutsche Börse kauft erstmals seit ihrem Börsengang im Februar ein Unternehmen zu und will dabei den Karlsbader IT-Dienstleister Entory AG übernehmen.

Reuters FRANKFURT. Der Kaufpreis betrage bis zu 110 Mill. Euro in bar, teilte die Börse am Freitag in Frankfurt mit. Der Vorstand und wesentliche Großaktionäre der nicht börsennotierten Entory, die zusammen die Mehrheit an dem Unternehmen hielten, hätten der Übernahme ihrer Anteile bereits zugestimmt. Den übrigen Aktionären habe die Börse ein bis zum 14. Dezember befristetes Angebot vorgelegt. Die Übernahme stehe unter dem Vorbehalt einer Annahmequote von mindestens 95 Prozent. Analysten beurteilten die Übernahme positiv. Die Deutsche-Börse-Aktie zog an.

Der Kaufpreis für die Anteile einiger Entory-Aktionäre enthält weiteren Angaben zufolge eine Erfolgskomponente, die sich an der weiteren Entwicklung des Unternehmens orientiert. Die noch ausstehende Genehmigung der Akquisition durch den Aufsichtsrat der Börse solle Mitte Dezember erfolgen. Die Transaktion werde dann bis Jahresende abgeschlossen, hieß es.

Bei der Zusammenführung der Entory-Geschäfte mit denen der Deutsche Börse Systems entstehe einer der größten deutschen Informationstechnologie-Anbieter von ganzheitlichen Lösungen für die Finanzindustrie, teilte die Börse weiter mit. Die Zielgruppe für die IT-Dienstleistungen seien in erster Linie Banken, Versicherungen und Kapitalanlagegesellschaften. Deutsche Börse Systems entwickelt, verkauft und wartet Handelsplattformen wie beispielsweise Xetra und Eurex. Daneben übernimmt das Unternehmen die Wertpapierabwicklung für Drittanbieter.

Analyst Jörn Kissenkötter von M.M. Warburg sagte, die Übernahme sei grundsätzlich positiv zu beurteilen. Die Erlöse aus dem Börsengang würden sinnvoll investiert. Entory und Deutsche Börse Systems passten gut zusammen. Das Karlsbader Unternehmen verfüge über einen starken Vertrieb und einen guten Kundenstamm. Entorys Angaben zufolge gehören neben der Allianz und der Deutschen Bank auch der zweitgrößte deutsche Investmentfonds Union Investment zu den Kunden.

Durch die Übernahme wende sich die Deutsche Börse stärker dem Dienstleistungsbereich zu, hieß es bei Merrill Lynch. Bislang seien die Umsätze der Sparte Systems hauptsächlich im Geschäft innerhalb des Konzerns oder mit verbundenen Unternehmen generiert worden. Durch den Zukauf nähere sich die Börse dem Geschäftsmodell dem der schwedischen OM Gruppen, wodurch ein Übernahmeangebot für den Betreiber der Stockholmer Börse unwahrscheinlicher werde. Auszuschließen sei eine Offerte jedoch nicht. Obwohl sich der Schwerpunkt des Geschäftes der Deutschen Börse durch diese Übernahme verschiebe, stellten die von ihr betriebenen Börsen Frankfurt und Eurex nach wie vor den entscheidenden Aktivposten dar.

Die Deutsche Börse hatte im Februar ihre eigenen Aktien an die Börse gebracht. Die Einnahmen aus der Emission lagen bei rund einer Milliarde Euro. Im vergangenen Monat verlor die Deutsche Börse den Bieterwettstreit um die Londoner Terminbörse Liffe gegen die Dreiländerbörse Euronext.

Entory strebt den Angaben zufolge in diesem Jahr mit 400 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 100 Mill. Euro an. Deutsche Börse Systems habe in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres mit 103 Mill. Euro rund 20 Prozent zum Gruppenumsatz beigetragen. Die internen Umsätze hätten bei 186 Mill. Euro gelegen. Das aus internen und externen Umsätzen berechnete Vorsteuerergebnis vor Zinsen (Ebit) hätten 77,2 Millionen Euro betragen. Dies sei 35 Prozent des Konzern-Ebit.

Die Aktien der im Nebenwerte-Index MDax gelisteten Deutschen Börse tendierten am Freitag freundlich. Das Papier stieg bis zum Mittag um 1,36 Prozent auf 40,95 Euro. Der MDax gewann unterdessen 0,52 Prozent.

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