Übernahmeaktivitäten dementiert
Holsten will von Kaufinteressenten nichts wissen

Der Holsten-Brauerei ist nach eigenen Angaben derzeit nichts über einen möglichen Übernahmeversuch durch einen ausländischen Konkurrenten bekannt.

Reuters FRANKFURT. "Wir haben keine Hinweise auf solche Aktivitäten und es gibt auch keine Auffälligkeiten", sagte Holsten-Sprecher Udo Franke am Mittwoch in Hamburg. "Bei uns ist normaler Geschäftsbetrieb." Auch gebe es keine Verhandlungen: "Nein, die Holsten AG-Brauerei führt keine Gespräche", unterstrich Franke.

In Medienberichten hatte es zuvor geheißen, verschiedene ausländische Brauereien hätten ein Interesse am Erwerb von Holsten. Auslöser ist die Veräußerung von Holsten-Anteilen durch die Pivo Beteiligungsgesellschaft an einen nicht bekannten Käufer. Pivo gehört mehrheitlich der Commerzbank und hielt früheren Angaben von Holsten zufolge knapp 14 Prozent an der größten deutschen Brauerei-Gruppe. Der Aktienkurs von Holsten stieg am Mittwoch bei weit überdurchschnittlichen Umsätzen um mehr als zwölf Prozent auf 24,71 Euro und damit den höchsten Stand seit zwei Jahren. Nach Reuters-Berechnungen liegt der Börsenwert des Unternehmens derzeit bei rund 390 Millionen Euro.

Holsten-Sprecher Franke wollte den Anteilsverkauf durch Pivo nicht kommentieren. Er verwies lediglich darauf, dass der Erwerb in einigen Tagen öffentlich gemacht werden müsse, sofern ein einziger Investor das Paket übernommen habe. "Wir warten auf die Meldung des Käufers", sagte er. Auf die Frage, wie Holsten einem Übernahmeversuch gegenüber stehen würde, verwies er auf die Ansicht des Aufsichtsrates auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr, wonach sich Holsten eher als "Konsolidierer", also potenziellen Käufer, und nicht als Übernahmeobjekt sehe. Holsten hat in den vergangenen Monaten bereits kräftig zugekauft.

Die "Financial Times Deutschland" und das Magazin "Focus Money" hatten zuvor berichtet, die britische Brauerei Scottish & Newcastle (S&N) habe ein Interesse an Holsten. S&N wollte dies nicht kommentieren. Auch Heineken aus den Niederlanden, die belgische Interbrew, Carlsberg aus Dänemark sowie Anheuser-Busch aus den USA könnten ein Auge auf Holsten geworfen haben, hieß es bei der FTD. Eine Carlsberg-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern. "Es gibt so viele Gerüchte in Deutschland, dass wir uns entschieden haben, nicht eines davon zu kommentieren", sagte sie.

Im Zentrum der Spekulationen steht Holsten-Großaktionär und zugleich Aufsichtsratschef Christian Eisenbeiss, der nach früheren Holsten-Angaben knapp 35 Prozent an dem Konzern hält und in der Presse als möglicher Käufer des Pivo-Paketes gehandelt wurde. Holsten-Sprecher Franke wollte sich dazu nicht äußern. Eisenbeiss sei derzeit nicht zu erreichen, sagte er.

Holsten-Sprecher Franke wies zugleich Gerüchte zurück, wonach das Unternehmen auf Grund finanzieller Schwierigkeiten einen Partner suche. "Unsere Finanzlage hat sich deutlich verbessert, wir sind nicht außerordentlich verschuldet." Holsten habe nach einem "finanziellen Tal 2001" im vergangenen Jahr den Turn-Around geschafft und sei durchaus in der Lage, bei interessanten Gelegenheiten zu investieren.

Der deutsche Biermark ist bereits seit längerem in Bewegung, nicht zuletzt durch die Übernahmen von Beck's und Gilde durch die belgische Interbrew. Zu Holsten gehören neben der auch im Ausland sehr bekannten Hausmarke unter anderem auch König-Pilsener, Licher oder Feldschlößchen. Das Hamburger Unternehmen steigerte im vergangenen Jahr den Getränkeabsatz leicht auf 14,4 Millionen Hektoliter, wobei die Verkäufe im Inland um 2,5 Prozent zulegten.

Laut "Focus Money" soll Scottish & Newcastle auch an Brau und Brunnen interessiert sein. Ein Sprecher der Dortmunder Getränkegruppe bezeichnete dies als "Spekulationen, die derzeit umlaufen." Brau und Brunnen liege jedenfalls kein Angebot oder Ähnliches vor. Das Unternehmen, das in diesem Jahr nach längerer Durststrecke wieder Gewinne schreiben will, steht einer Kooperation nach eigenen Angaben offen gegenüber. "Wir sind interessiert an einem Partner und wir führen auch Gespräche", sagte der Sprecher. In naher Zukunft werde jedoch nichts entschieden, sagte er, ohne weitere Details zu nennen.

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