Übernahme sorgt bei SAP für Unruhe
Navision ist ein guter Kauf für Microsoft

In der Ruhe liegt die Kraft - das muss sich Navision-Gründer Jesper Balser gedacht haben, als er die Zentrale des dänischen Softwareunternehmens inmitten von Wiesen und Wäldern errichten liess.
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DÜSSELDORF. In dem kleinen Örtchen Vedbaek auf der Insel Seeland liegt der helle, lichtdurchflutete Gebäudekomplex, umgeben von einem Park mit Wasserläufen.

"Unser Headquarter ist Spiegel der Firmenkultur", sagt der 40-Jährige, der das Softwarehaus 1984 gegründet hat. Den heute 1200 Mitarbeiter starken Anbieter führt er gemeinsam mit Preben Damgaard, mit dessen gleichnamigem Unternehmen Navision Ende 2000 fusionierte - "freundlich", wie Balser betont. Ebenso freundlich will er jetzt unter die Microsoft-Fittiche schlüpfen.

Mit dem - gerüchteweise 1,7 Milliarden Euro schweren - Einstieg bei Navision würde Microsoft-Chef Steve Ballmer eine, wenn auch kleine, Perle unter den europäischen Softwarefirmen erwerben. Denn hinter der Fassade einer Bilderbuchidylle verbirgt sich ein beharrlicher Software-David, der sich jahrelang erfolgreich gegen den deutschen Goliath SAP stemmte. Die Börse beeindruckte die Kampfansage aus Redmond: Der SAP-Kurs erlitt einen spontanen Schwächeanfall von minus acht Prozent.

Die Dänen verkaufen wie SAP Computerprogramme zur Steuerung der Abläufe in Unternehmen: für die Finanzbuchhaltung, das Personalwesen oder die Produktionsplanung;Fachleute sprechen von ERP-Software. Doch anders als der deutsche Softwareriese, dessen Stärke im Geschäft mit Großkunden liegt, hat sich Balsers Mannschaft ganz auf die Bedürfnisse kleiner und mittelständischer Firmen spezialisiert.

Ein Segment, das auch in den kommenden Jahren gute Wachstumschancen verspricht. "Dort wächst die Nachfrage nach ERP-Anwendungen, weil immer mehr große Unternehmen ihre kleinen und mittelständischen Geschäftspartner drängen, ebenfalls entsprechende Programme anzuschaffen", sagt Rüdiger Spies, Analyst des US-Marktforschers Meta Group.

Die aber ordern bisher nur selten beim Branchenriesen SAP. Dessen Boss Hasso Plattner bemüht sich seit Jahren ohne großen Erfolg, imGeschäft mit demMittelstand Fuß zu fassen. Frustriert von einer Vielzahl gescheiterter Initativen übernahm er im März den israelischen Anbieter Topmanage, der ein eigenes Softwarepaket für den Mittelstand entwickelt hat. Nun muss er sich jedoch erst einmal um den Aufbau eines effizienten Vertriebsnetzes kümmern.

Da sind die Dänen schon einen großen Schritt weiter: Trotz auf breiter Front schwächelnden IT-Geschäfts konnte Balser für die erste Hälfte des Geschäftsjahres einen Umsatzanstieg um 18 Prozent auf gut 114 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr verbuchen. Der Nettogewinnzuwachs lag sogar bei fast 110 Prozent. Grund für die gute Position ist nach Ansicht von Analysten wie Meta-Mann Spies "die konsequente Konzentration auf indirekten Vertrieb". Statt das eigene Produkt aufwendig an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen, überlassen die Dänen ihren weltweit 2300 Partnern die individuelle Weiterentwicklung und Installation der Software."Damit entsteht eine Vielfalt von Branchenlösungen, die dann auch die anderen Partner weiterverkaufen können", lobt Spies die Strategie.

Trotz des für Microsoft interessanten Vertriebsmodells hegen Marktbeobachter wie Friederike Herkommer Zweifel, ob und wann sich die Übernahme von Navision rechnet:"Bei rund 200 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr wäre eine 1,7 Milliarden-Euro-Übernahme ziemlich teuer", urteilt die Softwareanalystin der HypoVereinsbank. Zumal sich Microsoft erst einmal damit herumschlagen müsste, die Programme der Dänen und des 2000 übernommenen Wettbewerbers Great Plains technologisch zusammenzuführen, um alle Synergieeffekte nutzen zu können.

Trotzdem ist man bei SAP wachsam: "Wir nehmen diese Konkurrenz sehr ernst", sagt SAP-Chef Plattner. Die Dänen bleiben dagegen zurückhaltend - zumindest solange mit Microsoft nicht alles in trockenen Tüchern ist. "Wir sehen nicht, dass wir eine Gefahr für SAP darstellen", gibt Deutschland-Chef Lars Damsgaard Andersen - ganz auf Linie mit seinem Firmengründer Balser - noch den netten Dänen.

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