Übernahmegespräche laufen weiter
Kirch zum Rückzug bereit

Der Medienunternehmer Leo Kirch ist nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen grundsätzlich zum Rückzug aus seiner Film- und Rechtegesellschaft Kirch-Media bereit, fordert dafür aber einen Großteil der Einnahmen aus dem Verkauf der TV-Rechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

rtr MüNCHEN/FRANKFURT. "Kirch will sich einige Rosinen von Kirch-Media sichern", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus den Kreisen. Er fordere bis zu 70 % der Erlöse aus dem Verkauf der deutschsprachigen TV-Rechte an der Fußball-WM 2006 und eine Provision für die weltweite Übertragung. Dafür würde er sich vollständig aus Kirch-Media zurückziehen. Wie es in den Kreisen weiter hieß, zeichnet sich in den Verhandlungen über die künftige Kontrolle von Kirch-Media immer mehr die Übernahme durch die Kirch-Gesellschafter um den australischen Medienmogul Rupert Murdoch und den italienischen Konzern Mediaset ab. Die Gespräche wurden am Dienstag fortgesetzt.

Die mit mindestens 6,5 Mrd. ? verschuldete Kirch-Gruppe ringt seit Wochen mit den Banken um ein Sanierungskonzept. "Derzeit deutet alles darauf hin, dass die Gesellschafter die Mehrheit an KirchMedia übernehmen werden", sagte ein Bankenvertreter am Dienstag. Die vier Kreditinstitute Bayerische Landesbank, HypoVereinsbank, DZ Bank und Commerzbank würden sich aber wahrscheinlich ebenfalls an der Kapitalerhöhung von 800 Mill. ? bei KirchMedia beteiligen, um mit dieser Finanzspritze die Liquidität der Gesellschaft zu sichern. Derzeit werde eine Minderheitsbeteiligung der Banken von 25 bis 30 % an KirchMedia nach der Kapitalerhöhung diskutiert.

Gespräche jetzt in entscheidender Phase

An KirchMedia, die über den größten Filmrechtestock in Deutschland und die TV-Rechte an den Fußballweltmeisterschaften von 2002 und 2006 verfügt, hält der 75-jährige Firmengründer Leo Kirch zusammen mit seinem Sohn Thomas rund 79 %. Die Minderheitsgesellschafter - neben Murdoch und Mediaset die Handelsgruppe Rewe, der saudische Prinz Al Waleed und die Finanzinvestoren Lehman Brothers und Capital Research - halten zusammen 21 %. Allein durch die Kapitalerhöhung würde Kirchs Anteil auf unter 50 % verwässern.

"Leo Kirch legt aber offenbar keinen besonderen Wert darauf, mit einer Minderheit bei KirchMedia beteiligt zu bleiben", hieß es in Bankenkreisen. Die weltweiten Rechte an der Fußball-WM 2006 hatte die Kirch-Gruppe vom Weltfußballverband FIFA für 1,71 Mrd. Schweizer Franken (1,2 Mrd. ?) erworben und bis zum Dezember 2001 diese Summe bereits aus dem Rechte-Verkauf wieder erlöst. Dabei seien aber nur rund 50 % der möglichen Verträge abgeschlossen worden, erläuterte ein Kirch-Sprecher, die die Verhandlungen ansonsten nicht kommentieren wollte.

Die Gespräche zwischen den Banken, Gesellschaftern und Kirch-Vertretern hätten am Montag bis in die Nacht angedauert, hieß es in verhandlungsnahen Kreisen. Dabei hätten sich die Gesellschafter am Abend in Mailand getroffen, um ihre Positionen untereinander zu klären. Die Ergebnisse dieser Absprache würden den Banken am Dienstagvormittag präsentiert. Eine Einigung werde weiter auf jeden Fall bis Ostern angestrebt. "Bis übermorgen muss das Thema durch sein, jetzt beginnt aber die Phase des Pokerns", sagte Bankenvertreter.

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