Übernahmekampf in Frankreich – Neuer Aufsichtsratschef bei Crédit Agricole
Ringen um Crédit Lyonnais geht in eine neue Runde

René Carron ist zum neuen Vorsitzenden des Verwaltungsrats von Crédit Agricole (Casa) gewählt worden. Carron will verhindern, dass BNP Paribas das Rennen um Crédit Lyonnais (CL) macht.

cn/abo PARIS. Bereits vergangene Woche hatte Garron, damals noch einfaches Verwaltungsratsmitglied, angekündigt, man werde um CL kämpfen. "Wir haben einen Satz verloren, aber noch nicht das Spiel", hatte Carron den überraschenden Verkauf des 10,9-prozentigen CL-Staatsanteils an BNP kommentiert.

Als nunmehr gleichzeitiger Chef des Casa-Verwaltungsrates und der Fédération Nationale du Crédit Agricole (FNCA) ist Carron der neue starke Mann bei der Agrarbankgruppe. In der FNCA sind über 40 regionale Genossenschaftskassen organisiert, die 73% der Casa-Anteile halten. Seinen Hut nehmen musste der blasse Verwaltungsratschef Marc Bué. Ihm wird damit das vorläufige Scheitern in Sachen CL angelastet. Der Generaldirektor von Casa, Jean Laurent, der das operative Geschäft leitet, bleibt dagegen im Amt.

Carron hatte sich vergangene Woche kämpferisch gezeigt. Der Zuschlag an BNP Paribas sei für Casa zwar "eine Pleite. Aber wenn man drei Jahre lang um etwas gekämpft hat, dann gibt man es nicht innerhalb von 24 Stunden auf." Carron gilt als Macher. "Hätte Carron freie Hand gehabt, hätte es längst einen Deal mit CL gegeben", sagte ein führender Casa-Manager.

Schon einmal fädelte Carron erfolgreich eine Bankenehe ein. Anfang der neunziger Jahre fusionierte der 60-Jährige die Genossenschaftskasse seiner Heimatregion Savoyen, deren Chefsessel er 1992 von seinem Vater übernommen hatte, mit der von Hoch-Savoyen, die kurz vor der Pleite stand. In wenigen Jahren schrieb das vereinigte Institut wieder schwarze Zahlen. Trotz seiner provinziellen Wurzeln - Carron war lange Zeit Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Yenne und züchtete Rinder - gilt der neue Casa-Chef als politisch gut vernetzt, besonders im konservativen Lager.

Von der im Juni abgewählten linken Regierung war Casa lange Zeit als Referenzaktionär und potenzieller Übernehmer von CL vorgesehen. Doch die Manager der Gruppe fanden nicht zu dem von der Regierung gewünschten Konzept mit dem auf seine Unabhängigkeit bedachten CL-Chef Jean Peyrelevade. Seit Amtsantritt der Rechtsregierung fehlte der Genossenschaftsgruppe ein Vertrauensmann der Konservativen an ihrer Spitze.

Nutzen will der neue Aufsichtsratschef, dass Crédit Agricole im Gegensatz zu BNP Paribas zum Kreis der Kernaktionäre von CL gehört. Presseberichte, nach denen Casa bereits mit der Allianz AG, die über ihre Versicherungstochter AGF und die Dresdner Bank 10,5% an CL hält, und der von den Agrarbankern kontrollierten italienischen Banca Intesa (3,7%) über ein Bündnis verhandelt, bestätigten die Beteiligten nicht. Die drei anderen CL-Kernaktionäre Axa (5,5%), Commerzbank (3,7%) und die spanische BBVA (3,8%) gelten als verkaufswillig.

Will Carron im Kampf um CL in die Offensive gehen, benötigt er die Unterstützung von Laurent. Daher nahm Carron den Generaldirektor in Schutz: "Jean Laurent hat stets in Absprache mit den gewählten Vertretern gehandelt. Man darf ihn nicht alleine für die momentanen Schwierigkeiten verantwortlich machen." Seit der Privatisierung von CL 1999 war Casa mit 10,7% größter Aktionär der Lyoner Bank. Obwohl die französische Regierung durch einen Zusammenschluss der Agrarbank mit CL eine dritte französische Großbank neben BNP Paribas und Société Générale schaffen wollte, fuhren sich die Fusionsgespräche fest - auch weil ein Zusammengehen mit CL innerhalb der Genossenschaftsbank umstritten war. Dieses Handicap soll die Wahl Carrons nun beseitigen.

Am 23. November hatte Finanzminister Francis Mer die Geduld mit dem Casa-Management verloren und versteigerte kurzerhand den verbliebenen Staatsanteil. Die Agrarbanker boten nur 44 Euro pro Aktie, während BNP Paribas 58 Euro auf den Tisch legte. Inzwischen erhöhte BNP über Zukäufe an der Börse auf einen Anteil von 16 %.

Quelle: Handelsblatt

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