Übernahmeangebot von Barilla abgelehnt
Kamps lässt sich nicht weich kochen

Der Düsseldorfer Großbäcker Kamps AG hat das vom italienischen Nudelhersteller Barilla am Montagmorgen vorgelegte Übernahmeangebot am Abend als zu niedrig abgelehnt. Der von Barilla vorgeschlagene Preis von zwölf Euro je Aktie sei eindeutig zu niedrig, teilte Europas größte Backereikette mit.

Reuters DÜSSELDORF. Die italienische Barilla habe weder ein stimmiges Konzept vorgelegt noch einen angemessenen Preis für die Aktie geboten, teilte der Kamps-Vorstand am Montagabend mit. Unterdessen sagte Firmenchef Heiner Kamps dem Fersehsender n-tv am Abend mit Blick auf die Angebotshöhe, es gehe nicht um "ein oder zwei Euro". Damit bahnt sich in Deutschland eine der größten feindlichen Übernahmen seit dem Kauf von Mannesmann durch die britische Vodafone an.

Kamps teilte weiter mit, in den vergangenen Wochen mit Barilla über eine mögliche Zusammenführung gesprochen zu haben. Die Gespräche habe Kamps am Wochenende beendet. Auf die Frage, ob Kamps nun seinen Aktionären die Ablehnung des Barilla-Angebots empfehle, sagte ein Sprecher: "Dies würde das bedeuten, die Erklärung des Vorstands war eindeutig."

Nach den Worten von Barilla-Finanzchef Vittorio Ogliengo will der Familienkonzern zunächst 51 Prozent der insgesamt mit 1,8 Milliarden Euro bewerteten Kamps AG übernehmen. Das Barangebot bezeichnete er am Mittag in Frankfurt auf einer überraschend einberufenen Pressekonferenz dagegen als "großzügig und fair". "Wir sind überzeugt, dass dies der Endpreis sein wird", sagte Ogliengo. Die Offerte entspricht einer Prämie von 11,3 Prozent. Am Freitag hatte das Papier bei 10,78 Euro geschlossen.

Die Kamps-Aktie reagierte mit einem Kurssprung auf das Übernahmeangebot aus Italien und stieg im Xetra-Geschäft bis zum Abend um fast 16 Prozent auf 12,50 Euro und damit leicht über den Angebotspreis. Die Titel gehörten am Montag zu den meist gehandelten Aktien und waren am Abend von der Deutschen Börse vom Handel ausgesetzt worden.

Aktuell halte der Familienkonzern 2,07 Prozent der Kamps- Aktien, gab der Barilla-Finanzchef bekannt. Die Angebotsunterlagen seien am Montag bei den Behörden eingereicht worden. Die Angebotsfrist an die Kamps-Aktionäre beginne voraussichtlich in der zweiten Mai-Woche. 15 Prozent der Anteilsscheine hält nach Angaben von Kamps das Management, 85 Prozent seien breit gestreut.

Das von Barilla am Morgen angekündigte Konzept liege dem Vorstand noch nicht im Detail vor, hieß es am Montagabend in der Erklärung der Kamps AG weiter. Barilla habe Kamps bislang mitgeteilt, dass man die Kamps-Aktien gemeinsam mit einem befreundeten italienischen Bankhaus als reine Finanzinvestition übernehmen wolle. Auch beabsichtige Barilla, die Kamps-Aktie von der Börse zu nehmen. Dies würde den Verlust einer wichtigen Finanzierungsquelle bedeuten, erklärte Kamps. Dagegen sagte der Barilla-Finanzchef, ob der Großkonzern nach einer Übernahme durch Barilla weiterhin börsennotiert bliebe, könne noch nicht gesagt werden. "Das hängt auch davon ab, wie viele Aktien wir übernehmen können." Mit den Verhandlungen vertraute Kreise erwarten nach der Ablehnung der Offerte durch Kamps, dass die Gespräche mit Barilla weitergehen werden.

Gerüchte kursieren schon länger

Mit der Offerte bestätigte Barilla lang kursierende Gerüchte um einen Einstieg des Familienkonzerns aus Parma bei dem Großbäcker. Kamps und Barilla würden sich hervorragend in ihren Marken, Produkten und Märkten ergänzen, sagte Ogliengo weiter. Barilla besitzt mit "Wasa" eine der führenden Knäckebrotmarken in Europa. Kamps war vor vier Jahren an die Börse gegangen und stieg mit einer aggressiven Übernahmestrategie zum europäischen Marktführer bei Brot und Backwaren auf. Nach der Expansion in Deutschland kaufte Kamps in den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Italien zu. Die Einkaufstour ging auch zu Lasten der Bilanz: "Der kritische Punkt bei Kamps ist die Verschuldung", sagte Analyst Rehbach.

Kamps hatte 2001 nach einem Gewinneinbruch ein Restrukturierungs-Programm aufgelegt und zugleich eine Reduzierung der Bankverbindlichkeiten angekündigt. Einem Firmensprecher zufolge will Kamps seine Bankverbindlichkeiten von 160 Millionen Euro in diesem Jahr um 60 Millionen Euro und im nächsten Jahr um 90 Millionen Euro zurückführen. Die Summe der Anleihen und Bankverbindlichkeiten hatte Kamps Anfang März mit 776,9 Millionen Euro beziffert. Die 1877 gegründete Barilla erzielte nach eigenen Angaben 2001 einen Umsatz von rund 2,4 Milliarden Euro. Die Gruppe betreibt 23 Produktionsstandorte und beschäftigt 7.000 Mitarbeiter.

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