Übernahme von Chef America für 2,6 Milliarden Dollar
Nestlé baut Tiefkühlkost-Geschäft in den USA aus

Der Lebensmittelkonzern Nestlé setzt seine Einkaufstour fort: Mit dem Tiefkühlkosthersteller Chef America erwirbt das Schweizer Unternehmen ein hoch profitables Geschäft. Analysten begrüßen den Kauf: Chef America produziert Snack-Produkte in einem zukunftsträchtigen Markt.

ef/sts DÜSSELDORF/ZÜRICH. Die Nestlé AG baut ihre Position auf dem US-Markt aus: Der weltweit größte Nahrungsmittelkonzern übernimmt für 2,6 Mrd. $ den amerikanischen Tiefkühlkost Chef America Inc. -Hersteller Das in Privatbesitz befindliche Unternehmen ist laut Nestlé Amerikas fünftgrößter Produzent von Tiefkühlkost und zählt zu den profitabelsten Unternehmen der US-Nahrungsmittelindustrie. Im Rahmen des Firmenkaufs übernimmt Nestlé auch die Schulden von Chef America, so dass sich der Netto-Kaufpreis auf rund 2 Mrd. $ belaufe.

Chef America verkauft "in der Hand gehaltene Tiefkühlprodukte" wie Sandwichs, Croissants und Mini-Pizzas. Die bekanntesten Marken sind Hot Pocket, Lean Pocket und Croissant Pocket. In den vergangenen fünf Jahren hat das Unternehmen ein jährliches Wachstum von mehr als 10 % erzielt. 2002 soll der Umsatz um gut 15 % auf 720 Mill. $ steigen.

Damit liegt der Übernahmepreis, der in bar entrichtet werden soll, beim 3,6-fachen des Umsatzes. "Das ist eher teuer, aber strategisch sinnvoll", kommentiert ein Analyst der Züricher Bank Leu den Deal. "Nestlé war schon immer bereit, für die Abrundung eines Geschäfts eine Prämie zu zahlen." Für Nestlé-Konzernchef Peter Brabeck stellt Chef America eine ideale Ergänzung des eigenen US-Tiefkühlgeschäfts dar. Unter den Marken Stouffer?s und Lean Cuisine verkauft der Schweizer Hersteller bisher lediglich vorbereitete Mahlzeiten. Mit den Produkten von Chef America wolle man nun auch das Snack-Geschäft bedienen. Chef Americas Produkte kämen den veränderten Essgewohnheiten der Amerikaner entgegen, heißt es bei Nestlé. Umfragen zufolge essen beispielsweise zwei Drittel aller US-Bürger beim Autofahren. Diese Klientel decke Chef America unter anderem ab. So seien die hohen Wachstumsraten der neuen Tochter aus Denver/Colorado zu erklären.



Brabeck kauft ein Unternehmen, das schneller wächst als sein eigenes, bemerkten Analysten. "Der Kauf macht absolut Sinn für Nestlé", sagt Bryan Robert, Einzelhandelsanalyst bei M+M Planet Retail. Die Produkte hätten eine hohe Marge und seien auf den zukunftsträchtigen Markt der Convenience-Produkte ausgerichtet. Rene Weber von der Vontobel Bank geht davon aus, dass Chef America im laufenden Jahr eine operative Marge (Ebitda) von 27 % erreicht. Für Nestlé erwartet der Analyst eine Marge von 15,4 %. "Chef America bringt ein sehr viel größeres Wachstum, als Nestlé bisher im Tiefkühlkost-Sortiment hatte", sagt Weber. Vontobel empfiehlt die Nestlé-Aktie zum Kauf.



Das Papier des Schweizer Lebensmittelherstellers stieg an der Züricher Börse gestern im Tagesverlauf um 5 % auf 324 sfr. Auch in Frankfurt stieg der Kurs um 5 % auf 220 Euro. Nestlé erwartet die Genehmigung der Chef-America-Transaktion durch die Wettbewerbsbehörden binnen 60 Tagen.

Mit dem Kauf baut Nestlé seine Position in den USA weiter aus. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern rund ein Viertel seines Umsatzes in Höhe von 84,7 Mrd. sfr (58,3 Mrd. Euro) in den Vereinigten Staaten. Die kürzlich bekannt gegebene Übernahme des US-Speiseeisherstellers Dreyer?s soll bis Ende des Jahres über die Bühne gehen.

Zuletzt wurde Nestlé zudem immer wieder ein Interesse an dem zum Verkauf stehenden amerikanischen Schokoladehersteller Hershey nachgesagt. Experten zufolge könnte das Geschäft bis zu 12 Mrd. $ wert sein. Nestlé bestätigte in der vergangenen Woche, auf jeden Fall die von Hershey in Lizenz hergestellte Marke Kit Kat zurückgewinnen zu wollen. Neben Nestlé werden Kraft und Cadbury Schweppes als Interessenten für Hershey genannt.

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern hat in den vergangenen Jahren seine Bereiche mit hohen Wachstumsraten und Margen kontinuierlich ausgebaut. Umgekehrt wurden Töchter, die diesen Ansprüchen nicht genügten, selbst wenn es sich dabei um traditionsreiche Geschäfte handelte, konsequent verkauft. Zu den expandierenden Geschäften zählten bislang vor allem Tiernahrung, Mineralwasser und Speiseeis.

Im Bereich Speiseeis hat Nestlé mit der Übernahme von Dreyer?s den Abstand zum Weltmarktführer Unilever verringert. Nestlé wäre künftig mit 67 % an Dreyer?s beteiligt und rückte damit zum US-Marktführer auf. Allerdings hat die US-Wettbewerbsbehörde FTC im Zusammenhang mit der geplanten Fusion von beiden Unternehmen zusätzliche Informationen verlangt. Der zum Ende des laufenden Jahres geplante Zusammenschluss verzögere sich durch die Anfrage nicht, teilte Nestlé mit. Das Unternehmen wolle eng mit der FTC zusammenarbeiten.

Quelle: Handelsblatt

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