Übernahme zu günstigem Zeitpunkt
RTL soll künftig bei Bertelsmann noch stärkere Rolle spielen

Der Medienkonzern Bertelsmann hat die Aufstockung seiner Anteile an RTL mit der noch stärkeren Rolle begründet, die das internet- und fernsehgetriebene RTL-Geschäft bei Bertelsmann künftig spielen soll. Der Konzern schließt ein Delisting der RTL-Aktien von der Börse nicht aus.

Reuters FRANKFURT. "RTL ist inzwischen der umsatz- und ergebnisstärkste Bereich bei Bertelsmann", sagte Firmensprecher Oliver Herrgesell am Montag der Nachrichtenagentur Reuters weiter. Sollte Bertelsmann bei dem geplanten Angebot für die ihm noch nicht gehörenden rund elf Prozent RTL-Anteile eine hohe Zahl an Aktien angedient bekommen, sei zudem ein RTL-Rückzug von der Börse denkbar. Bei RTL hieß es, man begrüße die Ausweitung des Bertelsmann-Engagements.

Bertelsmann hatte zuvor mitgeteilt, für 1,5 Mrd. ? in bar den 22-Prozent-Anteil an RTL des britischen Verlagshauses Pearson zu kaufen. Bertelsmann würde so seinen Anteil an der Fernsehgruppe auf zunächst etwa 89 % ausbauen. RTL ist nach eigenen Angaben mit 23 TV- und 17 Radiosendern europäischer Marktführer.

Den Kaufpreis für die Pearson-Anteile könne Bertelsmann ohne zusätzliche Kapitalmaßnahmen finanzieren, sagte Herrgesell. Bertelsmann sei zuversichtlich, auch die noch ausstehenden knapp elf Prozent der RTL-Anteile erwerben zu können. Die Gütersloher würden mit der RTL-Führung darüber sprechen, auch die Aktien im freien Handel zu kaufen. Dabei will Bertelsmann je Aktie 44 ? zahlen, was dem an Pearson gezahlten Preis entspreche.

"Machen genug Aktionäre mit, wäre ein Delisting (der RTL-Aktien) möglich. Wir könnten aber auch wunderbar damit leben, wenn ein Freefloat an der Börse verbleibt", sagte Herrgesell. Bertelsmann selbst plant in einigen Jahren seinen Börsengang, hat sich jedoch noch nicht auf einen Zeitpunkt festgelegt. Die zu gut einem Viertel an dem deutschen Medienkonzern beteiligte belgische Holding GBL hat den Angaben zufolge das Recht, ihren Anteil 2005 an die Börse zu bringen. Die GBL hatte den Bertelsmann-Anteil im Februar im Tausch gegen seine 30-Prozent- Beteiligung an RTL erhalten. Bertelsmann hatte damals erklärt, sich damit die Kontrollmehrheit an RTL gesichert zu haben.

Bei RTL hieß es, man begrüße den Schritt von Bertelsmann. "Für uns unterstreicht das die Bedeutung, die RTL innerhalb von Bertelsmann hat und es zeigt auch die Unterstützung von Bertelsmann für die Strategie von RTL", sagte Firmensprecher Markus Payer und fügte hinzu, RTL wolle als führendes europäisches Broadcasting-Unternehmen die Marktführerschaft in einzelnen Kernmärkten ausbauen und expandieren.

In Branchenkreisen hieß es, Bertelsmann habe den RTL-Anteil von Pearson zu einem günstigen Zeitpunkt übernommen. Unter anderem wurde dabei auf den Aktienkurs von RTL verwiesen. Die Titel wurden am Freitag zu Handelsschluss mit 40,60 ? notiert. Das Jahreshoch hatte im Februar bei 103,50 ? gelegen, das Tief im September bei 23 ?. In den Kreisen hieß es zudem, Pearson brauche derzeit Geld. Der Konzern hatte in der vergangenen Woche eine Gewinnwarnung ausgegeben. Aktien aus der Medienbranche sind zuletzt im Zusammenhang mit deutlich fallenden Werbeeinnahmen unter Druck geraten.

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